Dies war ein Festival, wie es sich gehört, mit jeweils 2 Pianisten am Klavier. Kurator Frederik Croene schlägt eine Brücke zwischen der Musikakademie de Kunstbrug van Gentbrugge und den Bewohnern von Ledeberg. Es wurde sowohl zeitgenössische Klassik, Improvisation, Free Jazz als auch klassische romantische Musik programmiert.
Die meisten Ausführenden hatten eine Verbindung zur Musikakademie, indem sie dort selbst unterrichteten oder dort Unterricht erhalten hatten. Die professionelle Hauptact wurde jeweils mit einem vielversprechenden Schüler als Vorprogramm eingeleitet. Am Freitag, 3. Oktober, war das erste Konzert dieses Mini-Vierhändig-Festivalwochenendes mit Frederik Croene & Marlies Cornelis.
Vorprogramm
Jordy Rombouts
Als ehemaliger Schüler von Frederik wird er von Improvisation angetrieben und studiert nun Jazz am KASK in Gent. Er eröffnete das Konzert mit einer minimalistischen Improvisation. Jordy begann leise mit 2 Noten, die sich repetitiv zu mehr entwickelten, mündeten in einen lauten Höhepunkt in Oktaven, um dann wieder zur Anfangssphäre abzuklingen. Sehr verdienstlich, wie es einem jungen 17-jährigen Pianisten gelingt, einen schönen Spannungsbogen aufzubauen und solo das Publikum von der ersten bis zur letzten Note zu ergreifen.
Hauptprogramm
Frederik Croene
Coene schloss 1999 sein Studium am Brüsseler Konservatorium ab und entwickelte seitdem einen eigenwilligen Stil als Pianist und Komponist. Ausgehend von seinen Wurzeln in der Virtuosität des 19. Jahrhunderts sucht er ständig nach neuen Ausdrucksformen und kombiniert diese manchmal mit Multimedia.
Marlies Cornelis
Marlies schloss 2022 ihr Studium am Konservatorium von Gent ab. Diese junge vielversprechende Pianistin spezialisiert sich besonders auf zeitgenössische Musik. Die Verbindung zwischen Ausführendem und Komponist ist für sie ein wichtiger Aspekt, ebenso wie die Rolle von Geschlecht, Sexualität und intergenerationaler Dialog in der Musik.
Frederik Croene und Marlies Cornelis brachten 2 Kompositionen, die noch im Entstehen sind: die Struktur und das Material sind bereits größtenteils festgelegt. Innerhalb dieses Rahmens werden die musikalischen Elemente improvisiert. Das ideale Rezept und der Halt für eine gelungene Improvisation mit immer wieder überraschenden Wendungen.
Frederik will noch weitergehen: alles sorgfältig notieren, so dass die scheinbar improvisierte Musik völlig in der Partitur festgehalten wird, eine Mönchsarbeit! Marlies begann aufstehend: sie ließ durch einen Vibrator die unteren Basssaiten im Klavier einen tiefen Brummton mit vollen Obertönen erzeugen. Frederik zupfte einige Noten auf diesem Bordun und entwickelte sie so zu einer spannenden Geschichte. Irgendwann kam Marlies hinter Frederik zu stehen und spielte abwechselnd in der höchsten und niedrigsten Lage des Klaviers: eine ganz originelle und einfallsreiche quatre-mains-Technik.
Im zweiten Stück saßen sie ordnungsgemäß nebeneinander, wie es sich traditionell gehört. Die Bassnoten waren diesmal mit einer Art Knetmasse abgedeckt, also präpariert, was zu einem besonderen hohlen, fast perkussiven Klang führte, aber noch tonale erkennbar blieb. Das Merkmal von Frederik, sowohl bei Improvisationen als auch in seinen Kompositionen, ist die Beethovensche thematische Durcharbeitung: ein Motiv oder eine Idee wird konsequent fortgesetzt, alle Möglichkeiten werden ausgeschöpft und durchgearbeitet, und er geht erst dann zu einem neuen Element über, wenn das Material „aufgebraucht" ist. So hören wir einen fundierten Spannungsbogen, in dem der Hörer Motive weiterhin erkennt, aber jeweils in einen anderen Kontext eintaucht. Am Ende war ein schönes Bassmotiv zu hören, fast filmisch repetitiv, worauf improvisiert wurde.
Dieses Duo spürt sich gegenseitig besonders gut und verschmelzen zusammen in einen fesselnden Dialog. Das Publikum war von Anfang bis Ende aufmerksam und völlig in ihrer Geschichte mitgenommen. Nur schade, dass es draußen hin und wieder Lärm von Jugendlichen aus einem lokalen Jugendhaus gab, die überhaupt nicht merkten, dass ein Konzert im Gange war, obwohl das ja ein wenig das Konzept war, um es gerade dort in Ledeberg zu programmieren: Menschen zu erreichen, die normalerweise nicht in die besseren Konzertsäle gehen. Sie durften auch einmal einen gelungenen Musikabend kosten.
Am 18. Oktober gibt Marlies Cornelis ein Solokonzert im Stuk in Leuven. Am 29. Januar gibt Frederik Croene ein Solokonzert in de Bijloke.