Weihnachtskonzerte gibt es in dieser Zeit reichlich und in großer Vielfalt. Wir ließen uns von der vielversprechenden Pressemitteilung des Heister Konzertvereins 'Sinfonia Heist' verlocken. Es waren keine leeren Worte. Die Versprechungen wurden mehr als erfüllt. Das Ganze fließt nahtlos ineinander über, stilvoll und verfeinert.
Treuer Partner ist das Diamond Symphonic. Diese Bezeichnung verweist auf die reiche Diamantvergangenheit von Heist-op-den-Berg. Aus diesem symphonischen Orchester entstand auch das Diamond Chamber Orchestra. Ein breiter Kern des früheren 'Golden Symphonic Orchestra', des Orchesters, das gegründet wurde und für die Begleitung von 'Helmut Lotti goes Classic' zeichnete. Eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Von 1995 bis 2005 dirigierte André Walschaerts auf drei Kontinenten: praktisch in allen europäischen Ländern, Südafrika, den USA und Kanada. Ein Mann also von vielen Talenten.
Die Welt stöhnt, knarrt, quietscht, knistert in einem vielstimmigen Chor. Musik füllt Kirchen noch immer als verbindender Faktor zwischen Menschen. Musik als Ausdruck von Harmonie, nach der wir in diesen beunruhigenden Zeiten alle suchen. Das Programm enthält nicht nur Traditionals, sondern es wurde auch Mühe darauf verwendet, das Publikum mit anderen Kleinoden aus dem Weltrepertoire bekannt zu machen. Schön und erfreulich ist zu erwähnen, dass viele weibliche Instrumentalistinnen wunderbare Solopartien erhalten und dann ist da natürlich auch noch Sopranistin Anneke Luyten. Sie kann bereits viele Adelsbriefe vorweisen. Als junge ehrgeizige Sängerin nahm sie 2011 am Königin-Elisabeth-Wettbewerb teil, bei dem sie das Halbfinale erreichte. Sie verkörperte verschiedene Opernfiguren in Opernhäusern. Auch der Königliche Palast hat sich bereits ihrer Dienste für das jährliche Weihnachtskonzert bedient.
Als Eröffnung das 'Konzert für 2 Flöten, allegro molto und Largo-Allegro' von A. Vivaldi. Dieses Werk gehört zu Vivaldis feinstem und virtuosestem Werk für Querflöte: Kristel Schellens und Ilse Van Den Meuter geben in dieser spritzigen und funkelnden Komposition das Beste von sich. André Walschaert dirigiert das Ganze rhythmisch, leicht und energisch. Der Chor Famos schließt sich an mit drei traditionellen Weihnachtsliedern: 'Hoor in stille dalen' eine französische Tradition, 'Hoe Leit dit kindeke' ein altes niederländisches Lied und von J.S. Bach 'O Kind van het Licht' .
Das Programm ist schön aufgebaut mit wiederum einem Instrumentalstück 'Largo aus dem Konzert für 2 Violinen' von J.S. Bach. Bach komponierte dieses Konzert als Teil einer Konzertreihe, die er als Direktor des Collegium Musicum Leipzig leitete. Die samtweiches Violinklänge unter anderem von Danielle Solignac wecken eine gewisse Melancholie auf und nesteln sich wie Balsam um das Herz.
Sopranistin Anneke Luyten fährt fort mit 'Maria's Kind'. Ich finde es etwas eine verpasste Gelegenheit, dass der Chor nicht eingesetzt wurde, um jedes Mal den Refrain mitzusingen. Das wäre eine Bereicherung gewesen. Das Publikum lauschte atemlos beim 'Ave Maria', eine wunderbare Fassung des italienischen Komponisten, Sängers und Instrumentalisten aus dem 16. Jahrhundert G. Caccini. Ein Lied, in dem sie ihre technischen Fertigkeiten vollends demonstrieren kann in den vielen Klanggirlanden.
Im Anschluss ein Instrumentalstück komponiert von A. Vivaldi: 'Allegro aus dem Konzert für Piccoloflöte'. Liane Lazeroms bezaubert das Publikum mit einer Klangfülle aus diesem winzigen Musikinstrument, es ist wie ein Vögelchen, das sein höchstes Lied zwitschert. Dann ist wieder der Chor an der Reihe mit zwei französischsprachigen und zwei angelsächsischen Weihnachtsliedern, eingebettet in schöne Arrangements. Es wird mit viel Nuance gesungen, nur schade, dass nicht mehr Mehrstimmigkeit in die Lieder gelegt wurde.
Eine andere Dame aus dem Diamond Chamber Orchestra, Katelijne Vanderhoeft, kann ihr Talent demonstrieren im 'Adagio aus dem Klarinettenquintett'', ein Standardwerk für Klarinettisten des deutschen Komponisten H.J. Baermann. Sie tut dies glänzend. Danach folgen wieder einige Weihnachtslieder, verspielter und neueren Datums 'Fum, Fum, Fum', ein Weihnachtslied aus Katalonien, das Negospiritual 'Go tell it the Mountains' und 'Felice Navidad' von J. Feliciano, das mit Unterstützung des Kontrabasses eine jazzig Ausführung erhielt.
Anneke Luyten fordert erneut volle Aufmerksamkeit mit zwei Liedern 'Minuit Chrétien' und einer sparsameren und neueren Fassung des 'Ave Maria'', aus der Feder von R. Stolz. Abgeschlossen wird durch den Chor mit 'Let it snow', 'Jingle-Bell Rock' und der Tradition 'We wish you a Merry Christmas'.
Ein Weihnachtskonzert ruhig und doch voller Freude über die Geburt eines Kindes, aber vor allem stilvoll über die ganze Linie. Ein dankbares Publikum würdigte dieses Weihnachtskonzert von Sinfonia Heist mit stehenden Ovationen.