Auf Impuls und Inspiration von Herman Van Hove, einem kunstliebenden Mann, Vermittler und Mäzen für junges Talent, bietet das Fakkeltheater monatlich Belcanto & Bella Musica. Ein leichtfüßiges Sonntagsaperitif aus Oper, Operette, Songbuch und Musical mit klangvollen Namen. Bereits am Start waren Jan Caeyers und Piet Kuijken.
Im Dezember tritt Sylvia Broeckaert auf, und 2020 Annick Segal, Roel und Veerle Dieltiens, Katrien Gallez zusammen mit Dick Vandaele und im Mai das Trio Hans Peter Janssens, Lies Vandewege und Lissa Meyvis.
Pianovirtuous Lester Van Loock
Sonntag war die Bühne für Lester Van Loock reserviert. Du bist Künstler oder nicht… Er hat sich einen künstlerischen Look zugelegt mit langen lockigen Haaren und einem Salvator Dali Schnurrbart. Aber das ist reine Fassade. Lester Van Loock ist ein Künstler von Grund auf und ein begnadeter Pianist, der inzwischen mit einem mannshohen Vitrinenschrank mit nationalen und internationalen Preisen aufwarten kann. Und er arbeitet weiter an seinen Fähigkeiten… 2015 wurde er an der Scuola di Musica te Fiesole aufgenommen, wo er sein Studium bei Elisso Virsaladze fortsetzt.
Feuerwerk
Lester Van Loock nimmt das Publikum zwei Stunden lang in sein musikalisches Universum mit, ohne eine einzige Partitur vor sich zu haben.
Er eröffnet mit „Chaconne aus Partita Nr. 2 für Violinsolo BWV 1004" von Johann Sebastian Bach. Ein wunderbares Werk, das er für seine verstorbene Frau schrieb, in einer Bearbeitung für Klavier von Ferruccio Busoni. Eine beeindruckende Transkription im Hinblick auf die Klangmöglichkeiten des Klaviers.
Im Barock war die Chaconne zu einem eigenständigen Genre herangewachsen. Bach erweiterte das Genre in allen Bereichen und führte es zu seinem Höhepunkt. Lester Van Loock ist ein Interpret, der jede Note erlebt und dir Gänsehaut verursacht. Alle Phasen der Trauer werden durchlaufen. Es gibt die Ungläubigkeit: passiert mir das? Ergebung, Widerstand, Akzeptanz. Allmählich öffnet sich das Leben doch neuen Perspektiven. Van Loock nimmt das Publikum mit in den Strudel von Trauer, Verwirrung und Widerstandskraft. Er wagt es, die Vibrationen resonieren zu lassen. Die Stille wirken zu lassen und dann die Geschichte fortzusetzen und baut so zu einem Höhepunkt auf.
Anschließend Sonate Nr. 28 in A, Opus 101 von Ludwig van Beethoven
Diese Sonate, eine Komposition von etwa 20 Minuten, ist eines der ersten Werke, das Beethoven in völliger Taubheit schrieb. Seine Musik schlug eine neue Richtung ein, klang intimer und sogar introspektiv. Er schrieb sie 1816 und sie war der Baronesse und Pianistin Dorothea Hermann gewidmet. Der Anfang ist sehr abstrakt und zurückhaltend. Lester lässt die Musik sehen und fühlen. Die Emotion ist auf seinem Gesicht zu lesen, und der Ausdruck erhält eine Resonanz durch seine Finger.
Lisztomania
Das Programm nach der Pause ist ganz den Klavierwerken von Franz Liszt gewidmet, seinem Kerngeschäft, das sein vielseitiges Genie zur Schau stellt. Beginnend mit „Rapsodie Nr. 13". Diese Komposition erfordert fantastische Technik, zahlreiche Nuancen und Genauigkeit. Für Lester Van Loock kein Problem. Dann folgt „Les adieux, rêverie sur un mot: Roméo et Juliette de l'opéra de Charles Gounod". Eine Fantasie und Variationen über Themen aus der berühmten Oper. Impressionismus am Klavier. Auch in diesem Werk tritt die Genialität von Liszt in den Vordergrund. Genauso wie das brillante und emotional geschichtete Spiel von Lester Van Loock: verfeinert, zart, leichtfüßig, großzügig und warm. Romantik in seiner reinsten Form. Zum Abschluss die „Ungarische Rhapsodie Nr. 2", die zweite in einer Reihe von neunzehn und bei weitem die bekannteste in einer Abfolge majestätischer Passages. Ein glanzvolles Kunststück. Lester Van Loock lässt Noten und Atmosphären verklingen und baut sie dann in einer mitreißenden Kadenz wieder auf. Ein Klavierspiel voller großartiger Stürme und leichter Brisen. Liszt war von Zigeunermusik fasziniert und wurde von der Hingabe und Ekstase inspiriert, die diese ansteckende Musik in sich trug. Vielleicht fließt auch durch Lester Van Loocks Adern ein Schuss Zigeunerblut. Sein Spiel ist in jedem Fall überwältigend.
Was gibt es Schöneres, als sich von einem Performer in seine Geschichte hineinziehen zu lassen, und das gelingt Maestro Van Loock mit seiner gewaltigen Technik und seinem Einfühlungsvermögen perfekt – ein Meister der Tasten par excellence.
- WER: Lester Van Loock
- WAS: J.S. Bach, Ferrucio Busoni, Ludwig Van Beethoven, Charles Gounod, Franz Liszt
- WO & WANN: Sonntag 10. November 2019, Fakkeltheater
- FOTO: © Hugo Van Beveren