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Barokspecialist Jordi Savall spielt Beethoven-Sinfonien

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· 3 Min. Lesezeit
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"Es ist eine Erinnerung an das Landleben, eher der Ausdruck des Gefühls, das ich dabei erlebe, als eine malerische Beschreibung davon." So schrieb Beethoven die Widmung zu seiner sechsten Sinfonie, seiner Pastorale. Ich erinnere mich an eine Jurybesprechung zur Verleihung vor einigen Jahren der Cecilia-Preise der Belgischen Musikpresse. Die Gesamtaufnahme von Beethovens Sinfonien war nominiert und doch blieb die Frage: "Besteht noch Bedarf an neuen Aufnahmen der Sinfonien von Beethoven?" Bei erneuter Hörer eines Fragments dieser zwei CDs war die Reaktion der Jurymitglieder einstimmig. So wunderbare Klänge, so persönliche Interpretation hatten sie noch nie gehört. Die Aufnahme erhielt natürlich einen Cecilia-Preis. Und wenn Jordi Savall mit seinem Concert des Nations damit dann in der BOZAR vorbeikommt, willst du das live miterleben.

Imposanter Applaus, als der Katalane, zwar auf Krücken, die Bühne betritt und sich setzt. Das ist ihm in seinem Alter erlaubt, 82 ist er. Und dann beginnt diese sechste von Beethoven. Erhaben im Ansatz, noch erhabener in der Ausarbeitung, wo nötig anschwellend, nie bombastisch, fast zurückhaltend. Diese herrliche Klarheit, Transparenz par excellence, haben wir noch wenig gehört. Und es gibt bereits viele Orchester, die eine Gesamtaufnahme veröffentlicht haben. Aber hier spielen natürlich prima Musiker und dann noch auf alten Instrumenten. Was für einen angenehmen Klang kann so ein angenehmer Mann aus seinem Concert des Nations zaubern. Tatsächlich ganz anders, als wir es bei anderen Orchestern gewohnt sind. Näher daran, was Beethoven vor Augen stand? Vielleicht, denn der Dirigent studierte die Stücke auf Basis der Originalmanuskripte ein. Jede melodische und rhythmische Linie aufgefasert und wieder zusammengefügt zu einzigartigen Klangbildern. Den lyrischen Klang der Nachtigall und den fröhlichen Ruf des Kuckucks aus dieser "Szene am Bach" hast du noch nie so schön durch Flöte bzw. Klarinette erklingen hören. Die drei letzten Teile gehen ineinander über und es beginnt mit einem fröhlichen Allegro oder "Lustiges Zusammensein der Landleute", voll wimmelnder Wendungen einer wohlklingenden Hornstimme, bis es Donnerwetter losbarst mit einem Orchester auf voller Stärke und einem ausgezeichneten Paukisten. Hier hörst du dann doch den besessenen Romantiker Beethoven am Werk, bis dieser Sturm wieder friedlich verschwindet, wenn sich der Himmel aufklärt und das Orchester ausführlich den Schluss einleitet.

Bevor Jordi Savall nach der Pause die andere bekannte Sinfonie in Angriff nimmt, ruft er zum Frieden im Nahostkonflikt auf, unterstützt durch den ausverkauften Saal, befleckt durch eine laute Protestimme. Diese Siebente von Beethoven ist Musik von anderem Kaliber, nicht nur lauter sondern vor allem aufrüttelnder. Hier schrieb ein vitalistischer Komponist, ein Werk voller Energie und vor allem voller Rhythmus. Raffiniertheit und Subtilität weichen dem extrovertierten und flamboyanten Beethoven. In der Aufführung weniger spektakulär 'anders' präsentiert als die sechste. Aber wenn es um 'presto' und 'con brio' geht und galoppierrende Passagen kann es nicht überzeugender sein.

Der Saal ist natürlich hell begeistert und Jordi Savall, bescheiden verbeugt sich, dankt zusammen mit seinem Orchester dem Publikum und ohne Zweifel auch Beethoven. Wir bekommen noch ein komplettes Sinfonieteil geschenkt.


WAS: Ludwig van Beethoven, Sinfonie Nr. 6 (op. 68) und Sinfonie Nr. 7 (op. 92)

WER: Le Concert des Nations, Dirigent Jordi Savall

WO: Henry Le Boeuf Saal, BOZAR

WANN: Donnerstag, 20. Dezember 2023

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