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André Campra - Messe de Requiem & Les Maîtres de Notre-Dame de Paris

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André Campra - Messe de Requiem & Les Maîtres de Notre-Dame de Paris
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Der letzte maître de musique, der im siebzehnten Jahrhundert an der Notre-Dame angebunden war, ist in unserer Wahrnehmung zweifellos der bekannteste oder, wenn Sie so wollen, markanteste: André Campra (1660-1744). Er erhielt seine musikalische Ausbildung an der Chorschule der Kathedrale von Saint-Saveur in Aix-en-Provence und bekleidete seine ersten Funktionen als maître de musique in verschiedenen Kathedralen im Süden Frankreichs (Toulon, Arles, Toulouse), bevor er am 21. Juni 1694 Jean Mignon als Leiter der maîtrise der Pariser Notre-Dame nachfolgte. Aber einmal in Paris ansässig, wurde er doch vor allem von dem angezogen, was sich in der Opéra abspielte, was ihn bald zu seiner ersten Oper inspirierte, L'Europe galante, die 1697 bei der Académie Royale de Musique ihre Uraufführung hatte und zu einem großen Erfolg und folglich zu zahlreichen Aufführungen führte.

Unvereinbar
Aber das hatte eine Kehrseite: Die Kanoniker der Notre-Dame fanden diese für Campra so unwiderstehliche Anziehungskraft zum Opernhaus unvereinbar mit der Würde seiner Aufgaben innerhalb der Mauern der Kathedrale, was zur Folge hatte, dass er im November 1700 das Feld räumen musste. Dennoch blieb er sich stark mit den vielen religiösen Gemeinden verbunden, die die Hauptstadt besaß. Sie erteilten ihm zahlreiche Kompositionsaufträge, besonders die der Jesuiten, die er gerne annahm.

Aber 1723 wartete eine neue Herausforderung auf ihn: die Position des an der Chapelle Royale angebundenen sous-maître (es gab insgesamt vier). Er blieb das bis zu seinem Tod 1744 und hinterließ mehr als dreißig grand motets.

Verschiedene Hypothesen
Campra komponierte speziell für die Notre-Dame eine fünfstimmige polyphne Messe: Ad majorem Dei gloriam, veröffentlicht 1699. In demselben Jahr widmete er sein zweites Buch mit petits motets (Motets à I, II et III voix et instruments avec la basse continue) dem Kardinal de Noailles, dem Erzbischof von Paris; das erste Motet mit gleichem Namen hatte Campra bereits 1695 Charles de la Grange-Trianon, Kanoniker der Notre-Dame, gewidmet. Aber sein berühmtestes religiöses Werk bleibt doch die Messe des morts (oder Messe de Requiem). Obwohl die Umstände um das Werk unklar sind und wohl unklar bleiben werden, gibt es verschiedene Hypothesen, die das Werk jeder Periode von Campras beruflichem Leben zuweisen, von Aix-en-Provence, wo er seine Ausbildung erhielt, bis zur Chapelle Royale, über die Kathedralen von Saint-Trophime in Arles, Saint-Étienne in Toulouse und natürlich schließlich die Notre-Dame in Paris.

Wie das Domine Jesu Christe aus dem Requiem zeigt, folgt das Oratorium der römischen Liturgie statt des Ritus der Gallikanischen Kirche, die vor allem in den Kathedralen im nördlichen Teil Frankreichs und besonders in der Notre-Dame verwendet wurde. Der Vorschlag von Maurice Barthélem, Autor von André Campra 1660-1674, étude biographique et musicologique, dass das Requiem möglicherweise für einen Gedenkgottesdienst am 23. November 1695 in der Notre-Dame anlässlich des Todes des Erzbischofs François de Harlay de Champvallon, vier Monate früher, komponiert wurde, scheint daher nicht haltbar zu sein. Dann ist da die Chapelle Royale, wo Campra ab 1723 sous-maître war, manchmal als die wahrscheinlichste Umgebung für die Entstehung des Werkes dargestellt, aber dies kann ausgeschlossen werden: obwohl die Liturgie der Chapelle tatsächlich der römischen Ritus folgte, schloss die Zeremonie, zumindest in dieser Zeit, Messen für die Toten 'en musique' und 'en symphonie' von vornherein aus.

Wir müssen daher auf andere Hypothesen schauen, von denen die in der brandneuen Ausgabe des Requiem unter der Redaktion von Louis Castelain (Versailles 2024) am überzeugendsten zu sein scheint. Obwohl wir seine Entstehung am Ende der Periode des Komponisten in Toulouse – er verließ die dortige Kathedrale 1694 – nicht vollständig ausschließen können, bleibt die Spur nach Paris die plausibelste, und noch genauer die Zeit nach seiner Entlassung durch das Kapitel der Notre-Dame.

Zwischen 1700 und 1722 hatte er keine feste Anstellung bei einer religiösen Institution, aber er arbeitete regelmäßig mit den Jesuiten zusammen. Diese Glaubensgemeinschaft, die allgemein der römischen Ritus folgte, nutzte in ihren Zeremonien gerne musikalische Kräfte wie wir sie in Campras Messe des morts finden: eine Gruppe von Solisten dominiert von tieferen Stimmen, einen fünfstimmigen Chor und ein vierstimmiges Orchester (Streicher und Flöten) 'à la française', eine Besetzung, die an die denken lässt, die häufig von Marc-Antoine Charpentier (1643-1704) in den Werken verwendet wurde, die er zwischen 1688 und 1698 für dieselben Jesuiten schrieb. Aber auch andere Pariser religiöse Institute griffen gerne auf die kreativen Dienste von Campra zurück, dessen Ruf in der Hauptstadt damals fest etabliert war. Zwischen 1700 und 1721 beschreibt der Mercure galant sechs 'außergewöhnliche' Zeremonien, an denen Campra auf Einladung verschiedener kirchlicher Gönner teilnahm. Die erste davon ist sicherlich faszinierend. Am 13. März 1700 fand in der Église des Mathurins, gelegen an der heutigen rue de Cluny, ein Trauergottesdienst zum Gedenken an Louis Boucherat, Kanzler von Frankreich, der am 2. September 1699 gestorben war, statt. Im Mercure galant vom März 1700 (S. 188-190) ist hierzu folgendes zu lesen:

Le Samedy 13. de ce mois, la Communauté des Imprimeurs & Libraires de Paris, fit célèbrer un Service solemnel, pour feu Mr le Chancelier Boucherat, comme Protecteur des Lettres & des Sciences, dans l'Église des Pères, de la Rédemption des Captifs, apellez communément Mathurins. Elle estoit tenduë de drap noir jusqu'aux voutes, avec un répresentation élevée sur une estrade de plusieurs degrez, & entourée de quantités de cierges aux Armes de Boucherat, le tout sous un haut Dais suspendu. Mr le Général de l'Ordre célèbra la Messe, qui fut réponduë par un Choeur des meilleurs Musiciens, sous la conduite de Mr Campra, Chanoine de Saint-Jean-le-Rond, et Maistre de la Musique de Notre-Dame. Les Parents de Mr Chancelier s'y trouvèrent, avec un grand nombre de Personnes de Qualité.

Es ist wahrscheinlich, dass Campra, der noch ein paar Monate in seiner Funktion bei Notre-Dame zu dienen hatte – er wurde im November 1700 durch Jean-François Lallouette ersetzt – eine Totenmesse aus eigener Hand dirigierte. Wie die meisten geistlichen Orden, trotz aller jüngsten Spannungen zwischen Paris und Rom, benutzten die Mathurins im Allgemeinen die von Rom sanktionierten liturgischen Bücher. Die Kirchen, die die anderen fünf im Mercure angeführten Feiern in Ehren hielten und bei denen Campra beteiligt war – festliche Ereignisse, die traditionell mit einem Te Deum gefeiert wurden – gehörten ebenfalls zu den Kongregationen (Theatiner, Oratorianer, Jesuiten und Barfüßige Augustiner), die hauptsächlich dem römischen Ritus folgten.

Große Bekanntheit
Campras Messe des morts erfreute sich im achtzehnten Jahrhundert großer Bekanntheit, wenn auch hauptsächlich in den Provinzen. Das Werk gehörte zu jenen ikonischen Kompositionen, die regelmäßig bei außergewöhnlichen Feierlichkeiten aufgeführt wurden, zusammen mit der Messe des morts eines anderen ehemaligen provenzalischen Sängers, Jean Gilles (1668-1705). Dann gab es das Te Deum von Michel-Richard de Lalande (1657-1726), das vor allem bei Feiern rund um Dankbarkeit und Freude Dienst tat.

Campras Requiem scheint nicht vom Concert Spirituel aufgeführt worden zu sein, einer Institution, die 1725 in Paris gegründet wurde, im Gegensatz zu Gilles' Requiem, das dort bis in die 1770er Jahre in hohem Ansehen stand und mehrfach auf den Notenpulten erschien. Andererseits genoss Campras Requiem einen großen Ruf in der Heimatregion des Komponisten und allgemeiner im südöstlichen Teil Frankreichs. Belege dafür gehen auf die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts zurück, eine Zeit, in der sich die regionale Presse stark entwickelte und dadurch einen wahren Schatz an Informationen über das Musikleben in den Provinzen in den letzten Tagen des Ancien Régime bietet.

Knabenkantorei
Seit ihrer Gründung hat die Notre-Dame führende Musiker jener Zeit angezogen. Unter diesen Gewölben entstanden in der späten zwölften Jahrhundert die ersten polyphonen Stücke, und der Gesang bereicherte immer die zahlreichen dort abgehaltenen Gottesdienste. Dies verlieh der Kathedrale einen Glanz, der ihren Ruf weit über die französische Hauptstadt hinaus reichte. Viele bekannte Sänger, Organisten, Chorleiter (maîtres de chapelle oder de musique) und Komponisten erhielten ihre Ausbildung an oder dienten in der Knabenkantorei (maîtrise), einer der ältesten und prestigeträchtigsten im damaligen Königreich – die frühesten Berichte datieren von 1326. Bis zur Französischen Revolution haben Musiker aller Art zum reichen musikalischen Erbe der Kathedrale beigetragen, wobei sie die kantoralen Traditionen und die oft komplexen Techniken des (oft auch spontan improvisierten) Gregorianischen Gesangs (chant du sur le livre) in Ehren hielten.

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