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Musikgeschichte erneut in Dinant, (indirekt) dank Adolphe Sax

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Musikgeschichte erneut in Dinant, (indirekt) dank Adolphe Sax
© Malou Van den Heuvel

Sie kennen Dmitry Pinchuk noch nicht, es sei denn, Sie haben zufällig etwas darüber gelesen oder gehört, oder Sie waren beim Adolphe Sax Wettbewerb (Concours International Adolphe Sax) in Dinant anwesend, den er im November 2023 gewann, oder Sie waren beim Konzert vom 13. Juli 2024 in der Stiftskirche in derselben Stadt.

Nun lesen Sie über diesen jungen Saxophonisten und es kann nicht anders sein, als dass Sie von nun an alles in Ihrer Macht Stehende tun werden, um diesen derzeit erst 18-jährigen so schnell wie möglich live und/oder auf einer Aufnahme zu hören. Weil es 'sein muss'. Warum 'muss' das denn? Weil dieser gerade der Pubertät entwachsene, verfeinerte, empfindsame, etwas schüchterne, ruhige junge Mann dem Saxophon eine neue Dimension verleiht und es zu einem vollwertigen Instrument des klassischen Repertoires macht. Er tut noch viel mehr. Er musiziert auf höchstem denkbarem Niveau und eigentlich können Sie sich die Frage stellen: Ist das dank seiner Liebe zu diesem Instrument oder ist das Saxophon einfach das Instrument, das er nutzt, um vollständig zu musizieren? Was immer es auch sei, er ist ein Top-Virtuose, er verfügt über eine unvergleichliche Technik und diese Virtuosität und Technik stehen im Dienst eines ungezügelten musikalischen Verständnisses. Er phrasiert außergewöhnlich schön und breit, man bekommt Lust, mitzusingen, sogar zu tanzen auf einer wahrlich gar nicht so einladenden Partitur. Sehen Sie wirklich schon jemanden zum Violinkonzert von Jean Sibelius tanzen oder hören Sie jemanden es mitsingen, geschweige denn summen? Nein doch.

Vom ersten erklingenden Ton an ist es verstanden: Diese Aufführung wird alles übersteigen, das ist nicht mehr nur die Musik, das ist so viel mehr. Pinchuk leistet mit dieser Interpretation eine Leistung, die viele Top-Geiger in die Ecke drängt. Er färbt das Werk sehr reich ein, legt perfekt ausbalancierte Atemzüge – atmen, woher nimmt dieser sehr zierlich gebaute junge Mann nur all diese Luft? – baut auf, legt ab und sorgt für Gänsehaut. Ja, es darf gesagt und geschrieben werden: „Ich war dabei". Ein historischer musikalischer Moment? Sicher und diese These ist in keiner Weise übertrieben.

Die Bravo-Rufe und die stehenden Ovationen fehlten nicht. Dirigent Gabriel Hollander und die Organisation Eté Mosan trafen die allerbeste denkbare Wahl mit der Programmierung dieses jungen Russen, der auf seine Weise die Welt musikalisch erobern wird. Das darf, o ja, das darf.

Das Orchester Etesiane vergessen wir nicht bei dieser Gelegenheit. Es spielte wie die besseren professionellen Kammerorchester, teilweise 'mitgerissen' in die leitende breite Musikalität des jungen Solisten. Die Kirche wurde mit einer Fülle von Klang erfüllt, die sich in die Ohren aller Zuhörer prägte und von dort nie mehr verschwinden wird. Bereits bei der vorangegangenen Generalprobe hörten wir, was das Publikum geboten bekommen würde. Neben Sibelius war das eine warme Aufführung, in einem breit genommenen Tempo, gesangreich, voller Dramatik und großartiger Klang von Beethovens Ouvertüre Egmont, gefolgt von der herrlichen italienischen Symphonie Nr. 4 von Felix Mendelssohn. Hollander zog mit seinem Orchester einen großen gebundenen Bogen über dieses Werk, das das Publikum bereits seit fast 200 Jahren immer wieder fesselt und erfreut.

Am Rande dieses Konzerts erfuhren wir, dass der junge Solist am Tag vor dem Konzert durch allerlei Reiseeventualitäten mit Verspätungen, andere Flüge viele lange Stunden unterwegs war und dass die Fluggesellschaft sein Gepäck verlor. So verpasste er die erste Probe mit dem Orchester, was zur Folge hatte, dass nur eine Probe, nämlich die Generalprobe in der Kirche selbst, stattfand. Erwähnenswert ist sicherlich, dass er einstimmig ausgewählt wurde, noch bevor die Ergebnisse des Saxophonwettbewerbs bekannt gegeben wurden, um für Eté Mosan der ausgewählte Kandidat zu sein, der als Solist eingeladen werden würde. Dass er den ersten Preis gewann, war umso schöner ein Zusatz.

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