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Hohenems: klein, fein und voller Museen dank Schubert und vieler Musiker…

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Hohenems: klein, fein und voller Museen dank Schubert und vieler Musiker…
© LVM / KC

Während ich an der großen Pforte der Pfarrkirche herumschnüffelnd stand, sah ich mir schräg gegenüber ein Sandwichpanel: Schubertmuseum. Ja, ich ging unvorbereitet hin. Das tue ich bewusst, um vor Ort zu entdecken und mich von allem überraschen zu lassen, was es zu erleben gibt. So reise ich schon seit Jahren und so gehe ich zu Konzerten. Minimale Informationen, vor Ort absorbieren und danach in Literatur schnüffeln, falls das noch nötig ist. Es ist vielleicht die verkehrte Welt, aber so bin ich nicht von diesem und jenem beeinflusst und bilde mir eine eigene Meinung, soweit es möglich ist.

Das Museum, ich habe noch Zeit, denn um 16 Uhr beginnt das nächste Konzert. Natürlich habe ich Zeit, es ist 11 Uhr und etwas. Überraschend ist es zu entdecken, dass die Museen an diesem ersten Maifeiertag geöffnet sind und zudem mittags nicht geschlossen sind. Das erste, das ich betreten, ist gleich auch der Sitz der Schubertiade. Eine große Stadtvilla, schön gepflegt. Die eine Hälfte enthält die Schubertiade-Büros und die andere Hälfte ist ein Museum, das der aufsehenerregenden deutschen Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf gewidmet ist. Das ist der Mühe wert, besonders für Fans, die alles, aber auch wirklich alles über große Künstler wissen möchten, zu denen sie gleichsam als Verehrer aufblicken. Man findet dort unzählige Briefe von Fans, ihrem Vater, ihr selbst, großen Dirigenten und Musikerkollegen, Fotos und einige der wunderschönen Abendkleider, die sie bei Konzerten trug. Da es mehr gibt als nur dieses Museum, muss ich „diagonal" hindurchgehen, sonst verpasse ich einige, und ja, eines, das der Schubertiade selbst, muss ich noch besuchen. Das wird beim nächsten Mal sein.

Auf dem Platz steht noch ein schönes gepflegtes Gebäude und dort findest du das Legge-Museum, wo auch der Schriftsteller Stefan Zweig Aufmerksamkeit erhält, der dort lebte und arbeitete und Eigentümer des Hauses war. Mit Schubert oder Musikern, die sich unter anderem mit Schubert befassten, hatte der Autor sonst nichts zu tun. Walter Legge war sozusagen der erste und sicherlich einer der wichtigsten Produzenten von Schallplatten für die klassische Musikwelt. Er sammelte die Allerbesten seiner Zeit – im 20. Jahrhundert wurde man als klassischer Musiker, mit etwas Glück, weltberühmt und wohlhabend. Das ist jetzt viel schwieriger geworden. Wir sind verwöhnt mit dem massiven Angebot auf allen möglichen Wegen, aber vor etwa 100 Jahren war eine Schallplatte und ein klassischer Radiosender bereits ein enormer Luxus. Durch die Massenproduktion und die Verbesserung der Geräte, Aufnahmetechniken und so weiter, erlebten die Produzenten goldene Zeiten und die Top-Musiker verdienten Geld wie Dreck. Wer holte sich damals nicht klassische Musik-LPs ins Haus? Und dicke Bücher? Erklärt das den Kindern und der Jugend dieser Zeit. Allein deshalb ist so ein Museum, wiederum voller Fotos und Briefe, überraschend lehrreich.

Weiter auf Entdeckungstour durch das sehr saubere Städtchen, nachdem ich bei dem Italiener ‚La skisetta' ein leckeres Häppchen mit Blauschimmelkäse genossen hatte. Ein bisschen versteckte Werbung: Willst du auch mal zu einer Schubertiade gehen? Dann setz dich zur Verwöhnung des inneren Menschen an den Tisch bei www.laskisetta.at. Die weiteren Schritte durch das kleine Hohenems führten mich zum Nibelungen-Museum. Siehst du, mit den Nibelungen könnte dieses Städtchen wirklich noch viel mehr anfangen. Die Nibelungen brauchen sozusagen einen Neubauer (er stampfte das Museum aus dem Boden und verwaltet es), denn jene wunderbare Welt der Nibelungen – die Schriften wurden im 19. Jahrhundert in Hohenems wiedergefunden – hat doch viel mit sich gebracht, um nur schon Richard Wagner zu nennen. Wagner-Fans müssen ihren Weg nicht nur zu den Opernhäusern finden, ja auch hier sollten sie etwas besuchen, das Wagner in seinen Bann zog und zu gewaltigen Opernschöpfungen führte.

Das Schubert-Museum besuchte ich einen Tag später. Ein ziemlich schönes Gebäude, auch ein größerer Stadtgarten, aber es gibt Kosten für das Gebäude, das nach einer umfassenden Renovierung fleht. Es enthält viele Porträts von Menschen, die die Schubert-Welt färbten, und man sieht dort ziemlich viele Reproduktionen von Briefen, von Schubert handgeschrieben, von Adligen, anderen Musikern, Familie und Freunden. Faksimiles von Partituren, Erstdrucken und sehr viel Information. Es fordert mehrere Stunden von dir, aber die hatte ich nicht, die Konzerte riefen mich…

Für das Schubertiade-Museum hatte ich keine Zeit mehr, ich muss also irgendwann zurück in diese tüchtige Stadt, wo ich zudem schön verwöhnt wurde in einer volkstümlichen B&B, wo ich jeden Morgen mit einem unerwarteten Frühstück überrascht wurde. Das heißt Gastfreundschaft. Ja, ich komme zurück!

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