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Schubert: Winterreise - Andrè Schuen & Daniel Heide

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Schubert: Winterreise - Andrè Schuen & Daniel Heide
© Deutsche Grammophon 4861288

Es wird – zumindest diskografisch – im Winter einiges umhergereist. Es ist bereits eine neue Winterreise erschienen und zehn gegen eins, dass es nicht die letzte sein wird. Diesmal sind es der Bariton Andrè Schuen und der Pianist Daniel Heide, das Lied-Duo, das sich bereits zuvor sehr verdient um ihre Interpretation der schönen Müllerstochter gemacht hat (hier besprochen). Mein Fazit war damals, dass es sich um eine besonders schöne, idiomatische Interpretation eines großen Sängers handelt, der zudem den Vorteil genießt, mit einem Pianisten zusammenzuarbeiten, mit dem er schon lange zusammenarbeitet, der ihn genau, wenn nicht intuitiv versteht und durch seinen geistigen Anteil ein würdiger Partner für Schuens mit viel Ausdauer geladene Gesangskunst bewiesen hat. Dass es kurz gesagt auf musikalische Synergie in optimaler Form hinauslief.

Das ist – wie auch Anlegen übrigens – natürlich keine Garantie für die Zukunft, aber glücklicherweise haben wir hier erneut mit einer rundweg formidablen Lesart zu tun, in der sich die tief gestaffelte Ausdruckskraft dieser schauderregenden Lieder optimal entfaltet. Die Schlüsselwörter sind erneut Textverständnis und musikalische Vorstellung, was zu großartigen Ergebnissen führt. Kurz gesagt, dies ist Liedkunst von sehr hohem Kaliber und damit ist das Wichtigste gesagt.

In diesem Album kommen zwei Musiker zu Wort, die wirklich erzählend interpretieren können, nicht auf kalkulierende Effekte aus sind, sondern sich den passenden und dadurch überwältigenden Affekt zu eigen gemacht haben, der den Zuhörer sozusagen an seinem Stuhl festnagelt. Das psychologische Drama entfaltet sich so auf unmittelbar ansprechende Weise, erfüllt von zunehmender Entfremdung (Der Wegweiser), der Protagonist sich in einer Landschaft bewegend, die keine Gnade kennt. Das Schlusslied, Der Leiermann, versinkt in schauderregender Stille.

Die schöne Aufnahme wurde bereits im Dezember 2019 in Hohenhems gemacht, dem Schubert-Mekka. Warum dieses Album erst jetzt veröffentlicht wurde, ist mir ein Rätsel. Die Wege von Plattenlabels sind manchmal unerforschlich...

Tags cd
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