Die European Concert Hall Organisation (ECHO) kürte das Quatuor Agate zum ECHO Rising star für die Konzertsaisons 2024 und 2025. Diese vier energiegeladenen jungen Musiker aus Frankreich, die zusammen in Berlin studierten, gründeten ihr Ensemble 2016 auf Initiative einer Einladung zu einem Konzert auf Korsika, das jedoch nie stattfand.
Dennoch dürfen wir diesem Scheinkonzert dankbar sein. Viele Preise und Jahre später, am 23. Februar 2024, veröffentlichten sie ihr Debütalbum auf "Appassionata, le label": eine Kompilation der drei wunderschönen Streichquartette von Johannes Brahms. Die Verbindung zu Brahms liegt nahe. Agathe von Siebold war eine Vertraute von Brahms, dem er sein zweites Streichsextett indirekt widmete. Daher der Name.
Beim Neujahrskonzert von HOGENT am 16. Januar brachten sie jedoch ein ganz anderes Repertoire. Sie eröffneten mit dem ersten Streichquartett „Métamorphoses Nocturnes" des ungarischen Komponisten György Ligeti. In diesem siebzehnteiligen Werk baut Ligeti auf den Ideen dieses anderen berühmten Ungarn auf, den er so bewunderte: Béla Bartók. Ein weiterer bekannter Ungar, György Kurtág, nannte es sogar Bartóks siebtes Streichquartett. Nun ja, entscheiden Sie selbst; dieses Werk ist meisterhaft geschrieben. Ligeti baut auf Ideen aus seiner „Musica ricercata" für Klavier solo auf und folgt auch hier einem vorgegebenen Plan mit einem aufbauenden Element. In der „Musica ricercata" sind es die 12 Töne, aber in „Métamorphoses Nocturnes" sind es die Intervalle, die für den Aufbau sorgen, deren Behandlung ist jedoch weniger streng. Das Quatuor Agate bot eine wunderbare Version dieses Werkes, in der Ligetis Ideen überzeugend zur Geltung kommen. Ein technisches Husarenstück. Nach viel Gewalt, starken Kontrasten, Bartók-Pizzicatos, wie Sie es nennen mögen, erhalten wir einen Schlussatz Ad libitum, senza misura mit pfeifenden Glissandi, wobei jedes der vier Mitglieder abwechselnd die Melodie weitergibt. Der magische Abschluss dieser meisterhaften Komposition wurde hier wunderbar interpretiert.
Das zweite Stück des Abends war „The Last Flight" der ukrainischen und in Deutschland ansässigen Komponistin Anna Korsun. Das Werk wurde im Rahmen von ECHO komponiert, die erste Korrespondenz zwischen Korsun und dem Quartett datiert aus 2022. Von Anfang an war die Rede von einem Auftrag für ein Stück über den italienischen Komponisten Carlo Gesualdo des 16. Jahrhunderts. Ein Stück, das die dunkle Geschichte erzählen sollte, die eines Komponisten und Mörders, aber aus der Perspektive seiner Opfer. Diese Szenenbeschreibung aus den Programmnotizen beschreibt perfekt die Essenz und die Atmosphäre, die beim Konzert geschaffen wurde: „A feudal dungeon perched on the hills of Gesualdo, low and vague sounds that seem to emanate from the entire castle, the muted notes of discordant music, and from outside, the whistling of a steady, cold, and indifferent wind." So Korsun.
Als Finale brachte Quatuor Agate eine großartige Version des Streichquartetts F-Dur, mit dem der junge Maurice Ravel zu Beginn des letzten Jahrhunderts durchbrach. Dieses Werk, das von Debussy gelobt wurde, dessen Streichquartett auch als Modell diente, ist inzwischen ein echter Klassiker im Kammermusik-Repertoire. Die Lyrik im ersten Satz, die rhythmische Zügellosigkeit im Scherzo, die Zurückhaltung und Mystik des dritten Satzes gefolgt vom funkelnden Finale im Fünfachteltakt – was für ein mächtiges Werk ist es doch. Die vier Franzosen wissen mit dem Meisterwerk ihres Landsmannes Bescheid und auch hier wurde das Publikum mit einer Weltklasse-Aufführung verwöhnt. Wie bringt man das Jahr mit Stil ein? Nun ja, so also.
Möchtest du das Quatuor Agate selbst bei der Arbeit sehen? Derzeit sind sie noch auf Europareise. Am 22. Januar kannst du ihr Konzert in der Concertgebouw Amsterdam besuchen und am 12. März in der Opéra von Lille.