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Feldman: Piano, Violin, Viola, Cello (Pianokwartet)

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Feldman: Piano, Violin, Viola, Cello (Pianokwartet)

Morton Feldmans Piano, Violin, Viola, Cello (der nüchterne Titel dieses Klavierquartetts, zugleich sein letztes Werk) erklang im vergangenen Jahr am 17. September im Muziekgebouw in Amsterdam und am 3. November in der Lutherse Kerk in Groningen, aufgeführt vom Ensemble Nieuw Amsterdams Peil (der Name ist mehrerlei Gründe ein Fund an sich, wer einen Moment darüber nachdenkt). Die von TRPTK veröffentlichte (Live-)Aufnahme wurde in Groningen gemacht, doch kam ein Editor (Hans Erblich) zum Einsatz, weshalb ich eigentlich von vornherein davon ausgehe, dass noch (Nach-)Bearbeitung stattgefunden hat (wovon ohnehin nichts zu bemerken ist). Möglich, dass am 17. September in Amsterdam eine Aufnahme gemacht wurde, um mögliche 'Mishaps' später ohnehin korrigieren zu können. Für den Hörer macht das freilich nicht viel aus, denn letztlich zählt nur das (hörbare) Ergebnis.

Feldman widmete das Klavierquartett Ad van 't Veer, Programmierer des MMF, des Mostly Modern Festival , das jährlich im Zeeuwer Middelburg stattfindet und über das Robert Paterson künstlerisch das Szepter schwingt. Komponisten aus aller Welt bekommen so im Zeeuwer die Chance, ihre neuesten Kreationen erklingen zu lassen. Dieses progressiv gestaltete Konzept kannten wir bereits vom berühmten, ganz der (neuesten) Musik gewidmeten Festival in Donaueschingen.

Feldman war regelmäßig zu Gast beim MMF (darunter von 1985 bis 1987 mit gut besuchten Meisterkursen), wie auch in dem eineinhalbstündigen Film Een meteoriet op Walcheren zu sehen ist, dessen Titel einer Beschreibung des niederländischen Komponisten Daan Manneke entlehnt ist, als das Festival Ende der sechziger Jahre feste Gestalt annahm. Und was damals niemand erwartete, geschah: das MFF wuchs schnell zu internationaler Bekanntheit heran, ein wichtiger 'Anlaufpunkt', dem viele Komponisten, darunter auch die führendsten, sich zu binden wussten. Es erklangen zahlreiche Uraufführungen, wobei auch die improvisierte Jazz allen Raum fand, sich zu behaupten.

Feldmans Klavierquartett erlebte am 4. Juli 1987, also sowohl kurz nach der Vollendung (28. Mai) als auch kurz vor seinem Tod (3. September, in seinem Wohnort Buffalo, New York, 61 Jahre alt), in Middelburg während des elften MMF seine Uraufführung, in Anwesenheit von Feldman, der sich einer Chemotherapie unterzog. Es wird, anders als das aus 1983 stammende, immerhin sechs Stunden dauernde Zweite Streichquartett und das im selben Jahr vollendete fünf Stunden in Anspruch nehmende Crippled Symmetry für Bassflöte, Percussion (Glockenspiel, Vibraphon) und Klavier (Celesta) keinen Anschlag auf Geist oder Fleisch bedeutet haben, auch wenn das äußerst langsam ablaufende, in halben Noten gefasste und etwa achtzig Minuten dauernde Piano, Violin, Viola, Cello vom Hörer fordert, gut bei der Sache zu bleiben. Typisch Feldman also.

Feldman war Ende Mai noch völlig ahnungslos von seinem bald bevorstehenden Ende. Während der kurz darauf folgenden Standardbehandlung für ein Magengeschwür kam jedoch an den Tag, dass der Komponist an einer aggressiven Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs litt. Was ihn jedoch nicht abhielt, kurz darauf – diesmal zum fünften Mal – die Reise nach Middelburg zu unternehmen. Dort beteiligte er sich, munter wie immer und wie gewöhnlich an öffentlichen Diskussionen mit Kollegen (auf YouTube sind eine Reihe davon zu finden). Wie es auch – in den Worten des Musikwissenschaftlers Elmer Schönberger – die 'labyrinthischen Improvisationen gab, die sich unendlich verzweigenden Gedanken über Musik, Kunst, Geschichte, Menschheit und die Welt'. Wer seine Musik besser verstehen möchte, kann sich nicht besser als bei seinen dokumentierten Monologen wenden.

Einige aus dem CD-Beiheft aufgegriffene Aussagen von Feldman: '…something that is beautiful is made in isolation'. 'I'm very into acoustical reality. For me there is no such thing as compositional reality.' 'I think the piece dies a natural death. It dies of old age.' 'Beyond an hour length becomes scale.' 'For me at least sound was the hero, and it still is.' Die letzte Aussage mehr anlässlich von 'Let sounds be themselves' von John Cage, Feldmans 'Hero' in den fünfziger Jahren (das in dieser Zeit von Feldman komponierte Projections steht stark unter dem Einfluss der Musik von Cage).

Nieuw Amsterdams Peil ist eines der wenigen niederländischen Ensembles, die sich für Innovation entschieden haben. 1985 gegründet, liegt der Fokus auf der modernen und zeitgenössischen Musik in der vielfältigsten

[caption id="attachment_42746" align="alignright" width="300"] nieuw amsterdams peil[/caption]

Genres und Stile. Dazu gehört auch – es klingt selbstverständlich – die Zusammenarbeit mit Komponisten, was den Interpretationen allein aus dieser Perspektive eine gewisse Autorität verleiht. Darüber hinaus hat sich Nieuw Amsterdams Peil durch Bildungsprojekte ausgezeichnet, darunter Workshops und die Einbeziehung des Publikums beim Musizieren.

Es ist daher kein Wunder, dass mit Nieuw Amsterdams Peil auf der Bühne eine Aufführung von Feldmans Pianoquartett zustande gekommen ist, die fortwährend glänzt und aus der - das eine ergibt sich aus dem anderen - die große Affinität zu diesem so besonderen Œuvre hervortritt. Die in dieser Musik so wesentliche Verzauberung ergibt sich aus dem hinreißenden Engagement, in dem Evokation und Ausdruck sich fortwährend die Hand reichen. Dies ist ohne jeden Zweifel eine der besten Aufführungen von Feldmans Piano, Violin, Viola, Cello, wozu noch kommt, dass die von Brendon Heinst und Antal van Nie gefertigte Aufnahme vorbildlich genannt werden kann.


Es gibt keine bessere Möglichkeit zum guten Verständnis von Feldmans Pianoquartett, als sowohl die Musik als auch die Partitur zu verfolgen. Das kann auf

, in einer Aufführung durch das Quartetto Klimt.

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