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Ian Bostridge und Oxalys: die ultimative Intensität eines Liedprogramms

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Ian Bostridge und Oxalys: die ultimative Intensität eines Liedprogramms
Wir hatten die Gelegenheit, Tenor Ian Bostridge in unserem Land zu hören. Natürlich wollten wir das nicht verpassen! Nach dem Benefizkonzert in Amuz war er Gast mit Brad Mehldau beim Klarafestival und nun trat er in De Bijloke in Gent mit einem einzigartigen Programm britischer Liedkunst auf. Auch wenn er – meiner Meinung nach – unter den Tenören auch nahezu unerreicht als Liedersänger für das romantische Repertoire ist, liegt dieses Repertoire ihm als authentischer britischer Sänger buchstäblich maßgeschneidert. Das Programm, das er in Gent präsentierte, erinnerte sofort an seine wunderbare Aufnahme „The English Songbook" (Klavier Julius Drake) mit Komponisten wie Peter Warlock, Roger Quilter, Gerald Finzi, Ivor Gurney, Ralph Vaughan Williams und einigen anderen. Und auch an eine neuere Aufnahme „Requiem the pity of War" (Klavier Antonio Pappano) mit George Butterworth und weiteren deutschen Komponisten wie Kurt Weill, Gustav Mahler und Rudi Stephan). Der Titel des Rezitals war nämlich „Splendid Isolation", wobei Lieder über Trauer und Verlust im Mittelpunkt standen. Vor allem Lieder aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und enttäuschter Sehnsucht dominerten. Neben einer Auswahl aus Along the field und dem bekannteren On Wenlock Edge von Ralph Vaughan Williams interpretierte Bostridge Lieder von Peter Warlock und eine lange Klage von Felix White: The Nymph's Complaint for the Death of her Fawn (1922). Ein Text von Andrew Marvell über den Tod des Lieblings-Rehs der Nymphe, das von Jägern getötet wurde. Bostridge fühlte sich offensichtlich wie ein Fisch im Wasser im gewählten Repertoire. Mit seiner typischen fast sorglosen, aber gleichzeitig selbstsicheren Spontaneität musizierte er in absoluter Harmonie mit dem Kammerensemble, das sein idealer Partner war. Der etwas ironische, manchmal bittere Klang seiner Stimme behindert die Geschmeidigkeit in keiner Weise. Es ist ein Aspekt seiner Faszination als Sänger und betonte hier perfekt den Inhalt der Lieder, aber es hindert ihn nicht daran, fehlerlose Übergänge von hoher zu tiefer Tonalität zu machen. Die Stimme trägt und bleibt intakt. Dieses Konzert bewies einmal mehr, über welche phänomenale Stimmbeherrschung Bostridge verfügt. Gepaart mit dem Repertoire, das ihm besonders gut liegt, wurde das Rezital ein echtes Spitzenerlebnis.
© Jasmine Van Hevel
© Jasmine Van Hevel
Die Harmonie mit Oxalys war ebenfalls glänzend. Das Ensemble eröffnete das Programm mit einem Aufwärmer von Seven Scottish Airs von Gustav Holst, bevor die ernstere Arbeit begann. In wechselnder Besetzung begleitete es Bostridge auf subtile und poetische Weise in jeder Liedgruppe. The Curlew von Peter Warlock zu einem Text von W.B. Yeats wurde ruhig vom Streichquartett mit Flöte (Toon Fret) und Englischhorn (Piet Van Bockstal) eingeleitet. In der langen Klage von Felix White war die Harmonie mit Elisabeth Smalt, Bratsche, Jean-Claude Van den Eynden, Klavier und Piet Van Bockstal, Oboe ideal. Die beiden Werke von Ralph Vaughan Williams (Texte von A.E. Housman) bewiesen, dass Ian Bostridge ein Sänger ist, der sich auch in Kammermusikaufstellung als Musiker heimisch fühlt. Ein Konzert, bei dem der Saal der Bijloke hätte voll sein sollen. Das war leider nicht der Fall, aber wer dort war, kann sich als musikalischer Feinschmecker sicher glücklich schätzen. WAS: Splendid Isolation, Liedrezital WER: Ian Bostridge, Tenor und Oxalys WO: De Bijloke Gent WANN: Samstag 29-4-2023

Dieses Konzert ist am Samstag 6. Mai bei Klara Life zu hören.

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