"Wenn ich arbeite, wird Gott mich ehren, aber wenn ich singe, liebt er mich." (Tagore)
Die Kathedrale von Portsmouth hat ein blühendes und vielfältiges Musikprogramm. Der Knabenchor des Portsmouth Cathedral Choir besteht aus 24 Knabenstimmen und 12 erwachsenen Männerstimmen. Die Chormitglieder üben an Wochentagen um 8.00 Uhr vor einem normalen Schultag, wobei sie die Musik für die Gottesdienste dieser Woche einstudieren. Darüber hinaus gibt es auch einen Mädchen- und einen Erwachsenenchor. Sie teilen untereinander die verschiedenen musikalischen Aufgaben in der Kathedrale und in der Diözese auf.
Der Chor hat bereits mehrere erfolgreiche Tourneen durch Belgien, Deutschland, Estland, Frankreich, die Niederlande und Schweden unternommen. In der Heimat, im Vereinigten Königreich, haben sie in der St. Paul's Cathedral und der Westminster Abbey in London sowie in der Privatkapelle der Königin in St. George's in Windsor Castle gesungen.
Da Portsmouth eine der drei Marinestützpunkte des Vereinigten Königreichs ist, ist es nicht verwunderlich, dass dieser Chor auch enge Bindungen zur Royal Navy unterhält und an einer Reihe von Gottesdiensten für sie teilnimmt. Highlights sind unter anderem der jährliche Royal Marines Band Service und der Weihnachtsliedergottesdienst des Second Sea Lord auf der HMS Victory.
Mit Antwerpen hat der Portsmouth Cathedral Choir bereits seit Jahrzehnten eine besondere Verbindung aufgebaut. Am Samstag, 24. Mai war der Chor im Rahmen der "Walburgis Proms" zum dritten Mal zu Gast in der Sint-Walburgiskerk in Antwerpen.
Der Chor brachte unter der Leitung von Dr David Price das Programm "Cathedral Echoes", wobei er die Zuhörer auf eine erstaunliche Reise durch die faszinierende Welt der großartigen Kathedralen Englands mitnahm. Mühelos wechselte der Chor von Polyphonie über Barock zu romantischem und zeitgenössischem Repertoire. Sie sangen mal innige, mal himmelstürmende Werke, die die reiche Geschichte und Größe dieser heiligen Orte auf unvergleichliche Weise widerspiegelten. Mit dem einzigartigen Klang, der einem Knabenchor so eigen ist, erfüllten die himmlischen Stimmen das faszinierende Art-Deco-Kirchengebäude.
Der Ton wurde sofort mit "Haec dies" von Byrd gesetzt: es sollte ein festlicher Abend werden. Das "Ave Maria" von Parsons, ein Klassiker der englischen Chorliteratur, sorgte für einen ersten Gänsehautmoment. "Crux fidelis" von Sarah MacDonald war auf den ersten Blick vielleicht eine eigenartige Wahl, aber dieses zeitgenössische Werk passte perfekt in die Reihe mächtiger Kompositionen und ließ einen nach mehr verlangen.
Es wurden mehrere Stücke mit Solostimmen aufgeführt. Diese wurden von Chormitgliedern auf höchstem Niveau interpretiert. Erstaunt haben wir dem Knabensolo in "How beautiful are the feet" aus Händels "Messiah" gelauscht, um danach von zwei Knabenstimmen in "Hear My Prayer" von Mendelssohn aus den Socken gehauen zu werden. Das Baritonsolo in "Rise, heart, thy Lord is risen" aus den "Five Mystical Songs" von Vaughan Williams griff unmittelbar zu Herzen. Natürlich dürfen wir auch die gelungenen Leistungen in "Consider all, ye passers by" von Amner und "Thy word is a lantern" von Purcell nicht unerwähnt lassen.
Das Konzert bestand aus drei Teilen, in denen Chorwerke aus einer bestimmten Periode zu Gehör gebracht wurden. Dazwischen erklangen jeweils Orgelwerke. Mit Amy Beach und Philip Moore wurden keine ausgetretenen Pfade gewandelt, sondern wir lernten dank Organist Sachin Gunga neue Werke kennen.
Zum Abschluss noch ein Lob für das begleitende Programmheft, in dem jedes Chorwerk kurz eingeordnet wurde, so dass man noch mehr von jedem Juwel genießen konnte.
Nach den Klängen von Händels "Hallelujah", bei dem das Publikum mitsingen durfte, konnten wir auf einen herzerwärmenden Abend zurückblicken. In diesen unsicheren Zeiten – O for the wings, for the wings of a dove! – durften wir einen Hauch einer anderen, besseren Welt erhaschen…