Zum Inhalt springen
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

deSingel: FESTIVALFEVER

V
· 4 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
deSingel: FESTIVALFEVER

Aus dem globalen Programmpakket destilliert deSingel jeden Monat ein Festival in verschiedenen Größen. Vom 1. bis 4. Februar war das MYSTERIA. Künstler bringen das Publikum in Kontakt — sowohl visuell als auch auditiv — mit dem Geheimnisvollen, dem Mystischen, dem Unfassbaren. Und ob dafür in dieser säkularisierten Gesellschaft Interesse besteht!

Freitagabend volles Haus. Im Roten Saal findet die Tanzproduktion Mysterie Sonatas / for Rosa statt, in der Anne Teresa De Keersmaeker das Motiv der Rose — seit jeher das Symbol des Mysteriums — mit den barocken Rosenkranzsonaten von Heinrich Biber verbindet. Im Blauen Saal ein zurückhaltendes, stellenweise ätherisches Konzert mit Kompositionen von Dmitri Sjostakovitsj, Johann Sebastian Bach und Arvo Pärt. Ausführende waren Ralph van Raat am Klavier und Sylvia Huang auf der Violine.

Mit einer großen Faszination für das Œuvre von Arvo Pärt entschied ich mich diesmal nicht für eine Tanzaufführung, sondern für das Konzert.

© Bruno Bonansea
© Heather Pinkham

MYSTERIA

Auch Ralph van Raat hat eine Schwäche für den estnischen Komponisten. In diesem Konzert durchquert er die Welt von Pärt, wie sie sich zwischen brutaler Avantgarde und süßer „Tintinnabuli" erstreckt. Es gibt auch Ausflüge zu Bach und Sjostakovitsj, die beide einen wichtigen Einfluss auf Pärts Entwicklung hatten. Ralph van Raat macht den größten Teil des Konzerts aus. In einigen Kompositionen tritt auch Sylvia Huang auf.

Als Eröffnungswerk: Prelude und Fuge Nr. 18 in f, opus 87 von Dmitri Sjostakovitsj (1906-1975) aus einem Zyklus von Klavierstücken in Anlehnung an Das Wohltemperierte Klavier von J.S. Bach. Gefolgt von Sonatine für Klavier Nr. 1, opus 1/2, Sonatine für Klavier Nr. 2, opus 2/2 und Partita für Klavier, opus 2 von Arvo Pärt (°1935). Kompositionen aus der Anfangszeit seiner Karriere, als er noch suchend war und unter dem Einfluss von u.a. Béla Bartok, Sergei Prokofjev und Dmitri Sjostakovitsj stand. Er experimentierte gerne mit verschiedenen Kompositionstechniken. Ralph van Raat hat eine beherrschte Spielweise, der perlende Klang des Klaviers tut den Rest. Als drittes Werk vor der Pause kommt der Großmeister Johann Sebastian Bach (1685-1750) mit seiner Sonate für Klavier und Violine Nr. 6 in G, BWV 1019. Seit sie im Mai 2019 Preisträgerin des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs für Violine wurde und in demselben Jahr den Cecilia-Preis für Junge Musiker erhielt, geht die musikalische Karriere der jungen Sylvia Huang steil bergauf. Die Musik von Bach hat sowohl eine Aura von Magie als auch eine göttliche Form. Eines der originellsten Merkmale der Sonaten für Violine und Klavier Nr. 6 in G, BWV 1019 ist Bachs Vorstellung in harmonischer, melodischer und kontrapunktischer Hinsicht. Die rechte Hand des Pianisten und die Violine müssen sich ständig antworten, während der Generalbass der linken Hand des Pianisten anvertraut ist.

Arvo-Part-Ars-Nova-4732-1-3000x2000-1-scaled-e1605887305873 Bach

War der erste Teil vor der Pause noch ziemlich energetisch, so ist der Teil nach der Pause introvertiert, verschlossen. Ein Schulbeispiel auch von Tradition und Erneuerung. Beginnend mit "Schafe können sicher weiden" aus der Kantate Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd, BWV 208 von J.S. Bach in einer Bearbeitung von Egon Petri (1881-1962). Es ist eine nicht-kirchliche weltliche Glückwunschkantate, die Bach 1713 komponierte. Und dann führen beide Instrumentalisten Ralph van Raat und Sylvia Huang das Publikum in das Universum von Arvo Pärt, Musik befreit von aller Bombastik, ausgepresst bis zur Essenz. Pärt verliert sich nicht in der Unendlichkeit von Details. Seine musikalische Reife ist von einer Reinheit und Dosierung. Noten wie feines Filigran. Beginnend mit Für Alina, eine kurze Klaviersolo gewidmet Alina, der Tochter eines Freundes der Familie. Folgen noch Fratres, Für Anna Maria und Spiegel im Spiegel. Zwischen beiden Instrumentalisten entsteht Chemie. Ralph van Raat lässt die Stille klingen, die integraler Bestandteil der Komposition ist. Das Publikum ist ganz Aufmerksamkeit, gerührt von der Schönheit und Friedlichkeit der Kompositionen. Es wird in heiliger Stille musiziert. Musik als eine samtweiche Liebkosung, von der man ganz zen wird. Ätherische Sphären zum Verlieren.
Pärts Werk hat eine große Reichweite beim Publikum. In 2020, 2021 und 2022 haben die Hörer des klassischen VRT-Senders Klara Arvo Pärt mit Spiegel im Spiegel auf den ersten Platz in der Klara Top-100 gewählt.

Kunst, als Teil des Ausdrucks, ist in großem Maße Entwicklungsdynamik. Kunst zeigt, was sonst nicht gesehen wird. Den Spiegel abkratzen, um zu sehen, was hinter dem Glanz verborgen ist. Es ist das Vorrecht des Künstlers, den Spiegel unserer Existenz so zu polieren, bis jedes Detail messerscharf und/oder verzerrt ist und auf unser ganzes Wesen zurückgeschleudert wird. Genau das vermag Arvo Pärt, und darin liegt auch seine Virtuosität.

WER: Sylvia Huang [Violine], Ralph van Raat [Klavier]

WAS: Sjostakovitsj, Bach, Pärt

WO: deSingel (Antwerpen)

WANN: 3. Februar 2023 um 20 Uhr

Diesen Artikel teilen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste, der kommentiert.

Kommentar hinterlassen

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

DE