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Ein Stille-Sucher im Palais der Akademien

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Ein Stille-Sucher im Palais der Akademien

Von einem Verein eingeladen zu werden, der seinen Geburtstag im prestigeträchtigen Palais des Académies feiert, das sich direkt neben dem Königlichen Palast in Brüssel befindet? Das ist großartige Werbung für einen jungen Pianisten und Komponisten. Diese Ehre zuteil zu werden, war Andreas Moulin beschieden. Das tat also die Brüsseler Abteilung des landesweiten Vereins Actueel Denken en Leven, der dort seine prestigeträchtigen Vorträge organisierte und seinen 50. Geburtstag mit diesem kleinen, aber feinen Konzertprogramm feierte.

Andreas Moulin ist 28 Jahre alt und kommt aus dem Stall des Leuvener Lemmensinstituut, jetzt LUCA School of Arts. Er unterrichtet dort auch Violine, denn neben Klavier studierte er dort auch Violine. Und zwar bei Elisa Kawaguti, er war ihr Schüler und hatte sie auch für ihren Auftritt mitgebracht. Aber zunächst spielte Moulin solo. Und sofort wusstest du, wofür er als Komponist steht. Drei weniger bekannte Werke, aber von Komponisten, die seine Genrewahl teilen. Allein aus den Titeln dieser Werke konnte man ableiten, dass man Andreas Moulin durchaus als einen Suchenden nach Stille bezeichnen kann. Er begann mit „Still" von Ola Gjeilo. Ein Norweger, der in Amerika seine zweite Heimat fand. Sein Werk wird oft unter der Bezeichnung New Age katalogisiert, zeichnet sich aber vor allem durch seine üppige Harmonik aus. Hier wunderbar unterstützt durch eine anhaltende Pedalnote, etwas, das man regelmäßig in dem Musikgenre findet, das wir der Bequemlichkeit halber Neoklassizismus genannt haben. Das Ergebnis ist eine beruhigende Wirkung. Und das ist auch das, was Moulin sucht. Und diese Wirkung fand er auch bei einem für uns doch unbekannten Alexander Chesnokov. Ein gefeierten russischen Komponisten von orthodoxer Chormusik, der nach der Bolschewistischen Revolution schließlich in Paris landete. Kein Wunder, dass es in seiner Suite „Esquisses du jour" Elemente gibt, die an Debussy erinnern. Andreas Moulin spielte daraus das Stück La Nuit und tat dies so anmutig.

Er fand auch in Japan noch einen Musiker in dieser neoromantischen Idiomatik, Takashi Yoshimatsu, und wählte sein Klavierwerk „To a Disappeared Pleiade". Der Pianist gab uns die nötige Erklärung zu diesen sieben Schwestern aus der griechischen Mythologie und dem Sternbild. Kein Wunder, dass Andreas Moulin gerne in die Nacht hineingeht, um im Firmament nach Stille zu suchen.

Eine ganz andere Geschichte kam dann, als er im Duo mit seiner Geigenlehrerin Elisa Kawaguti eine Version der bekannten „Méditation de Thaïs" von Jules Massenet aufführte. Aber immer noch eine Bestätigung der melancholischen Atmosphäre, die das gesamte Programm ausstrahlte. Und besonders, als er zusammen mit ihr ein Paar seiner eigenen Kompositionen spielte, und zwar sein erstes Werk, Death of a Nightingale. Er schrieb es beim Abschied von einer japanischen Freundin, die nach ihren Studien in ihre Heimat zurückkehrte. Es ist ein wundersamer Vogel, Dutzende von Komponisten haben versucht, seinen Gesang zu erfassen, von Clément Janequin über Schubert bis Respighi. Dieser Vogel pfeift mit einem Reichtum an hellen Klängen, die von seinen Artgenossen kaum übertroffen werden. Aber hier musste diese Melodie sanft verhallen, langsam sterben. Klavier und Violine taten dies einfühlsam.

Zum Abschluss kamen noch „4 Tableaux Rêveurs". Andreas Moulin verklangt darin seine eigene Traumwelt. Die Titel der Teile sprechen für sich selbst, eine Welt, in die wir uns ohnehin alle schon mal verirrt haben: le Songe, le Gobelin, le Jardin féerique und Rhapsodie. Das Konzert in einem Wort zusammenzufassen? Subtil!

WER: Andreas Moulin, Klavier und Elisa Kawaguti, Violine

WAS: Ola Gjello, Still; Alexander Chesnokov, La nuit aus Suite „Esquisses de Jour"; Takashi Yoshimatsu, To a disappeared pleiad; Jules Massenet, Méditation de Thaïs; Andreas Moulin, Death of a Nightingale; 4 Tableaux Rêveurs

WO: Palais des Académies, Brüssel

WANN: 20. März 2023

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