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Himmelfahrt - Kantaten von Bach & Telemann

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Himmelfahrt - Kantaten von Bach & Telemann
© Alpha 1032

Himmelfahrt - Bach | Telemann

Bach: Kantate 'Lobet Gott in seinen Reichen' (Himmelfahrts-Oratorium) BWV 11 - Kantate 'Auf Christi Himmelfahrt allein' BWV 128
Telemann: Kantate 'Ich fahre auf zu meinem Vater' TWV 1:825
Vox Luminis, Freiburger Barockorchester u.L.v. Lionel Meunier
Alpha 1032 • 65' •
Aufnahme: Mai 2022, Evangelische Kirche Peter und Paul, Gönningen (D)


Himmlische Musik zur Himmelfahrt, so die Überschrift des sehr lesenswerten Vorworts von Michael Maul, Musikwissenschaftler, Autor und Bach-Kenner, verbunden mit dem Bach-Archiv in Leipzig und in dieser Eigenschaft auch künstlerischer Leiter des Bachfests, das in dieser „Bachstadt" jährlich stattfindet.

Himmlische Musik also, aber – dem Thema entsprechend – auch ausgesprochen festlich und farbenreich, vollkommen passend bei diesem Textfragment aus Bachs Kantate Auf Christi Himmelfahrt allein (BWV 128): „Ist er von mir genommen, ich werd einst dahin kommen, wo mein Erlöser lebt". Die konzertante Trompetenstimme in der phänomenalen Bass-Arie spricht auch in dieser Hinsicht Bände.

Das Werk entstand gegen Ende von Bachs zweitem Jahr in Leipzig und ist Teil der neun Kantaten, die er zwischen Ostern und dem ersten Sonntag nach Trinitatis 1725 komponierte. Die Texte stammen ausnahmslos von der damals bekannten, ebenfalls in Leipzig wohnenden Dichterin Christiana Mariana von Ziegler. Maul bemerkt fein, dass anders als die meisten Kantaten Bachs zu Zieglers Texten, BWV 128 mit einer herrlichen Choralbearbeitung eingeleitet wird. Der Klangfarbenkomplex, den der Thomaskantor hier ausbreitet, ist von geradezu funkelndem Glanz, mit nicht mehr als zwei Hörnern, Oboen und Streichern. Der Choral „Auf Christi Himmelfahrt allein" aus 1661 von Ernst Sonnemann ist meisterhaft hindurchgewebt. Nicht weniger kunstreich sind die würzigen harmonischen Unterlegungen und die damit verbundenen Übergänge, die in der von Tradition und Konvention beherrschten Universitätsstadt damals sicherlich nicht bei jedem Gefallen gefunden haben werden.

Während BWV 128 von Anfang bis Ende völlig neu konzipiert ist, ist das bei BWV 11, dem großangelegten, beinahe monumentalen Himmelfahrts-Oratorium, anders, das am 15. Mai 1738 erstmals in Leipzig erklungen sein muss. Die Vorgeschichte des Eröffnungschors beginnt bereits sechs Jahre zuvor, als festliche Musik zur Einweihung des Anbaus der Thomasschule 1732. Die beiden Arien, die das Oratorium erhielt, hatten bereits 1725 einen Platz in einer Hochzeitskantate. So machen wir – und ganz gewiss nicht zum ersten Mal – Bekanntschaft mit Bach als eminenter Parodist. Ein anderes eindrucksvolles Beispiel dafür ist die sublime Alt-Arie „Ach, bleibe doch, mein liebstes Leben", die ein Jahrzehnt später im Agnus Dei der Hohen Messe wiederum auftaucht.

Das Himmelfahrts-Oratorium schwebt musikal isch gewissermaßen zwischen Himmel und Erde, wie sich im Choral „Nun liegt alles unter dir" spiegelt, aber auch in der Arie „Jesu, deine Gnadenblicke". Worauf wir uns im herrlichen Schlusschor wieder auf Erden wähnen.

Bachs Zeitgenosse Telemann (sie sahen sich eher als Freunde denn als Konkurrenten) komponierte allein dreißig Kantaten, die dem Fest der Himmelfahrt gewidmet waren. Nur zwei davon kennen eine Besetzung wie die von Bachs BWV 128. Darunter auch das auf diesem Album festgehaltene Ich fahre auf zu meinem Vater TWV 1:825, bestimmt zur Aufführung während des Himmelfahrtsfests von 1721, als Telemann in Frankfurt am Main noch in letzter Minute, kurz vor seinem Umzug nach Hamburg, als Musikdirektor tätig war. Telemann hatte für seine Kantate einen Text des Dichters Gottfried Simonis gewählt.

Wie Bach in Leipzig wählte Telemann eine farbenfrohe, oft auch überraschende Gestaltung, die den festlichen Charakter von Jesu Himmelfahrt mehrfach unterstreichen sollte. Aber gleichzeitig war es die musikalische Bestätigung noch einer Glaubensvorstellung: dass jeder, der glaubte, sich einen Platz im Himmel gesichert fühlen konnte. Auch heute macht dieses Werk noch immer großen Eindruck.

Die Aufführungen unter Lionel Meunier, ebenso wie Vox Luminis und das Freiburger Barockorchester versiert in der historisierenden Aufführungspraxis, sind von Anfang bis Ende in starker Fantasie und festlichem Glanz getaucht, wobei dieser herrliche Musik vollständig Gerechtigkeit widerfährt. Jauchzende Trompeten und spritzende Pauken tragen nicht wenig dazu bei, aber auch Solisten (sie sind Teil von Vox Luminis, ein auch von beispielsweise Eliot Gardiner und Philippe Herreweghe erprobtes Verfahren) und Chor bewegen sich in diesen drei Kantaten auf großer Höhe: wahrlich, es klingt himmlisch, während auch die schöne Aufnahme einen wichtigen Beitrag dazu leistet.

Tags cd
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