Von Anaïs Behaeghel
Im vorherigen Artikel aus dieser Serie wurde subjektiver Tinnitus besprochen. Dies ist die häufigste Form von Tinnitus, aber daneben gibt es noch eine andere Form: objektiver Tinnitus. Objektiver Tinnitus wird auch oft „Somatoklänge" genannt und ist manchmal während einer klinischen Untersuchung durch Außenstehende hörbar, im Gegensatz zu subjektivem Tinnitus, der nur für den Patienten selbst hörbar ist.
Diese Somatoklänge können aus verschiedenen Strukturen in der Kopf-Hals-Region stammen, zum Beispiel durch Muskeln (myoklonischer Tinnitus), Blutfluss in Blutgefäßen (vaskulärer Tinnitus) oder ein Problem mit der Eustachischen Röhre (auch patulous Eustachian tube genannt).1 Objektiver Tinnitus wird oft durch einen pulsierenden und niedrigfrequenten Tinnitusklang gekennzeichnet. Die Arten von objektivem Tinnitus können in verschiedene Kategorien unterteilt werden, die hier ausführlich besprochen werden.
Myoklonischer Tinnitus
Myoklonischer Tinnitus entsteht durch ein Problem mit verschiedenen Arten von Muskeln, einschließlich der Muskeln des Gaumens im Mund (auch als palataler myoklonischer Tinnitus bezeichnet) und Muskeln im Mittelohr (auch als myoklonischer Mittellohr-Tinnitus bezeichnet).2
Palataler myoklonischer Tinnitus wird durch ein unregelmäßiges, unterbrochenes Klickgeräusch gekennzeichnet. Dies ist eine seltene Form von myoklonischem Tinnitus, bei dem die Gaumenmuskeln im Mund unwillkürlich oder willkürlich zusammenziehen. Eine erste Form des palatalen myoklonischen Tinnitus ist eine symptomatische Form, die unter anderem durch ein Problem mit der Blutversorgung in der Region der Gaumenmuskeln verursacht werden kann. Eine zweite Form, die essentielle Form, ist häufiger anzutreffen, und hierbei werden keine zugrunde liegenden Erkrankungen festgestellt, kann aber durch eine verminderte Funktion einer bestimmten Struktur in der Region der Gaumenmuskeln verursacht werden. Die Diagnosestellung erfolgt oft durch endoskopische Untersuchung der Gaumenmuskeln, Elektromyographie (eine Untersuchung der Muskelaktivität), Bildgebung und neurologische Untersuchung.3
Myoklonischer Mittellohr-Tinnitus wird als ein sanftes Summ- oder Knackgeräusch charakterisiert und ist eher selten. Das Geräusch wird durch eine abnormale Kontraktion des Musculus tensor tympani oder des Musculus stapedius im Mittelohr verursacht, die mit den Gehörknöchelchen verbunden sind und für die Bewegung dieser Knöchelchen und den Schutz vor lauten Geräuschen sorgen. Es können verschiedene Ursachen für diese abnormale Muskelkontraktion zugrunde liegen: Traumata, Angst, vaskuläre Probleme und Infektionen sind hier einige Beispiele. Zur Diagnose dieser Form von Tinnitus können otoendoskopische Untersuchung (eine Beobachtung des Trommelfells mittels Otoskop), Tympanometrie (Messung des Trommelfells), Stapediusreflex-Messung (Test zur Messung der Reaktion des Musculus stapedius im Mittelohr) und möglicherweise eine MRT zur Feststellung von demyelinisierenden Erkrankungen verwendet werden.4
Vaskulärer Tinnitus
Vaskulärer Tinnitus ist die häufigste Form von pulsierendem Tinnitus und besonders wenn dieser Puls mit dem Herzschlag synchron ist. Das Geräusch stammt aus arteriellem oder venösem Blutfluss und wird durch eine Turbulenz im Blutfluss verursacht, die eine Vibration der Gefäßwände hervorrufen kann, die als pulsierender Tinnitus erkannt wird. Dies kann zum Beispiel auch bei Patienten mit Bluthochdruck beobachtet werden. Um die Beschwerden zu diagnostizieren, werden oft Otoskopie und eine vollständige Kopf-Hals-Untersuchung durchgeführt. Auch Audiometrie und Tympanometrie werden durchgeführt und zusätzlich kann ABR, ein objektiver Test des Gehörs und des Hörnervs, durchgeführt werden. Darüber hinaus werden oft auch Blutentnahmen und Bildgebung durchgeführt, um ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Ursache der Tinnitusbeschwerde zu erhalten.5
Patulous Eustachian tube
Patulous Eustachian tube ist eine Erkrankung der Eustachischen Röhre, auch die Verbindung zwischen dem Mittelohr und dem Nasen-Rachen-Raum genannt, gekennzeichnet durch verschiedene Symptome, einschließlich Autophonie (das störende Hören der eigenen Stimme und Atmung), Völlegefühl im Ohr und auch häufig Tinnitus. Diese Art von Tinnitus und somit die zugrunde liegende Ursache kann durch Audiometrie und körperliche klinische Untersuchung festgestellt werden.6
Wiederum ist bei jeder Art von objektivem Tinnitus ein gutes Verständnis der Beschwerden von großer Bedeutung, um zu einer korrekten Diagnose und anschließend auch zur Behandlung zu gelangen. Eine detaillierte Krankengeschichte und die Durchführung der richtigen Untersuchungen sind daher entscheidend, um eine gute Unterscheidung zwischen subjektivem und objektivem Tinnitus zu treffen und den richtigen Subtyp zu bestimmen.
1 Park, S. N. (2016). Objective tinnitus. Hanyang Medical Reviews, 36(2), 99. https://doi.org/10.7599/hmr.2016.36.2.99
2 Park, S. N. (2016). Objective tinnitus. Hanyang Medical Reviews, 36(2), 99. https://doi.org/10.7599/hmr.2016.36.2.99
3 Park, S. N. (2016). Objective tinnitus. Hanyang Medical Reviews, 36(2), 99. https://doi.org/10.7599/hmr.2016.36.2.99
4 Park, S. N. (2016). Objective tinnitus. Hanyang Medical Reviews, 36(2), 99. https://doi.org/10.7599/hmr.2016.36.2.99
5 Park, S. N. (2016). Objective tinnitus. Hanyang Medical Reviews, 36(2), 99. https://doi.org/10.7599/hmr.2016.36.2.99
6 Park, S. N. (2016). Objective tinnitus. Hanyang Medical Reviews, 36(2), 99. https://doi.org/10.7599/hmr.2016.36.2.99