Es ist eine schöne Initiative und allmählich wird es zur Tradition des Symfonieorkest Vlaanderen, in den Weihnachtsferien ein Klassikkonzert anzubieten, das speziell für Kinder zugeschnitten ist. Es ist auch schön von Eltern und Großeltern, dass sie ihren kleinen Kindern auf diese Weise einen Einstieg in die klassische Musik ermöglichen.
Es ist einmal etwas anderes als K3, wobei diese beliebten Mitsinger natürlich auch dabei sein dürfen. Aber durch den Ansatz des Symfonieorkest Vlaanderen, in Zusammenarbeit mit den Männern von Die Verdammte Spielerei, die Unschuld und kindliche Fantasie als Leitfaden nehmen, lernen Kinder auf spielerische Weise das breite Spektrum der Musik kennen, denn auch Klassiker können frisch präsentiert werden. Ein Programm für Jung und Junggebliebene.
Der Blaue Saal von deSingel ist bis auf den letzten Platz besetzt. Vor der Aufführung ist es äußerst laut, wegen der vielen Kleinen, die ihre Geschichten erzählen oder Fragen stellen. Als die Lichter dimmen, wird es plötzlich mucksmäuschenstill. In diffusem Nachtblau betreten die Musiker und Dirigent Martijn Dendievel (der gerade mit dem Golden Label Debut von Klassiek Centraal nominiert wurde) die Bühne. Die Instrumente werden an ihren Platz gestellt oder gelegt und die ganze Gruppe positioniert sich auf der Vorderbühne. Sie bekommen tosenden und jubelnden Applaus wie Popstars. Der Ton ist sofort gesetzt. Ein manueller Regen wird erzeugt und alle dürfen mitmachen (in den Gängen von deSingel wurde dies zunächst von einigen Musikern vorgemacht), erst durch Aneinander-Reiben der Hände, dann mit den Fingern Schnipsen und schließlich auf der Brust trommeln. Es klingt wie ein gewaltiger Regenguss, der mit den gegenteiligen Bewegungen allmählich leiser wird.
Wasser wird der rote Faden. Das Konzert eröffnet mit der Komposition „Big Bang" frei nach Eric Satie. Stefaan De Winter (Text & Idee) von Die Verdammte Spielerei nimmt das Publikum mit und beginnt mit der Schöpfungsgeschichte und der Entstehung der Ozeane. Es entstehen Wolken, wobei er einen großen grauen Sack über seinem Kopf hebt. In der „Symphonie Nr. 1 The Lord of the Rings" gibt es schwere Paukenschläge: der Donner mit Blitzlichtern, ein heftiges Gewitter. Er bereitet einen Zaubertrank über Wasser zu, verständlich und anschaulich für die Kinder und mit einem humorvollen Augenzwinkern an die Erwachsenen.
Der Text bahnt sich wie ein Fluss mäandernd seinen Weg in und zwischen den verschiedenen Kompositionen. Ein Damm, um das Wasser einzudämmen, wird dargestellt, indem ein großes graues Tuch geöffnet wird, das erfinderisch aus der grauen Wolke hervortritt. Seine 5 Kumpels von Die Verdammte Spielerei sind überall einsetzbar. In der Mitte oben ist eine Öffnung, aus der Wasser spritzt. Ein feines und breites blaues Tuch ergießt sich heraus. Wasser muss fließen und geht über die Köpfe des Publikums bis ganz nach hinten in den Saal. Diese Interventionen und die Einbeziehung des Publikums in die Handlung machen es besonders attraktiv für die Allerkleinsten.
Dieses Wasserspeien geschieht zu den Tönen von „Die Moldau von der anderen Seite" frei nach B. Smetana. Weiter werden noch dargeboten „Short Ride in a Fast Machine" von J. Adams, „Fanfare for the Common Man" von A. Copland, „Bilder einer Ausstellung Teil 1" von M. Moussorgski, „Misirlou" aus dem Film Pulp Fiction, „Gnossienne Nr. 2" von E. Satie, alle meisterhaft arrangiert von Jelle Tassyns mit Ausnahme von zwei, für die Die Verdammte Spielerei zeichnet.
Die Musik erzeugt kleine Wellen, wie Wasser, das fließt. Die Geschichte ist auch irgendwie allegorisch: Das Wasser wird durch die Industrialisierung und Umweltverschmutzung, Kunststoff und dergleichen stark belastet. Das Wasser will zurück in die Berge, sehnt sich nach der sauberen und reinen Natur. Es bilden sich wieder Wolken… Der Kreis schließt sich. Der Regen fällt wieder in den Bergen herab als ewiger Kreislauf. Es bilden sich Bäche, Ströme, Flüsse… Das Symfonieorkest endet mit „Spetter, Pieter, Pater", eine Komposition von Herman van Veen.
Dass sowohl Jung als auch Alt die wunderbare Musik, die visuellen Aspekte und die verrückten Streiche von Die Verdammte Spielerei genossen hat, drückte sich in spontanem, ausgelassenem und ohrenbetäubendem Applaus und fröhlichen Gesichtern aus. Und es war ganz klar zu sehen: auch die Musiker hatten Spaß an diesem untypischen Konzert.
Symfonieorkest Vlaanderen & Die Verdammte Spielerei: ein voller Treffer, das nach mehr dürftet.
- WAS: Familienkonzert „Onnozelaars"
- WER: Symfonieorkest Vlaanderen & Die Verdammte Spielerei
- ARRANGEMENTS: Jelle Tassyns
- WO & WANN: deSingel, Sonntag 5. Januar
- FOTOS: © Symfonieorkest Vlaanderen, mt