Erfurt, die Hauptstadt des deutschen Bundeslandes Thüringen, ist bekannt für seine architektonischen Perlen wie der Domhügel und die Krämerbrücke. Auch Luther ist eng mit dieser Stadt verbunden, da er hier 1505 in das Augustinerkloster eintrat.
Zu dieser Liste können die Besucher des Konzerts am Samstagnachmittag 31. Mai in der Sint-Pauluskerk in Antwerpen noch eine andere Perle hinzufügen: der Philharmonischer Chor Erfurt.
Da es im Theater Erfurt für die Aufführung von Orffs „Carmina Burana" zu wenig Sänger gab, wurde dieser Chor 1994 gegründet. Heute zählt der Chor etwa 70 aktive Sänger. Sein Repertoire aus allen Stilperioden ist breit und variiert von sinfonischer Chormusik und A-cappella-Gesang bis zur Oper. Chormirglieder unterstützen regelmäßig den Opernchar des Theater Erfurt beim Domstufenfestival und bei Produktionen im Theater.
Unter der Leitung von Lukas Tobias Sommer brachte der Philharmonischer Chor Erfurt ein fesselndes A-cappella-Programm mit dem Titel „Nachklang". Man wollte zeigen, wie G.P. da Palestrina, dessen 500. Geburtstag wir dieses Jahr feiern, bis heute Generationen von Komponisten beeinflusst.
Als erstes Stück erklang „Sicut cervus" von Palestrina. Es war sofort ein Volltreffer. In diesem gotischen Raum kam der Hirsch, der nach fließendem Wasser dürstete, wunderbar zur Erquickung. Eindringlich waren auch „Verleih uns Frieden" und „Selig sind die Toten" von Schütz, die als gezügelte, teilweise düstere Bitten erklangen. Wir können nur hoffen, dass diese Melodien über den Kirchenraum hinausgehen und jemals zu den vielen Konfliktgebieten vordringen…
Während der ergreifenden Aufführung von „Song for Athene" von Taverner wurdest du als Hörer bildlich aus dem Sattel gehoben, wie es auch Paulus und Luther einst widerfahren war.
Natürlich wollte dieser Chor an diesem sonnigen Tag auch das Leben bejubeln. Das tat er mit spritzigen Aufführungen von u.a. „Jauchzet dem Herrn" von Mendelssohn.
Als Zugabe erklang „Locus iste" von Bruckner. Eine passendere Orgelpunkt hätte man in diesem ehrfurchtgebietenden gotischen Raum nicht wählen können.
Der Chor sang fließend und auf hohem Niveau. Jede Stimmlage war gut besetzt und kam schön zur Geltung. Du brauchtest keinen Text, denn die Diktion des Chores war verblüffend gut.
Charmant war es, dass ein Chormitglied die Zuhörer auf Niederländisch ansprach.
Bei diesem Konzert hat der Philharmonischer Chor Erfurt seine Visitenkarte abgegeben. Schade, dass die Terrassen mehr Volk anzogen, aber die Zuhörer in der Sint-Pauluskerk gingen mit zusätzlichen Vitaminen für die Seele nach Hause – Sir John Lubbock eingedenk, der sagte: „Wie die Sonne die Blumen färbt, so färbt die Kunst das Leben."