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Marais: Tombeau pour Monsieur de Sainte-Colombe

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Marais: Tombeau pour Monsieur de Sainte-Colombe
© Harmonia Mundi HMM 905356

Marin Marais - Tombeau pour Monsieur de Sainte-Colombe - Pièces de viole du Deuxième livre (1701)
La Rêveuse: Florence Bolton und Emily Audouin (Viola da gamba), Benjamin Perrot (Theorbe & Barockgitarre), Carsten Lohff (Cembalo)
Harmonia Mundi HMM 905356 • 66' •
Aufnahme: Nov. 2022, Béguinage de St Trond


Im August 2021 besprach ich hier das von Alpha veröffentlichte Album La Rêveuse et autres Pièces de Viole mit Sophie Watillon und Friederike Heumann auf Viola da gamba, Xavier Díaz-Latorre auf Theorbe und Barockgitarre, Evangelina Mascardi auf Barockgitarre und Luca Guglielmi auf Cembalo.

Diesmal ist es nicht Alpha, sondern Harmonia Mundi und mit einem abweichenden Programm durch…La Rêveuse mit Florence Bolton und Emily Adoulin auf Viola da gamba, Benjamin Perrot auf Theorbe und Barockgitarre und Carsten Lohff auf Cembalo. Der Name des Ensembles stammt von dem gleichnamigen Stück von Marin Marais für Viola da gamba und Theorbe aus seinem Fünften Buch. Für Uneingeweihte könnte eine Verwechslung hinsichtlich der Namengebung lauern, aber der Unterschied scheint mir dennoch deutlich genug zu sein.

Die Viola da gamba hat wie die Gitarre „Bünde" auf dem Hals und verfügt über sechs bis sieben Saiten. Der Bogen wird anders gehalten, also nicht von oben wie bei Cellisten. Die Größen der Viola da gamba unterscheiden sich erheblich. Das kleinste Mitglied ist die ausgezeichnet handhabbare „Dessus de Viole": Das Spielen mit dem Instrument auf dem Schoß ist problemlos. Das ist anders bei der „Basse de Viole", denn die kräftigen Ausmaße erlauben nur noch die Spielposition zwischen den Beinen. Das noch größere Familienmitglied, die Violone, wird wie der Kontrabass stehend gespielt. Alle Instrumente bringen einen herrlichen Klang hervor und eignen sich hervorragend für kleine Räume – Eigenschaften, die auch die Popularität der Viola da gamba erklären.

Es ist daher kein Wunder, dass die Viola-da-gamba-Familie in der Renaissance und im Barock wunderbare Musik hervorgebracht hat, wie das auch für die typisch englische Consort Music galt, Ensembles, die aus einem oder mehreren Instrumenten aus der Viola-da-gamba-Familie gebildet wurden. Wie es damals auch überall „Broken Consorts" gab, wenn neben der Viola da gamba auch andere Instrumente beteiligt waren.

Eine große Anzahl von Komponisten schrieb Musik speziell für die Viola da gamba, darunter nicht die Unbekannten, wie in England William Byrd (1542–1623), Thomas Robinson (1560–1610), John Dowland (1563–1626), Orlando Gibbons (1583–1625), William Lawes (1602–1645), John Jenkins (1592–1678) und Henry Purcell (1659–1695). In Deutschland waren es vor allem Dietrich Buxtehude (1637–1707) und in geringerem Maße Johann Sebastian Bach (1685–1750), die sich beim Instrument eine Vorreiterrolle zuteilten. In Frankreich war der Standard hoch dank Monsieur de Sainte-Colombe (1656–1728), Marin Marais (1656–1728) und Robert de Visée (1650–1730), die in diesem Genre den Ton angaben. Hier können Sie einiges über diese reiche Geschichte der Viola da gamba lesen.

Dass auch Sainte-Colombe auf diesem Album vertreten ist, hat alles mit Marais' tiefe Bewunderung für seinen ehemaligen Lehrer zu tun. Robert de Visée war ein großer Virtuose auf der Laute, Gitarre, Theorbe und Viola da gamba, und wie Marais im Dienste von Louis XIV., dem Sonnenkönig, ein wichtiger Mäzen der schönen Künste.

Aus historischer Perspektive und „übersetzt" in unsere Zeit liegt Marais' wichtigste Rolle für uns natürlich in seiner Komposition für die Viola da gamba, festgehalten in fünf Büchern gefüllt mit etwa 550(!) Kompositionen für ein bis drei Viola da gambas, geschrieben in der Zeit von 1686–1725.

Einer der diskografischen Höhepunkte auf diesem Gebiet ist immer noch die Aufnahme auf dem längst vergangenen Musiklabel L'Oiseau-Lyre (einst Teil der Decca-Gruppe) mit einer Auswahl aus Buch IV der Pièces de Viole, aufgeführt von Vittorio Ghielmi und Christophe Coin (Viola da gamba), Pascal Monteilhet (Laute) und Christophe Rousset (Cembalo).

Die Tänze und Charakterstücke: Sie sind auch bei La Rêveuse in den besten Händen. Die historisierende Aufführungspraxis steht dem musikalischen Vergnügen keinen Moment im Wege, Beredsamkeit und Raffinement strahlen von diesen Interpretationen aus, und auch die raffinierte Ornamentation trägt dazu bei, dass diese Stücke und auch das Instrumentarium optimal zur Geltung kommen. Damit skizziert dieses französische Ensemble ein äußerst fantasievolles und spirituelles Bild einer Kunstform, die glücklicherweise nicht der Vergessenheit zum Opfer gefallen ist. Es wurde sogar ein Film daraus gemacht mit dem Gambisten Jordi Savall in der Hauptrolle, unterstützt von Schauspielern, die die Rollen von Monsieur de Sainte-Colombe und Marin Marais verkörpern: Tous les matins du monde.

Die Aufnahme ist ebenfalls hervorragend gelungen und das CD-Booklet bietet viele Informationen. Alles in allem also eine wunderbare Ausgabe.

Tags cd
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