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Rezensionen

Lissa Meyvis - Cabaret Diva

V
· 6 Min. Lesezeit
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Lissa Meyvis - Cabaret Diva

Bei Divas bewegen wir uns in der stratosphärischen Welt der Prominenz. Ikonen wie Maria Callas, Marlene Dietrich… machten von sich reden. Bei Divas denken wir in einem Atemzug an Klasse und Kontroverse. Opernsängerinnen waren die ersten Divas, die von den Italienern um ihr hohes Register bewundert wurden. Es wurde auch zum ersten Mal für Berühmtheiten verwendet.

Divagehabe hingegen hat eher einen negativen Beigeschmack. Maria Callas war eine großartige Sängerin und Perfektionistin, stand aber für ihre Launen und Kapriolen bekannt. Faszinierend für die Außenwelt. Das Publikum braucht unerreichbare Idole.

'Cabaret Diva' ist um Lieder aufgebaut, die sich um das Thema Liebe drehen. Sich widersprechende Gefühle, die im gewählten Repertoire mit einer Fülle von Emotionen zum Ausdruck kommen: Intimes versus Ausgelassenes. Lissa Meyvis berührt mit einer erfischenden Sinnlichkeit in einer Fülle von Atmosphären und Farben. Sie braucht keine großen Gesten oder Ausbrüche, Nüchternheit kann genauso beeindruckend sein. Ihre große Liebe liegt in der Oper. Mit großem Bekehrungseifer versucht sie, jeden für die Welt der klassischen Musik zu gewinnen. Viele bekannte Arien passieren wie Bonbons die Bühne. Um ein breites Publikum zu erfreuen, ist diese Aufführung ein Amalgam aus Oper und Kabarett. Sie wird begleitet von Lester Van Loock Klavier; Tom Willems Gitarre; Janos Bruneel Kontrabass und Peter Ploegaerts Schlagzeug.

Die Diva erscheint in einem wunderschönen schwarzen Kleidchen und eröffnet mit dem Publikumswärmer 'Cabaret' aus dem gleichnamigen amerikanischen musikalischen Liebesfilm – wir schreiben 1972. Anschließend die zündende 'La diva de l'empire' von Eric Satie. Ein früher Versuch eines europäischen Komponisten, den aufkommenden amerikanischen Jazz zu packen. 'Empire' bezieht sich auch auf eine berühmte Musikhalle am Leicester Square in London. Die überdachten Promenaden waren Brutstätten von Ausschweifung und Prostitution. Für Pariser Zuhörer bildete dies einen lüsternen Hintergrund für den leicht frechen Text. Sinnlich und verführerisch vorgetragen von Diva Meyvis.

Dann gleich das große Werk 'Casta Diva' - die keusche Göttin - aus der Oper Norma von Bellini mit sparsamer Klavierbegleitung. Die Hohepriesterin Norma wird zerrissen zwischen ihrer Liebe zum Römer Pollione und ihrer Treue zu den Druiden. Eine der glänzendsten Arien von Maria Callas mit beeindruckenden Notengirlanden. Lisas Stimme geht mühelos in die Höhe, streichelt die Noten, hält sie fest. Nicht nur die Worte verstehen, sondern sie auch auf einer Bühne zum Leben zu erwecken, ist die Kunst.

Nach dem Drama eine komische Arie 'Art is Calling for me' aus The Enchantress von Victor Herbert. Eine der Prinzessinnen will die Aufmerksamkeit des Prinzen auf sich ziehen, indem sie Opernsängerin wird. Hier geht Lissa Meyvis voll auf und legt ihr komisches Talent bloß. Mit dem nächsten Lied kehrt sie zu der tieferen Essenz unserer menschlichen Gefühle zurück wie ein Regenbogen des menschlichen Lebens. 'Voila', das mitreißende Lied, mit dem die französische Sängerin Barbara Pravi 2021 Zweite beim Songfestival nach Måneskin wurde. Das Publikum bedenkt oft nicht, dass hinter dem Performer auch ein Mensch steckt. Mit 'J'ai deux amours' wird eine Ode an die schwarze Perle Josephine Baker gebracht.

'I Got Rhythm' das energiegeladene Lied von George und Ira Gershwin wurde für das Musical Girl Crazy geschaffen. Es entwickelte sich zu einem Jazzstandard. Das Lied kommt mit dem Einsatz der swingenden Instrumentalisten voll zur Geltung. Auch Nummern aus der eigenen Heimat fehlen nicht. 'Dag vreemde man' von der zu jung verstorbenen Ann Christy. Musik Willy Crombé und Mary Boduin schrieb die wunderschönen Texte. Lissa Meyvis zieht den Text zu sich heran und liefert eine einzigartige Interpretation wehrhaft und zerbrechlich.

Dann richtet sie ihre Pfeile auf das niederländische Repertoire mit ''t Is over', ein prägnantes Lied der Kabarettistin Jenny Arian. Das Ende einer Beziehung gefolgt von ''t Is begonnen' von Yentl en de Boer, eine Art Gegenerwiderung. Ein würziger Text, der in ihrem Gesang und ihrer Präsentation die notwendigen Farbschattierungen erhält.

'I have Confidence' aus The Sound of Music. In der Musikschule lernte Meyvis, Vertrauen zu haben, um auf einer Bühne zu stehen. Der erste Teil endet mit dem zeitgenössischen Lied 'The Girl in 14G' geschrieben für die amerikanische Schauspielerin und Sängerin Kristin Chenoweth in einer wunderschönen niederländischen Übersetzung von Ann Van den Broeck. Ein Lied, in dem eine klassische Sängerin voll aufdrehen kann mit unter anderem Elementen aus der Oper Tristan und Isolde und der Arie der Königin der Nacht. Mimisch zum Dahinschmelzen und gesangstechnisch, um ihr Talent zur Schau zu stellen.

Nach der Pause präsentiert sie 'The Laziest Girl in Town'. Eines der wenigen musikalischen Lieder in einem Hitchcock-Film und gesungen wurde es von Nachtclubsängerin Charlotte Inwood (Marlène Dietrich). Auf ihre ganz eigene, unnachahmliche Weise trägt sie das Lied vor. Lazy Lissa setzt sich gemütlich ins Publikum, während Kontrabassist Janos Bruneel eine beeindruckende Solopartie zum Besten gibt.

In 'Sweetest Devotion', einem Lied von Adèle teilt sie die intensive und bedingungslose Liebe zu ihren Kindern. Dann reserviert sie vier Lieder aus dem niederländischen Kabarettrepertoire. Es wird sich auf eine ganz spezifische Periode konzentriert, Blütezeiten des niederländischen Lieds beginnend mit 'Oorlog' von Toon Hermans. Ein Lied, das immer aktuell ist. Die repetitive Schönheit des Refrains ist transzendent und beschwörend. Dann kommt das Werk von drei Divas bei unseren Nachbarn zum Zuge. 'Zachtjes breken' von Adele Bloemendaal. In einer Beziehung häufen sich die Risse und Frustrationen. Unterkühlter Zorn.

Gefolgt von der herrlich absurden Nummer 'De Non' aus Cabaret Lurelei von 1964, damals gesungen von Jasperina De Jong. Fromme Nonnen, die gerne einen Joint drehen. Lissa fegt mit dem Refrain 'Roll another one' durch die Wendungen ihres Stimmorgans. Anschließend das pikante und kitschige 'Hoezenpoes' von Conny Stuart mit großartigen Rhythmuswechseln und einem funkelnden Text. Es ist lobenswert, dass solch wunderschönes und repräsentatives Repertoire nicht verloren geht. Dann geht es zurück ins englischsprachige Repertoire mit 'I Don't Care', einer Nummer von Judy Garland. Ein Kinderstar, der sich zu einer echten Diva mit einigen Eigenheiten entwickelt hat. Eine freie Frau ergreift das Wort und lässt sich nicht etikettieren, kurz darauf 'All that jazz', eine Nummer ihrer Tochter Liza Minelli.

Ganz anderes Kaliber ist dann das Lied 'Papa can you hear me'', Musik von Michel Legrand. Das Lied wurde für den Film Yentl geschrieben, Regie von Barbra Streisand, die auch die Hauptrolle spielte. Lissa Meyvis singt dies auf fragile Weise, versteht es, das Unfassbare zu erfassen. Mit nur Klavierbegleitung ergreifend schön.

Folgt dann noch 'La vie en rose' von la môme Edith Piaf. Ein Liebestriumph. Als Gegensatz 'Je suis malade' von Lara Fabian. Wie ein Liebeskummer so viel Herzweh bringen kann. Lissas Interpretation sorgt für Gänsehaut. Als letztes Lied 'Life is a Cabaret''. Ein besserer Abschluss nach all den verschiedenen Stimmungen, die die Revue passieren ließ, war nicht möglich. Es fasst alles schön zusammen.

Ich wiederhole mich. Es war wieder ein Genuss, ein wunderschönes intimes Konzert mit Diva Lissa, umgeben von Musikern, die sie glänzen ließen.

Es gibt nur ein Wort dafür: starstruck.


  • WAS: Cabaret Diva
  • WO & WANN: Fakkeltheater Antwerpen, Montag 22. Januar '24
  • WER: Gesang: Lissa Meyvis; Klavier: Lester Van Loock; Gitarre: Tom Wilems; Kontrabass: Janos Bruneel; Schlagzeug: Peter Ploegaerts
  • FOTOS: © Studio Dongo
Tags concert
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