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Eigensinnig und intensiv tragisch

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Eigensinnig und intensiv tragisch

**** Wenn eine Opernregie den Namen Alex Ollé trägt, wissen wir, dass wir eine zeitgenössische Interpretation des Werkes zu sehen bekommen. Diese Aufführung bietet sicherlich eine eigenwillige Version von Bellinis Norma, aber sie führt zu einer logischen und akzeptablen Geschichte, die vor allem mit Herz und Seele von den Sängern und natürlich von Dirigent Antonio Pappano verteidigt wird.

Die alte keltische Religion der Druiden weicht Anspielungen auf die katholische Religion, der zahlreiche fanatische und sektiererische Züge zugewiesen werden. Auf der gesamten Rückwand des Bühnenbildes wird eine Anhäufung von Gekreuzigten projiziert. Dies schafft von Anfang an einen unheimlichen Kontext für die Geschichte. Die Funktionäre der Religion sind wie Mitglieder des Ku-Klux-Klan oder wie Priester oder Messdiener gekleidet. Bei der großen Zeremonie wird deutlich auf das riesige Weihrauchfass der Kathedrale von Santiago de Compostella angespielt. Die Druiden werden einige Jahrhunderte in die Zukunft katapultiert, sodass auch Norma und ihr römischer Geliebter Pollione in „privaten Situationen" in zeitgenössischen Kostümen gekleidet sind. Die Würdenträger der Druiden sind zeitgenössische Militärs. Das Geständnis von Adalgisa über ihre verbotene Liebe findet in einem Beichtstuhl statt. Die Konfrontation zwischen Adalgisa und Norma ist kraftvoll inszeniert, Norma ist überzeugend wütend.

Zu Beginn des zweiten Aktes führt die Wahl der zeitgenössischen Einstellung zu einer ergreifenden Szene, als Norma daran denkt, ihre Kinder zu töten. In einer häuslichen Szene mit spielenden Kindern, einem Kinderfahrrad, einem Zeichentrickfilm im Fernsehen wird sie als moderne Frau und Mutter von ihrem Dilemma gequält. Das Duett mit Adalgisa (mit Teddy auf dem Schoß) ist besonders ergreifend. Auch die Schlussszene mit dem Scheiterhaufen, der als ein großes brennendes Kreuz projiziert wird, ist eine geschickte Lösung für eine schwierige Szene.

Großartige Norma

Sonja Yoncheva ist eine virtuose Norma: intensive Geliebte, gequälte Mutter und stolze, würdevolle Frau. Ihre klare Stimme mit dramatischer Kraft und begabter Höhe verleiht ihrer Interpretation der ikonischen Belcanto-Partie intensive Tragik. Die vokalen Verzierungen fließen natürlich und niemals gezwungen. Eine überlegene Norma, „sublima donna", wie Pollione in seiner reuevollen Schlussarie über sie singt. Ohne der hübsche Playboy zu sein, überzeugt Joseph Calleja als schick uniformierter Militär in seiner Rolle als Frauenverführer. Seine Stimme ist virile und biegt sich wunderbar in den verschiedenen Registern, die er bewältigen muss. Er singt mit großem Ausdruck und mit perfekter Diktion. Er präsentiert sich als idealer Belcanto-Sänger für dieses dramatische Repertoire. Sonia Ganassi spielt eine bewegte Adalgisa, aber der Stimme fehlt Beweglichkeit und Rundheit. Brindley Sherratt leistet dagegen eine misslungene Darbietung als Oroveso.

Auch wenn Belcanto nicht direkt das bevorzugte Genre von Antonio Pappano ist, bedeutet das nicht, dass er keine meisterhafte Interpretation davon abliefert. Wie in jedem Repertoire bietet er eine stilgerechte Aufführung mit Aufmerksamkeit für die ausgesponnte Melodie, die er gleichzeitig spannend hält. Er sorgt für das richtige Gleichgewicht zwischen den intimen Momenten (Duett Norma-Adalgisa) und den militanten (den heftigen Guerra-Chor). Sein musikalischer Ansatz unterstützt die Individualität jeder Figur. Eine schöne Aufführung, die vor allem von der Titelpartie getragen wird.


  • WAS: Norma | Vincenzo Bellini (1801-1835)
  • REGIE: Alex Ollé (La Fura dels Baus)
  • STIMMEN: Sonja Yoncheva, Joseph Calleja, Sonia Ganassi, Brindley Sherratt, David Junghoon Kim, Vlada Borovko
  • ORCHESTER: Orchestra of the Royal Opera House und der Royal Opera Chorus u.L.v. Antonio Pappano
  • AUSGABE: Opus Arte BD7225D
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