L' homme qui faisait des étoiles avec de la boue. (Julos Beaucarne über Max van der Linden)
Vor acht Jahren startete Irina Lankova, die nicht nur eine Seelenverwandte, sondern über ihren Mann auch die angeheiratete Nichte des verstorbenen Max van der Linden ist, ihr eigenes Festival. MAX ist der musikalische und jüngere Teil der Les Fêtes de la Saint-Martin, ein jährlicher Kunstparcours im November, der sich auf bildende Künste, in geringerem Maße auf Theater und Musik konzentriert. Ganz wie der Kunstparcours und ganz in der Tradition und im Geist des Brücken bauenden Max van der Linden möchte Irina Lankova mit diesem Festival Dinge, die ihr sehr am Herzen liegen, mit anderen teilen. Sie bringt nicht nur hochwertige Musik von den Konzertsälen ins Dorf, sie möchte Menschen miteinander in Kontakt bringen."Ich bin ein Moment, das die Ewigkeit erleuchtet"
Inspiriert von den Künstlern, die sie anzieht, stellt Künstlerische Direktorin Lankova ein vielfältiges Konzertprogramm zusammen, das von Gregorianik über Polyphonie bis Kammermusik für den Kenner und den angehenden Musikliebhaber reicht. Der rote Faden in der Ausgabe von 2023 ist das Jahresthema INFINITY, das ganz dem mystischen, messianistischen Komponisten Alexander Scriabin (1871-1915) entlehnt ist, von dem Irina Lankova am Samstag, 16. September, Werke während ihres Klavierrecitals aufführt. Infinity bezieht sich sowohl auf die Ewigkeit als auch auf das größere Ganze, das All, wovon jeder und alles einen Teil darstellt. Das bekannte Zitat von Alexander Scriabin „Ich bin ein Moment, das die Ewigkeit erleuchtet", berührt nach ihrer Auffassung die Essenz der Musik und die Rolle des Künstlers. „Auf der Bühne fühle ich mich mit der Quelle der Musik verbunden, während ich sie mit dem Publikum teile". Wie Max van der Linden es gelang, himmlische Werke aus Ton zu schaffen, so versucht Irina Lankova, die besten Musiker auf den fruchtbaren Boden rund um Tourinnes-la-Grosse zu bringen. Das Projekt wächst dort fast von selbst.
Infinity ProgrammDie meisten Konzerte des Max Festival, fünf an vier Tagen, finden in der romanischen Sint-Maartenskerk von Tourinnes-la-Grosse statt, die eine ausgezeichnete Akustik bietet. Das Festival eröffnet mit zeitloser Kammermusik von Franz Schubert, Samuel Barber und Arvo Pärt, und ja, das hypnotisierende ‚Spiegel im Spiegel' wird nicht fehlen. Es gibt sakrale Musik zum Karfreitag mit Julie Gebhart, Sopranistin Naomi Couquet, Mezzosopranistin und dem Orchestre Royal de Chambre de Wallonie unter der Leitung von Giancarlo De Lorenzo im Stabat Mater von G.P. Pergolesi, ergänzt mit Musik von Francesco Durante und J.S. Bach. In dem einzigen Soloprogramm der Pianistin Irina Lankova spielt sie Alexander Scriabin, Frédéric Chopin und Sergej Rachmaninov, wobei sie alle Stücke mit persönlichem Kommentar versehen wird und den Zuhörern einen Schlüssel zum Hören in die Hand gibt. Zwischen Licht und Dunkelheit, um 6 Uhr morgens, wenn der Kosmos ein wenig reiner ist, begibt sich Cappella Pratensis auf die Suche nach dem Ewigen in Musik aus dem Tagesablauf des monastischen Lebens, von Prime bis Komplet. ‚Aeterna Semper Quaerens' ist ein Konzert für Frühaufsteher, für die in der Kirche Chaises longues herangeschleppt werden, um liegend zuzuhören. Nach der Veranstaltung steht ein kräftiges Frühstück bereit, denn ‚Convivialité' scheint auch das DNA dieses Festival du terroir mitzubestimmen.
Ausführende: Irina Lankova, Daniel Kogan, Elina Buksha, David Cohen, Joë Christophe, Léa Hennino, Julie Gebhart, Naomi Couquet, Ivan Paduart, die Cappella Pratensis und das Orchestre Royal de Chambre de Wallonie.
PraktischesProgramme Festivalkarte für €100 für das ganze Festival Eintrittspreise: €30, Vorverkauf: €25, unter 26 Jahren im Vorverkauf: €10
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Max van der Linden (°1922 Nodebais – 1999) war ein Keramiker, Schriftsteller, Cellist, Musikliebhaber, Sammler, Regisseur, Fotograf, … eine charismatische Persönlichkeit und Brückenbauer, der ständig Menschen näher zusammenbrachte. Sein ganzes Leben war der Kunst gewidmet und sein Atelier war ein Anlaufpunkt für viele Wanderer, suchende Menschen, darunter viele junge Menschen. 1965 begann er zusammen mit Freunden aus dem Dorf, darunter Sänger und Schriftsteller Julos Beaucarne, mit den Fêtes de la Saint Martin. Jedes Jahr im November zieht der Kunstparcours bis heute Besucher in die Privathäuser und Kirchen von Tourinnes-la-Grosse, Nodebais, Beauvechain, Nethen…
Irina Lankova (°1977 Michurinsk, Russland) war sechs Jahre alt, als sie von der Elegie von Rachmaninov zu Tränen gerührt wurde, studierte Klavier an der Gnessine School in Moskau. Mit 18 Jahren kam sie nach Brüssel, um sich bei Evgeny Mogilevsky (Gewinner KEW 1964) weiterzubilden. Danach lebte und arbeitete sie in London und Paris, seit 2016 lebt sie in Nodebais (Wallonisch-Brabant) mit ihrem Mann, der ein Cousin von Max van der Linden ist und in seiner Freizeit Jazzmusik spielt. Sie spricht fließend Englisch und Französisch, nennt sich nicht ‚Russisch', sondern ‚belgisch-international'. Obwohl sie einen gut gefüllten Konzertkalender hat (Carnegie Hall in New York, Salle Gaveau in Paris, Concertgebouw in Amsterdam, ...), ist diese internationale Pianistin in Flandern bemerkenswerterweise/seltsamerweise kaum bekannt.
„Her touch is genuinely poetic, and she works on a large tonal canvas, conjuring moods and atmospheres with compelling authority"The Independent, UK
Foto von Irina Lankova @ Ger Spendel Fotos von Nodebais und Tourinnes-la-Grosse: © Ernst Gülcher