Die Thracian Awards sind eine neue Initiative der weltberühmten bulgarischen Sopranistin Sonya Yoncheva. Die erste Verleihung fand während eines Galakozerts im Römischen Theater der bulgarischen Stadt Plovdiv am 23. Juni statt. Die Preisträger traten mit dem Orchester der Staatsoper Plovdiv auf. Dieses Galakozert markierte gleichzeitig den Beginn der Operasaison Opera Open der Staatsoper Plovdiv in diesem beeindruckenden Römischen Halbrund aus dem ersten Jahrhundert. Dies wird eine jährliche Tradition werden, die Verleihung der Thracian Awards im Römischen Theater von Plovdiv.
Orpheus
Thrakien, das heutige Südbulgarien, hatte in der Antike eine ebenso reiche Geschichte wie das alte Ägypten, Griechenland oder das Römische Reich. Die griechische mythische Figur Orpheus, Musiker, Dichter und Prophet, stammt aus den Rhodopen, der thrakischen Bergkette, die Bulgarien von Griechenland trennt. Der mythische Orpheus steht für musikalische Exzellenz. Mit Orpheus als Ideal möchte diese Initiative sowohl junge als auch erfahrene Musiker und Künstler ehren. Nicht nur Bulgaren, sondern auch viele andere.
Sonya Yoncheva möchte mit ihrer Initiative auch die Stadt Plovdiv und die Region Thrakien auf die europäische Kulturkarte setzen. Plovdiv ist die älteste ständig bewohnte Stadt Europas. Sechstausend Jahre alt, im Jahr 100 n.Chr. hatte die griechisch-römische Stadt Philippopolis – das heutige Plovdiv – 100.000 Einwohner. Das Theater aus dem ersten Jahrhundert bietet Platz für 3000 Zuhörer und ist ein majestätischer Zeuge dafür und wird jeden Sommer für verschiedene Konzerte genutzt, von Oper bis Jazz oder Rock.
Sechs Thracian Awards für Sänger und Musiker
Insgesamt wurden elf Thracian Awards verliehen, vergoldete Statuen des mythischen Orpheus. Zuerst kommen die jungen Talente an die Reihe: die georgische Mezzosopranistin Ekaterina Buachidze (Award für Debüt), der bulgarische Pianist Emanuil Ivanov (Award für junge Musiker) und Primaballerina Marta Petkova (Award Ballettkünstler). Der polnische Countertenor Jacub Józef Orliński erhält seinen Thracian Award als Sänger des Jahres. Er fesselt das Publikum mit seiner hohen Stimme, seiner Präsenz und seinem Charisma.
Die bulgarische Sopranistin Gabriela Georgieva ist eine der führenden Operastimmen in Bulgarien. Sie erhält den Award als Sängerin des Jahres. Es gibt auch einen Lifetime Achievement Award, der an die 85-jährige Anna Tomova-Sintova geht, eine lebende Legende in der Opernwelt. Diese bulgarische Sopranistin stand mit den größten Dirigenten auf der Bühne. Auf dem Bildschirm werden historische Aufnahmen gezeigt, in denen Herbert von Karajan oder Zubin Mehta ihr Lob aussprechen.
Vier Awards für Komposition, Regie, Opernprojekt und bestes Opernhaus
Zwischen den Solisten gibt es auch einige Orchesterwerke mit verschiedenen Chören: den stimmenlosen Chor aus Madama Butterfly von Puccini und das wohlbekannte „Va pensiero" aus Nabucco von Verdi. Chöre aus Plovdiv stehen auf der Bühne: der Plovdiv Boys' Choir und der Kinderchor „Detska Kitka".
Es gibt auch einen Thracian Award für Composer of the Year, der an die Bulgarin Dobrinka Tabakova geht. 1980 in Plovdiv geboren, zog sie als Teenager nach London und ist heute eine gefeierte Komponistin in Großbritannien und darüber hinaus. Diesen Jahres gewann sie den prestigeträchtigen BBC Music Magazine 2026 Award. Das Galakozert eröffnete übrigens mit ihrem Werk Orpheus' Comet, eine Paraphrase auf die Ouvertüre von Monteverdis Orfeo.
Darüber hinaus gibt es noch den Thracian Award für Regisseur des Jahres. Dieser geht an die Bulgarin Vera Nemirova, die hauptsächlich in Deutschland tätig ist, wo sie sich mit Don Carlos in Dresden oder Wagners Ring in Frankfurt einen Namen machte. Dann gibt es den Award für die Opernproduktion des Jahres für das Wagner Festival der Opera Ballet Sofia mit ihrem Gründer Plamen Kartalof. Der Thracian Award für bestes Opernhaus geht an die Bayerische Staatsoper, eines der berühmtesten Opernhäuser weltweit, mit 600.000 Besuchern und 400 Veranstaltungen pro Jahr. Neben Dirigent Vladimir Jurowski wird die Bayerische Oper übrigens von einem Belgier geleitet, Generalintendant Serge Dorny.
Sonya Yoncheva
Nach diesen zehn Thracian Awards bleibt noch einer übrig. Das ist ein Schlusspunkt. Der Award für den Solisten des Jahres geht an den venezolanischen Trompeter Pacho Flores. Der Mann macht eine schwindelerregende internationale Karriere und spielt auch schwindelerregend virtuos Trompete im Concierto de Otoño von Arturo Márquez.
Sonya Yoncheva, Initiatorin der Thracian Awards, sang heute Abend natürlich auch selbst. Sie sagt selbst, dass es eine ihrer geliebten Arien ist: das Lied an den Mond aus Rusalka von Antonín Dvořák. Der Halbmond hing auch sichtbar über den Rhodopen, wo das Publikum in südlicher Richtung hinausblickt. Als Zugabe singt sie zusammen mit dem Countertenor Orliński ein Duett aus Monteverdis L'incoronazione di Poppea.
Es war ein unvergesslicher Abend in der magischen Kulisse dieses Römischen Theaters. Die Arena von Verona ist allgemein bekannt für ihre Opernaufführungen. Aber dieses Theater in Plovdiv hat eine intimere Atmosphäre. Im Gegensatz zur gigantischen Arena di Verona wurde es für Theater und Musik erbaut. Der Countertenor Jacub Orliński sagte es treffend: „After singing in Verona I feel coming home here in this Ancient Theater in Plovdiv". Für viele Flamen bleibt es eine entfernte Ecke Europas, aber die Stadt und Region sind definitiv einen Besuch wert.