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Barockmusik in der Kathedrale von Brüssel, eine unerwartete Begegnung

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· 4 Min. Lesezeit
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Barockmusik in der Kathedrale von Brüssel, eine unerwartete Begegnung

Du triffst dich im Herzen von Brüssel zu ernsthaften Geschäften. Auf burgundische Art, das macht die Besprechung leichter. Bei Tisch werden auch die besten Verträge abgeschlossen, heißt es. Die Versammlung, an der ich teilnehme, ist jedenfalls fruchtbar und mit einem Gefühl der Zufriedenheit spaziere ich zum Zentralbahnhof von Brüssel. Dafür muss ich an der wunderschönen Sint-Michiels en Sint-Goedele Kathedrale vorbei...

Ein Überfluss an flämischer Gotik ist die Kathedrale. Einst stand dort eine hölzerne Kirche, dann eine kleine romanische Kirche, deren Fundamente dank Historiker Paul De Ridder in den 1980er Jahren teilweise freigelegt und für Besucher zugänglich gemacht wurden. Bei der Innenrestaurierung wurden sofort viele fehlgeschlagene neugotische Eingriffe des 19. Jahrhunderts rückgängig gemacht. Oh, wie war man zunächst böse auf den gelehrten Brüsseler, aber als man das Ergebnis sah, gingen die ‚Bösen' mit den Lorbeeren davon, nachdem sie die notwendigen Bänder durchschnitten.

Es ist schwierig, zumal wenn man Zeit hat, ein Kunstwerk links liegen zu lassen, nicht wahr? Und so ging ich die Treppen hinauf, in die Kirche. Wurde ich dort nicht von einem Taschendieb überfallen, sondern von einer Fülle von Barockmusik, so live wie nur möglich. Ein großer Chor, ein Barockorch ester und hey, dieser Dirigent, kennen wir den nicht? Ja klar, Guy Van Waas; der reinste Brüsseler in Herz und Nieren. Eigentlich ist er der ideale Dirigent für diese Kathedrale, nicht wahr? Brüsseler, der ein Werk eines Brüsseler Komponisten einstudiert. Man erkennt die Hand unserer flämischen Barock. Fiocco ist es nicht, der ist üppiger, De Croes auch nicht und der war auch kein Kapellmeister in Brüssel. Es ist eine Messe von Van Helmont. Eine doppelchörige Festmesse.

„Morgen feiern wir mit einem Festkonzert 20 Jahre Ausbildung ‚Alte Musik' am französischsprachigen Brüsseler Konservatorium", erzählt mir Guy Van Waas. „Das ist ziemlich schöne Musik, was? Und doppelchörig, ein großes Barockorch ester". Der Dirigent strahlt. „Wissen Sie, das sind alles Schüler und ehemalige Schüler, die kommen von überall her, sogar aus Frankreich und Italien, um hier drei Tage zu proben und dann das Konzert von morgen zu geben. Manche ganz freiwillig, einfach um wieder zusammenzusein und für diese wunderbare Musik. Nach dem Konzert gehen wir mit der ganzen Bande mal schön essen". Ja, eine ganze Stunde, oder ist es etwas länger?, genieße ich Chor, Orchester und Solisten, die lustig darauf losproben. Ein unerwartetes Geschenk, ein Kathedralen-Erlebnis würde ich sagen. Musik der Kapellmeister dieses göttlichen christlichen Tempels, wenn ich es so ausdrücken darf.

Das Konzert passt in den Rahmen von FestiVita!, eine nicht zu verpassende Woche ‚Alte Musik' im Cercle royal Gaulois in der Hauptstadt. Alle hin, es gibt noch Karten! Musik und burgundisches Essen beim Burgundischen Bankett zum Beispiel. Das willst du doch nicht verpassen, auch wenn die Verkehrssprache - nicht die Fütterungssprache - Französisch dieses Festivals ist, das an der französischsprachigen Kultur und Bildung hängt. So funktioniert das in diesem Land, es ist das eine oder das andere. Glücklicherweise hören wir diesen andauernden Konflikt auf der Bühne nicht, dort vereinen sich alle Kräfte für die konfliktüberwindende Musik. Sag selbst, das ist die Wanderung an sich schon wert. Es gibt übrigens viel zu sehen in Brüssel, in der Kathedrale und in den kommenden Tagen vor allem zu hören. Tauche ein in die reiche Zeit von Brüssel, als schöne Künste in der damaligen Hauptstadt der Niederlande aufblühten, wo es viel weniger Sprachstreit gab, und wo diese schönen Künste ein Exportprodukt waren, das ganz Europa in seinen Bann zog. Musik war dabei ein Teil.

Historiker Paul De Ridder machte die Archive der Kathedrale besser zugänglich und in diesen Archiven fand man viele Partituren von sehr vielen Kapellmeistern. Es sind Partituren mehrerer Kapellmeister, heute stille Unbekannte, die während des Konzerts und dieser fast Generalprobe zu genießen waren und sind. Leider kann ich nicht beim Konzert selbst dabei sein, aber eigentlich, so ganz unerwartet eine Probe beizuwohnen, die fast das Konzert selbst ist, das ist doch ungefähr dasselbe? Genossen habe ich und glaub mir, ich nicht allein.


  • WAS: FestiVita! Probe Festkonzert 20 Jahre Ausbildung Alte Musik Conservatoire Royal de Bruxelles
  • WER: Guy Van Waas dirigiert Chor, Orchester und Solisten der Ausbildung Alte Musik Conservatoire Royal de Bruxelles
  • WO & WANN: vom 10. Februar bis 17. Februar 2023, Brüssel
  • FOTOS: © LVM/Klassiek Centraal
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