25 Jahre Laus Polyphoniae. Wer hätte gedacht, dass die Antwerpener Tage der Alten Musik, damals im Rubenshuis, sich zum größten Polyphonie-Festival der Welt entwickeln würden, auf dem alle denkbaren bedeutenden Namen zu Gast waren. Musiker und Ensembles, die bereits einen Namen hatten, aber auch junges Talent, das später auf der internationalen Bühne durchbrach: Laus Polyphoniae wusste sie immer wieder zu finden. Und das geht weiter.
Eines dieser jüngeren Ensembles ist Scherzi Musicali, geleitet von Nicolas Achten. Festivaldirektor Prof. Dr. Bart Demuyt wollte ihm das Eröffnungskonzert des Jubiläumsfestivals gönnen. Während eines Vorbereitungsgesprächs, etwa 2,5 Jahre zuvor, erzählte Nicolas Achten, dass er gerne einmal La Pellegrina programmieren würde, nicht zuletzt weil er entdeckt hatte, dass die bekannte Version eine war, auf die viele Schichten Firniss aufgetragen worden waren. So gab es ein heute verschwundenes Instrument, das auch den Basso continuo anführte. Das klang buchstäblich und im übertragenen Sinne wie Musik in den Ohren von Bart Demuyt, und die Entscheidung wurde schnell getroffen. Achten sollte mit seinem Ensemble Scherzi Musicali die gereinigte Version, also die so ursprünglich wie mögliche mit jenem noch unbekannten, erst zu bauenden Instrument aufführen. Damit würde die Eröffnung von 25 Jahren Laus Polyphoniae, des Antwerpener Teils des Festival van Vlaanderen, ein außergewöhnliches Ereignis werden, über das jeder sprechen würde. Und so kam es auch.
Klassiek Centraal hatte das Privileg, bei der Vorpremiere dabei zu sein am Fest Mariä Himmelfahrt, Muttertag in Antwerpen und Umgebung und auf dem Rubensmarkt in der Stadt, die ein volles Jahr die Pracht des Barock feiert. Bei dieser Eröffnung sprachen die Antwerpener Kulturbeigeordnete, Frau Caroline Bastiaens, und der Vorsitzende des FvV Antwerpen, Herr Philip Heylen, gemeinsames Lob über das Festival, die Gründer mit damaligem Rudermeister Lieve Schaubroeck – was wäre ohne sie geworden? – und ihrem Nachfolger Bart Demuyt. Während dieser Festsitzung wurde Michaël Scheck, jahrelang Motivator, Inspirator und musikalischer Universalist im flämischen Musikleben, für seinen Einsatz und seine Leistungen geehrt. Er war und ist immer noch eine Schlüsselfigur im Festival van Vlaanderen Antwerpen und Laus Polyphoniae.
Im herrlichen Rahmen der 400 Jahre alten Sint-Augustinuskerk, heutzutage die Heimat von AMUZ, wo neue, sehr gelungene Altarbilder aus der Hand von Jan Fabre pranken – in diesen Werken bezieht er sich auf die barocke Symmetrie, Symbolik, Ornamentik und den goldenen Schnitt – erklang ein La Pellegrina, das überwältigend war. Die Pracht und Herrlichkeit dieser Musik kommt viel mehr zur Geltung, und man hört neue Farben, nicht nur durch das „neue" Instrument, das mindestens 400 Jahre „alt" ist, die Baschitarone. Der Reichtum an Stimmenwechsel, instrumentaler Variation mit drei Orgeln, verschiedenen Arten von Lauten und Chitarinos, Streichern, Traversflöte, Unterstützung durch beeindruckende Blechbläser und Cornet sowie Melodien, die einen in ein Fest eintauchen lassen, das tatsächlich die perfekte Harmonie und das Schönste, das damals geboten werden konnte, ausstrahlt, macht das Ganze vollständig. Die Hochzeit zwischen Ferdinando I. de Medici und Christine von Lothringen 1589 wirkt immer noch nach, jedenfalls musikalisch im Jahr 2018.
Nicolas Achten und seine Musiker positionieren sich mit dieser Aufführung mitten in der heutigen jüngeren Generation von gut ausgebildeten Spezialisten in der historisch authentischen Aufführungspraxis. Es ist nicht übertrieben, von der absoluten Spitze zu sprechen, und so ist die Nachfolge durch diejenigen gesichert, die wir als die Pioniere der „Alten-Musik-Praxis" bezeichnen dürfen. Diese junge Generation hat darüber hinaus den Vorteil, dass die Pioniere enorm viel Grundlagenforschung geleistet haben, auf der man jetzt weiter aufbauen kann. Dinge, auf die wir vor 40 Jahren mit offenem Mund staunten, werden jetzt noch mehr durchleuchtet und mit noch mehr Einsicht und Feinfühligkeit zum Konzert gebracht. Was für ein Geschenk für das Musikerlebnis, dass solch weit fortgeschrittene Arbeit geleistet wird. Das Konzept der „Alten Musik" überlebt das Konzept vielleicht nicht – und das ist überhaupt nicht schlecht – aber die historisch authentische und musikalisch so partiturgetreu wie mögliche Aufführung feiert Hochkonjunktur. Möge das noch lange so weitergehen. Eine Organisation wie Laus Polyphoniae und Menschen wie Nicolas Achten, Bart Demuyt und so viele andere stehen dafür ein. Dank für all den Einsatz und all die unendliche Schönheit!
Weitere Informationen zum fast ausverkauften Festival Laus Polyphoniae finden Sie auf der Website und im doppelten Programmheft. Ein Programm, das in zwei Teile aufgeteilt ist: die Periode vor 1618 und die Periode danach. Warum dieses Jahr? Weil in diesem Jahr die Augustiner ihre neue Klosterkirche zum ersten Mal öffneten und auch weil dieses Jahr in der Übergangsperiode von der musikalischen Polyphonie und Renaissance zur Barok liegt.
- WAS: Laus Polyphoniae, feierliche Eröffnung des 25-jährigen Festivals mit La Pellegrina
- WER: Dirigent Nicolas Achten und Ensemble Scherzi Musicali
- WO & WANN: AMUZ – Sint-Augustinuskerk Antwerpen, 15. August 2018
- FOTOS: © Noah Shaye und © Jesse Willem