Heutzutage gilt die Mezzosopranistin Sarah Connolly als eine der berühmtesten klassischen Sängerinnen der Welt. Aber ihr Weg nach oben war einer, der besondere Pfade kannte. Geboren in dem britischen Durham, wurde sie bald von klassischer Musik erfasst. Ihre Eltern waren nicht musikalisch, aber es wurde viel klassische Musik gehört.
Sie begann mit Klavierunterricht, aber ihr wurde geraten zu singen. Sie kam in einen Chor der BBC. Danach war sie als Jazz-Sängerin tätig, wobei sie regelmäßig ihre eigenen Kompositionen sang. Sie hatte ihr Alter nicht auf ihrer Seite – sie war bereits 31 Jahre alt – als sie sich mehr der Oper zuwandte. Durch ihr enormes Talent und ihre Durchhaltekraft wurde sie zunächst für kleinere Rollen angefordert, aber bald erhielt sie in verschiedenen Opern die Hauptrolle. Am 15. Juni d.J. ist sie im Het Concertgebouw in Amsterdam zu hören und zu sehen als Dido in der Oper Dido & Aeneas von Purcell.
'Trouser roles'
Sie hat in Opern aus verschiedenen Perioden gesungen, aber für viele ist sie besonders berühmt durch ihre sogenannten 'Trouser roles' (Frauen, die Männerrollen verkörpern) in Opern von G.F. Händel. Legendär sind ihre Hauptrollen in den Opern Giulio Cesare und Ariodante. Für ihre außergewöhnlichen Leistungen wurde sie 2017 zur Dame ernannt (die weibliche Variante von Sir), aber worauf sie mindestens genauso stolz ist, ist, dass sie Ende 2023 die King's Medal for Music erhielt. Die höchste britische Auszeichnung erhielt sie insbesondere, weil sie sich neben ihren musikalischen Qualitäten bereits seit geraumer Zeit stark dafür einsetzt, neues Talent zu fördern und neues Publikum zu erschließen.
Dido & Aeneas: universelle Emotionen
Neben berühmten 'Trouser roles' ist Dame Sarah auch berühmt geworden durch ihre Rolle der Dido in der Oper Dido & Aeneas von Henry Purcell. Für viele ist sie die Dido der letzten Jahrzehnte. Ihre Interpretation des emotionalen Lamento ('When I am laid in earth') ist unübertroffen. Wie kommt es, dass Dido & Aeneas die höchstbewertete Oper ist und das Lamento als eine der schönsten Opernarien gilt? Die Handlung ist an sich einfach (hat aber tiefere Schichten): Königin Dido verliebt sich in den Trojaner Aeneas (der unterwegs ist, um Rom zu gründen, ein Nachkomme von Aeneas, Romulus, hat der Überlieferung nach Rom gegründet). Die Liebe erblüht, aber auf eine bestimmte Zeit hin will Aeneas Jupiter (in der Gestalt eines Elfen) gehorchen, um abzureisen. Dido fühlt sich verraten, ist aber auch intensiv traurig und begeht Selbstmord. Allerdings stecken hinter dieser einfachen Handlung viele universelle und erkennbare Emotionen und Werte, wie Glück, Trauer, Schmerz, Kraft und Schwäche. Der berühmte flämische Psychiater Dirk De Wachter (ein großer Barokliebhaber) hat hierzu einen interessanten Podcast gemacht, mit dem Titel 'Dido en de noodlottigheid van het bestaan'. In diesem Podcast nennt er Dido & Aeneas eine der ersten emanzipierten Opern, voller starker Frauen. Und das liegt natürlich ganz in der Spur von Dame Sarah Connolly.
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