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Die Kompositionen auf diesem Doppelalbum umfassen einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten und können durchaus als repräsentativ für die Vielfalt im Werk des französischen Komponisten Joël-François Durand (*1954) gelten, mit Mikrotonalität und Vierteltönen als wichtigen Eigenschaften (hier perfekt erklärt) und Vierteltönen. Beide finden sich bereits in seinem aus 1981 stammenden Streichertrio, das als sein „offizielles" Opus 1 dokumentiert ist. Später nahm die Bedeutung von Mikrotonalen in seinem Werk noch erheblich zu, melodisch und harmonisch, aber auch in der Textur.
Jedoch ereignete sich vor etwa fünf Jahren ein wichtiger Wendepunkt, als Durand die kompositorische „Funktionalität" der Mikrotonalität mit dem verband, was er mit „beating" bezeichnete: das Pulsieren zwischen zwei Tonhöhen, deren Frequenzen sehr dicht beieinander liegen, aber nicht identisch miteinander sind. Er hat es selbst erklärt:
"Under ordinary circumstances, we cannot directly perceive the mathematical ratio between the frequencies of two notes played simultaneously; it remains a matter of abstraction. However, when the pitches are very close, the phenomenon of 'first-order beat' becomes an actual experience. If, for example, the frequencies are 3 Hz apart – say, 443 Hz and 440 Hz – we hear two things: first, the two original frequencies become one single tone (mathematically, it's the median value of the two); additionally, we hear a pulsation of three beats animating this single tone. The 'median value' in this case is 441.5 Hz, and the pulsation that accompanies it – the di³erence between the two original frequencies – is three beats per second, which, when we hear them, is the audible manifestation of an arithmetic equation, in this case, the subtraction 443-440 = 3! This newfound technique thus allows, among other things, for relationships to be established between motivic elements played the "regular" way (for instance, as components of melodic lines) and rhythmic patterns echoing or foretelling these motivic elements generated by first-order beats."
So weit war es jedoch noch nicht 2005, als Mirror Land entstand, das früheste Werk dieser Veröffentlichung, komponiert für Flöte und Oboe, aber auch gut in anderen Kombinationen aufführbar (Flöte und Klarinette, Oboe und Klarinette, usw.). Auf diesem Album hören Sie die Kombination Flöte und Klarinette.

Im selben Jahr entstand das Erste Streichquartett, ein Auftragswerk des BeethovenFest 2005, als zeitgenössisches „Widerhall" von Beethovens späten Streichquartetten, mit Beethovens letztem Streichquartett in F, op. 135 als Orientierungspunkt. Keine Pastiche, sondern ein imaginäres Szenario, in dem Beethoven hart arbeitet und dabei die in seinem Kopf aufsteigenden Ideen testet und mit dem Fortschreiten des kreativen Prozesses verändert. Dies ergibt, so Durand, „alternative Trajektorien, ferne Bilder und dramatische Chronologien". Nicht in Beethovens musikalischer Sprache, sondern in der von Durand: Die Beziehung zu Beethoven spielt sich ausschließlich auf abstrakter Ebene ab. „Conceptual impetus rather than direct allusion". Ein gutes Beispiel dafür ist der zweite Satz aus op. 135, der unter Durands Händen vollständig demontiert, dann neu konfiguriert und danach schrittweise wieder zusammengesetzt wird, wobei jede der vier Stimmen zunächst einzeln präsentiert und erst dann vom gesamten Ensemble gespielt wird. In Anerkennung der Geschichte hat Durand die Struktur seines Streichquartetts in die klassische Sonatensatzform gegossen.
Zehn Jahre später entstand Mundus Imaginalis (2015), dessen Titel nicht von einer imaginären, sondern von einer „imaginalen" Welt stammt, einem Begriff, der vom französischen Philosophen Henri Corbin geprägt wurde und sich auf die alte persische Mystik bezieht. Das „Imaginale", das sich zwischen verständlicher Wahrnehmung und intellektueller Intuition bewegt. Aus Durands musikalischer Perspektive wird der Hörer eingeladen, zwischen sonischer Wahrnehmung und intellektueller Intuition zu „reisen".
Zehn Jahre später entstand Mundus Imaginalis (2015), dessen Titel nicht von einer imaginären, sondern von einer „imaginalen" Welt stammt, einem Begriff, der vom französischen Philosophen Henri Corbin geprägt wurde und sich auf die alte persische Mystik bezieht. Das „Imaginale", das sich zwischen verständlicher Wahrnehmung und intellektueller Intuition bewegt. Aus Durands musikalischer Perspektive wird der Hörer eingeladen, zwischen sonischer Wahrnehmung und intellektueller Intuition zu „reisen".
Geister, schwebende Geister (2020) ist das erste Werk, in dem Durand das Prinzip der „(first-order) beats" verwendet. Der „schwebende" Charakter des Stücks wird durch das präzise kalibrierte Zusammenspiel von integral strukturierten Halbtönen und Vierteltönen bestimmt. Das Besondere daran ist auch, dass die rhythmischen Muster aus dem Nichts zu entstehen scheinen, zwar klar wahrnehmbar, aber nicht von den Ausführenden hervorgebracht. Geister, schwebende Geister, hier als Komposition für Bratsche solo und Kammerorchester vertreten.
Aus demselben Jahr stammen noch zwei Werke: In a weightless quiet und das Zweite Streichquartett, Cantar de Amigo.
In a weightless quiet für Violine solo dankt seinen Namen einem Gedicht von Ted Hughes, The Hawk in the Rain, mit darin für dieses Werk der folgenden Schlüsselpassage: 'Effortlessly at height hangs his still eye. / His wings hold all creation in a weightless quiet, / Steady as a hallucination in the streaming air.' Aber anders als der evokative Titel nahelegt ist der Tenor der eines andauernden Unbehagens, mit sogar einer drohenden Untertönung, die Imagination weiter angetrieben durch das Flattern der Flügel eines Habichts in seinem vollen Flug. Aber von Programmmusik ist dennoch keine Rede. Auch in diesem Werk sind die 'first-order beats' unverkennbar.
Das Zweite Streichquartett kennt ebenfalls ein Gedicht als Inspirationsquelle, D. Diniz des portugiesischen Lyrikers Fernando Pessoa, gewidmet dem portugiesischen König Dinis I, genannt der Bauer und auch der Dichter (1279-1325). Das Gedicht ist in Pessoas Buch Mensagem (1934) enthalten. Vier der insgesamt fünf Teile enthalten ein Zitat aus diesem Gedicht. Der Schlussteil erinnert an das Heiliger Dankgesang eines Genesenen an der Gottheit, in der Lydischen Tonart, bekannt von Beethovens Streichquartett in a, op. 132. In Durands Streichquartett heißt es Chorale - in ancient style. Es ist tatsächlich im Stil des Chorals gestaltet, die Bewegung ist Note gegen Note, aber anders als bei Beethoven gibt es unbequeme Lücken in der Textur, als würden Brocken fehlen.
Zum Abschluss dann auf diesem Album das jüngste Werk von Durand: La descente de l'ange (2022) für Violine und Klarinette. Der Titel suggeriert eine engelhafte Atmosphäre, aber davon kann keine Rede sein. Der Engel 'landet' laut Partitur 'playful and a bit clumsy' ('verspielt und etwas unbeholfen') nachdem er zuerst im Gleitflug mit zunehmender Geschwindigkeit Richtung Erde hinabsteigt. Am Ende des Stücks scheint der Engel wieder aufzusteigen, aber ob das Programmmusik genannt werden soll? Nach Ansicht des Komponisten mag es so scheinen, aber das war nicht das, was ihm vorschwebte.
Auch dieses Werk hat seine Wurzeln im 'beat', sowohl zwischen den beiden Instrumenten als auch in den Saiten der Violine, mit dem D als Fokuspunkt, worum herum Raum für Mikrotonalität geschaffen ist.
Über die Aufführungen kann ich mich kurz fassen: Sie sind solide, mit den wichtigsten Stützen Wissen, Erfahrung, Technik und Engagement.