Bachs Musik ist meist am besten, wenn sie so historisch korrekt wie möglich aufgeführt wird. Das Ensemble Capella Nova gelang dies zweifellos mit seinem Konzert J.S. Bach: Motetten an einem der schönsten Orte Flanderns für Barockkonzerte: der Abtei von Park in Heverlee.
Auch im Dunkeln ist die Prämonstratenserabtei von Park eine atemberaubende Stätte und der ideale Ort in Leuven für die Organisation von Barockkonzerten. Die heutige Form der Abtei stammt aus dem späten 17. Jahrhundert und dem frühen 18. Jahrhundert. Das Wagenhaus und die Zehntscheune von 1663, das Löwentor von 1725 und die Kirche St. Johannes der Evangelist aus dem 14. Jahrhundert, die 1729 in klassizierendem Barockstil umgestaltet wurde, ermöglichen es dem Besucher, sich gleichsam in die Zeit von Johann Sebastian Bach versetzt zu fühlen. Hätte Bach die Abtei selbst besucht, hätte er so gut wie das gleiche Bild gesehen, das wir heute noch bewundern können.
Abgesehen von der beeindruckenden Stätte und der prächtigen Barockkirche, in der das Konzert stattfand, war auch Capella Novas Interpretation von Bachs Motetten (BWV 225-230) unter der Leitung von Marleen Reynders es wert. Die Sänger und Musiker auf semi-professionellem Niveau, wie sie sich selbst beschreiben, boten eine sorgfältige Aufführung von vier Motetten, einer Sonate für Flöte und einer Kantate. Warum genau diese Werke gewählt wurden und nicht eine vollständige Aufführung aller sechs Motetten, bleibt unklar, aber die Kombination mit anderen Genres sorgte für eine angenehme Abwechslung.
Der erste Teil des Konzerts bestand aus drei Motetten: Komm, Jesu Komm (BWV 229), Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf (BWV 226) und Singet dem Herren ein neues Lied (BWV 225). Die kleine Instrumentalbesetzung, bestehend aus zwei Flöten, zwei Violen da gamba, einem Barockcello und einer Orgel, sorgte für einen versammelten Eindruck, der bei Motetten, die speziell für Aufführungen bei Begräbnissen komponiert wurden, durchaus angebracht ist. Das Gleichgewicht war nicht immer ganz perfekt, aber dies ließ sich leicht durch die wunderbare Begleitung der Orgel relativieren. Der Organist Arno Kerkhof, bekannt für seine Bach-Interpretationen, verdient hier sicherlich eine Erwähnung.
Nach der Pause setzte das Ensemble das Konzert mit der Motette Jesu, meine Freude (BWV 227) fort, einer äußerst dynamischen Motette und einer guten Wahl, um das Konzert fortzusetzen und die Aufmerksamkeit optimal zu halten. Anschließend brachte Capella Nova die Siciliano aus der Flötensonate in e-Moll (BWV 1031) mit Solist Erik Panis auf Blockflöte, ein schön gestaltetes Intermezzo als Übergangzwischen den Motetten und dem letzten aufgeführten Werk. Die Kantate Gottes Zeit ist die Allerbeste Zeit (BWV 106), eine von Bachs frühesten Kantaten und auch als Actus Tragicus bekannt, wurde wie die Motetten für eine schlichte Besetzung komponiert und sollte bei einem Begräbnis aufgeführt werden. Die kleine Besetzung aus den Motetten war daher äußerst geeignet, um dieses letzte Werk auf authentische Weise aufzuführen. Dass die Solisten sich jedes Mal unter der Kanzel ducken mussten, um ihren Platz vorne im Orchester zu erreichen, hätte möglicherweise behoben werden können, indem man ein paar Stühle in der vorderen Reihe weggenommen hätte und den Ein- und Ausgang der Solisten vielleicht etwas weniger unbeholfen wirken lassen hätte. Sopranlsolistin Hanne Raport-Hautekiet wirkte etwas nervös und klang daher nicht immer ganz rein, hat es aber sicherlich gut gemacht. Auch Sopran Brigitte Maes, Tenor Jan Petes und besonders Bass Alessandro Cortese lieferten eine lobenswerte Leistung.
Die Reaktion des Publikums war sehr positiv und das ganze Konzert war für mich eine herrliche Verschnaufpause während der Prüfungszeit.
- WER: Vokal- und Instrumentalensemble Capella Nova u.L.v. Marleen Reynders
- WAS: Motetten Komm, Jesu Komm (BWV 229), Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf (BWV 226), Singet dem Herren ein neues Lied (BWV 225) und Jesu, meine Freude (BWV 227); Siciliano aus der Flötensonate in e-Moll (BWV 1031); Kantate Gottes Zeit ist die Allerbeste Zeit (BWV 106, "Actus Tragicus")
- WO: Abtei von Park, 3001 Heverlee
- WANN: Samstag, 20. Januar 2018, 20 Uhr