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En travesti

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En travesti

*** Ein frechendes Gesicht mit frecher Kappe: Das Cover der CD lässt keinen Zweifel daran, dass Anna Bonitatibus auf dieser CD eine Reihe von Hosenrollen präsentiert. Die Mezzosopranistin hat sie aus dem reichhaltigen Repertoire gepflückt, von Barock über Mozart und Belcanto bis zu Strauss und das Musical Victor Victoria von Henry Mancini. Die Interpretation kann manchmal bezaubern, aber sicherlich nicht immer.

Die Barockarien von Händel und besonders Vivaldi (Farnace) überzeugen am meisten. Als Farnace nutzt Bonitatibus raffiniert jeden Winkel ihrer Stimme. Hier geht eine erstaunliche Flexibilität mit dramatischem Ausdruck einher ("engombra di terror"). Auch als Orphée in Gluck/Berlioz ist die Farbenfülle der Stimme sowohl in der hohen als auch in der tieferen Lage bewundernswert. Während in den Belcanto-Arien das Vibrato noch gerade ausreichend kontrolliert ist, entgleitet es jedoch in anderen Arien (Nicklausse in Contes d'Hoffmann) und besonders als Octavian in Strauss' Rosenkavalier. Sie erhält in dieser Arie - eine der herrlichsten von Strauss' Melodien - vom Orchester immerhin eine Einleitung wie kostbare Seide und beginnt melancholisch, aber dann entstellt das starke Tremolo die Arie. Überdies ist ihre Diktion hier so schlecht, dass der Text unverständlich ist.

In einem der beliebtesten Fragmente, Voi che sapete von Cherubino in Le Nozze di Figaro, stört auch das Vibrato, und es scheint, als würde sie befürchten, dass die Arie zu sehr abgenutzt ist, weshalb sie diese mit zusätzlicher Verzierung und Fantasie retten möchte. Eine CD also von wechselnder Qualität mit einer sehr vielfältigen Auswahl von Fragmenten, die manchmal auch besonders kurz sind, um die Möglichkeit zu bieten, in die Atmosphäre der Arie einzudringen. Schade, denn Bonitatibus hat ihr Talent bereits früher bewiesen.


  • WAS: En travesti
  • WER: Anna Bonitatibus (Mezzosopran), Münchner Rundfunkorchester u.L.v. Corrado Rovaris
  • AUSGABE: BR-Klassik 900318
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