OBV bleibt funkeln und wirft dabei alle Register offen, bespielt alle Schichten des Publikums und deren Interessen: Oper, Konzerte, klassisches und zeitgenössisches Ballett und auch die Jugend kommt auf ihre Kosten, sowohl auf der Bühne mit dem Jugendchor von OBV, als auch im Saal.
'Somer & Winter' ist eine brandneue, verspielte, etwas absurde Aufführung basierend auf einem alten Theatertext aus dem Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts – einem der sogenannten abele spelen. Der Mittelniederländische Text wurde größtenteils beibehalten. Die Klänge sind dankbar zu singen. Die Sprechttexte wurden von Thomas Janssens geliefert. Beschränkten sich die abele spelen auf die höfische Liebe, wollen sich hier Sommer und Winter auf allen Ebenen übertrumpfen. Sie kommen jedoch nicht heraus und eine dritte Person, der Erzähler-Wirt Cockijn, verkörpert von Imke Mol, sorgt für die Verbindung zum Publikum. Eine allegorische Geschichte, in der Sommer und Winter zu Charakteren werden und in einem musikalischen Duell ihre Fehde beilegen. Fantastisch verkörpert durch die lebhafte, warme und schöne Sopranistin Lissa Meyvis als Sommer. Mit größter Leichtigkeit bespielt sie die höchsten Tonleitern. Ihre Rivalin ist der raue Bariton Kris Belligh als Winter, der seine Stimme schaudernd bis zu den tiefsten, donnernden Bässen senken kann.
Das SPECTRA-Ensemble: Pieter Jansen – Violine; Ben Faes - Kontrabass; Tille Van Gastel – Flöte; Julien Bénéteau - Klarinette; Frank Van Eycken – Schlagzeug; Bart Cypers – Horn und Frankie De Kuyper – Trompete u.L.v. Hans Vercauteren sorgen live für eine kräftige musikalische Rahmung. Die Partitur wurde von Hans Vercauteren zusammen mit Lente Verelst komponiert und umfasst Solomomente für Sommer und Winter, Duette und schöne Chorpassagen und kombiniert klassische Elemente mit Einfachheit und Wiederholung. Die Musik lenkt die Gefühle und verstärkt die Spannung.
Die Kraft der Fantasie
Regisseurin Kenza Koutchoukali realisiert zusammen mit dem SPECTRA-Ensemble, Lissa Meyvis, Kris Belligh und Imke Mol eine Familienaufführung über hartnäckige Überzeugungen und Wünsche. Aber dann haben wir die schönste Komponente vergessen: den 30-köpfigen Kinderchor der Oper. Enthusiastisch und diszipliniert stehen sie auf der Bühne. Ihr Spiel und Gesang ist herzzerreißend und zaubert ein Lächeln auf dein Gesicht. Sie stehen nicht steif und versteift auf der Szene, sondern werden in die Aktion einbezogen. Sie zügeln den Sturm mit, nehmen an den Kämpfen zwischen Sommer und Winter teil. Daneben gibt es viele verspielten und einfallsreichen Momente. Aus einem einfachen Blatt Papier wird die maximale Ausdruckskraft gezogen. Papier ist nicht nur der Träger von Geschichten. Sie falten ein Flugzeug daraus und werfen es ins Publikum, kurz darauf werden die Papiere zurückgewonnen und sie imitieren das Geräusch fallender Blätter und Regen, noch später wird ein Schneeballgefecht damit entschieden, usw… In einer späteren Phase erscheint auch Venus auf der Bühne. Die Kinder versuchen, die Göttin zu überreden, ihnen zu helfen, den Konflikt zwischen Sommer & Winter beizulegen. Mit vielem Schmeicheln lässt sich Venus überreden. Sie kommt gerade noch rechtzeitig an, denn Sommer und Winter wollten ihren Streit gewaltsam beenden. Sie greift ein und erinnert sie daran, dass sie nur durch Gnade des anderen existieren: dass die eine nur Bedeutung hat, weil die andere existiert, in einer Plädoyer für Harmonie. Venus beendet die Fehde und versöhnt Winter und Sommer, denn sie können nicht ohne einander leben. Sie werden sich fortan abwechseln in Frieden und Wohlfahrt. Dazwischen bekommt der kleine Cockijn: Milo Devroede (Mitglied des Kinderchors) auch noch ein paar schöne Partien zu singen. Mit seiner reinen Knabenstimme eroberte er spontan das Herz des Publikums.
'Somer & Winter' reflektiert über urdum Fehden und den ewigen Zyklus der wunderschönen Jahreszeiten mit jeweils ihrer Eigenheit und ihrem Charme. Auf der Bühne des Theaters 't Eilandje nimmt die jugendliche Besetzung das Publikum mit in eine kräftige und verspielte visuelle Aufführung mit üppiger Musik und Gesang, den unsichtbaren Fäden, die uns miteinander verbinden.
Die Kommentare von Groß und Klein hinterher waren schön zu registrieren: knap, interessant, keitof, cute, neig, slay…