Eine schöne Tradition des Symfonieorkest Vlaanderen ist es, zum Beginn des neuen Jahres eine kindgerechte Produktion zu zeigen. So lässt sich die Jugend von klassischer Musik verführen und bietet ihr einen Einstieg in diese Kunstform.
In den vergangenen Jahren entstanden wunderbare Vorstellungen zusammen mit 'Die verdammte Spielerei', Instrumentalisten mit einer besonderen Note. Das führte jedes Mal zu einem spielerischen, aber dennoch lehrreichen Spektakel. Auch dieses Mal war deSingel wieder völlig überfüllt mit jungen Eltern und ihren Kindern sowie Großeltern… Drei Generationen, die kommen, um eine Klassiker zu genießen.
Um 2025 festlich einzuleiten, ließ man sich von 'Der Nussknacker' inspirieren, basierend auf ein Kunstmärchen aus der Sammlung 'Die Serapionsbrüder' von E.T.A. Hoffmann, 'Nussknacker und Mausekönig' erschien 1816. Kinderbuchautor Benny Lindelauf vertieft sich in die Geschichte und verpasst der Mäusekolonie ein Upgrade.
Als Schmuckstück des klassischen Repertoires ist 'Der Nussknacker' wohl das am meisten aufgeführte Ballett der Welt, basierend auf der fantasievollen Musik von Pjotr Ilijts Tsjaikovski. Wie seine Version des Schwanensees und Dornröschen, glänzende Beispiele des reinen klassisch-romantischen Stils und die großen drei der russischen Ballette des 19. Jahrhunderts. An einer so ikonischen Choreografie zu rühren ist natürlich gewagt!
Muss klassisches Ballett in alle Ewigkeit eine Blaupause des Originals bleiben? Dafür holte man die Hilfe von Het Laagland, eine niederländische Jugendtheatereinrichtung, die auf regionalen und (inter-)nationalen Bühnen ein breites Publikum mit eigenständigem, hochwertigem Theater bereichert, das Kinder ernst nimmt, Jugendliche reizt und Erwachsene ergreift. Sie sprechen das Publikum in der Kraft ihrer Fantasie und ihres Einfühlungsvermögens an. Daneben auch Roots Compagnie, ein Genter, eigenständiges, zeitgenössisches Tanzensemble unter der künstlerischen Leitung von Helena Vandecasteele.
Spielerei
Es wird eine eigenwillige Interpretation. Der Dirigent hat kaum die ersten Noten geschlagen, da gleitet eine Ballerina in weit ausgebreitetem Tutu über die Bühne und windet sich zwischen den Instrumentalisten hindurch. An ihren Füßen keine Spitzenschuhe, sondern schwere Doc Martens Stiefeletten. Die Geschichte des Nussknackers findet Schauspielerin Kiki Auben aber zu dürftig. Nein, da macht sie nicht mit! Aber es muss eine Aufführung gespielt werden.
Auf Drängen von Dirigent Txemi Etxebarria erfindet sie eine anlehende Geschichte und konzentriert sich auf die Mäusekolonie. Es wird eine zeitgenössische Interpretation, in der Tanz eine magische Verbindung mit der Musik eingeht, nüchterne aber dennoch bildreiche Kostüme und das Talent der Tänzer. Dabei werden moderne Tanz- und Bewegungstechniken eingeführt. Das Ergebnis ist eine bildreiche, zauberhafte und spielerische Anspielung auf das Original, in die die Kinder völlig eintauchen. Mit den bekannten Klängen des Blumenwalzers und des Zuckerfeerituals halten die Instrumentalisten das ältere Publikum in ihrem Bann.
'Der Nussknacker', ist eine leicht zugängliche, mehrschichtige Produktion mit Musik, Deklamation und Tanz. Das kollektive Engagement wurde mit minutenlangem enthusiastischem Applaus belohnt.