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Brügge, Florenz und die Magie des Südens: ein neues Stadsfestival

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Brügge, Florenz und die Magie des Südens: ein neues Stadsfestival

Am Sonntag, 30. August wird Stadspaleis Hof Bladelin in Brugge zum Schauplatz der ersten Ausgabe eines neuen Tagesfestivals: Bruges, the Sea & the South: RE-SonanceS. Ein Festival, das Musik, Geschichte, Kunst und Kulturerbe miteinander verbindet. Und ehrlich gesagt: Der Ort hätte kaum besser gewählt sein können.

Hof Bladelin wurde 1435 erbaut und gehört zu den drei erhaltenen mittelalterlichen Stadtpalästen von Brugge. Aber das Gebäude ist mehr als nur ein beeindruckendes historisches Decor. 1466 errichtete Piero de' Medici hier eine Bankfiliale. Bis heute zeugen die Räume, Symbole und Geschichten von dieser besonderen Verbindung zwischen Brugge und Florence.

Aus dieser historischen Verbindung entstand auch der Ausgangspunkt dieses Festivals.

Die Frage, die sozusagen über dem Tag schwebt, ist einfach: Was verbindet Florence und Brugge? Anna Maria Luisa de' Medici, Raphael, Corelli, Vivaldi und Tartini mit einem Brugger Stadtpalais?

Die Antwort wird zum Glück keine dreistündige akademische Vorlesung.

Sondern ein Tag, an dem Führer, Musiker, eine Künstlerin und spannende Gespräche zusammen eine große Geschichte erzählen. Eine Geschichte über Italien und Flandern, über Schönheit und Handwerk, über Musik und Kulturerbe, und über die Weise, wie sich Kulturen seit Jahrhunderten gegenseitig inspirieren.

Von Brugge nach Firenze

Der Nachmittag beginnt um 14 Uhr mit Bruges e Firenze: Arte e Bellezza.

Jo Berten und Wouter Delaere nehmen das Publikum mit auf den italienischen Spuren, die noch immer in Brugge sichtbar sind. Erst durch das historische italienische Viertel, dann durch Hof Bladelin selbst, wo der Einfluss der Medici, der Renaissance und der Handelsgeschichte noch immer spürbar präsent sind.

Das mag wie ein Detail erscheinen für diejenigen, die denken, dass alte Musik vor allem etwas ist, das man hören muss. Aber genau darin liegt der Reiz dieser Initiative. Man bekommt zuerst die Geschichte, den Ort und den historischen Kontext vermittelt. Dann kann die Musik die Geschichte weitererzählen.

Um 15.45 Uhr tritt Bart Stouten, bekannt von Klara und als Autor, in ein Gespräch mit der Brugger Künstlerin Virginie Vandeputte, ehemalige Studentin der The Florence Academy of Art. Ihr Gespräch dreht sich um Florence, Handwerk und Schönheit. Nicht nur um das Florence der Renaissance, sondern auch um das lebendige Handwerk, das heute noch immer von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Als roter Faden durch den Tag läuft außerdem die Geschichte von Anna Maria Luisa de' Medici, der letzten Erbin der berühmten Dynastie. Durch sie entfaltet sich ein faszinierendes Netzwerk von Kunst, Musik und Kultur, das Florence mit dem Rest Europas verband.

Maestro Corelli - Una Follia!

Um 16.45 Uhr übernehmen drei international renommierte Musiker: Barockviolinist Ryo Terakado, Cellistin Lucia Swarts und Cembalistin Siebe Henstra.

Das sind Namen, die für Liebhaber alter Musik kaum einer Einführung bedürfen. Terakado hat mehr als hundert CD-Aufnahmen auf seinem Namen und gilt als eine Autorität in der historischen Aufführungspraxis. Swarts und Henstra sind beide mit der weltberühmten niederländischen Bachvereniging verbunden.

Zusammen bringen sie Musik von Arcangelo Corelli, dem Komponisten, der in seiner Zeit als Il Nuovo Orfeo, der neue Orpheus, bekannt war.

Und wer Corelli sagt, kann natürlich schwer um La Follia herumkommen.

Die berühmte zwölfte Violinsonate entwickelte sich zu einer der beliebtesten Variationsreihen des Barocks. In diesem Konzert bildet sie den unvermeidlichen Höhepunkt eines Programms, das die Eleganz, Kraft und Wirkung Corellis in den Mittelpunkt stellt.

Vor dem Konzert tritt Bart Stouten außerdem in ein Gespräch mit der amerikanischen Radiosprecherin Sara Schneider, eine angesehene Stimme in der internationalen Alte-Musik-Welt und Moderatorin von Early Music Now. Zusammen erkunden sie die kulturelle Welt, in der Anna Maria Luisa de' Medici, Corelli und ihre Zeitgenossen lebten.

Und dann wird es Abend

Als ob das noch nicht genug wäre, folgt um 20.15 Uhr ein zweites Konzert. Bei Kerzenlicht dieses Mal.

Festa Virtuosa per Violino e Violoncello bringt das renommierte Duo Tartini nach Brugge: Violinist David Plantier und Cellistin Annabelle Luis.

Mit feuriger italienischer Expressivität nehmen sie das Publikum mit auf Musik von Veracini, Platti, Castrucci, Nardini, Tartini und sogar Domenico Scarlatti. Das Programm zeigt, wie sich die große italienische Violinschule von Städten wie Rom, Florence, Padua, Neapel und Venedig über Europa ausbreitete.

Auch hier sorgt ein kurzes Gespräch mit Sara Schneider für zusätzlichen Kontext, so dass die Musik erneut Teil einer größeren Geschichte wird.

Mehr als ein Konzerttag

Und damit wird vielleicht am besten deutlich, was RE-SonanceS sein will.

Kein Festival, bei dem einfach zwei Konzerte nebeneinander gestellt werden.

Sondern ein Versuch, einem historischen Ort wieder Sprache zu verleihen.

Hof Bladelin ist dabei nicht nur Decor, sondern ein vollwertiger Hauptdarsteller. Der ehemalige Medici-Banksaal, die Renaissance-Einflüsse, der Römische Saal und die neoklassizistische Kapelle bilden zusammen den Rahmen, in dem die Musik erneut zum Leben erwacht.

Das passt perfekt zur breiteren Philosophie von Early Music – Last Minute, der Initiative, aus der dieses Festival entstand. Alte Musik wird hier nicht isoliert präsentiert, sondern mit Kulturerbe, Geschichte, Künstlern und Publikum verbunden.

Denn Musik bekommt oft noch mehr Bedeutung, wenn man auch die Orte, Geschichten und Menschen kennenlernt, die damit verbunden sind.

Bruges, the Sea & the South: RE-SonanceS ist eine erste Ausgabe. Die Organisatoren hoffen, dies in den kommenden Jahren fortzusetzen. Es ist klar, dass ein Projekt, das von Leidenschaft, Zusammenarbeit und Liebe zur Musik und zum Kulturerbe getragen wird.

Am 30. August also kein gewöhnlicher Konzerttag in Brugge.

Eher eine kleine Reise.

Von Brugge nach Florence. Von den Medici zu Corelli. Vom Kulturerbe zur lebendigen Musik. Von einem Spaziergang durch das italienische Brugge zu einem Konzertsaal bei Kerzenlicht. Und vor allem: von Geschichte zur Erlebnis.

Weitere Informationen und Tickets auf: Bruges, the Sea & the South: RE-SonanceS | Passion Beyond Bach

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