Elegante Jazz-Cover mit klassischer Musik als Standards, das ist das Spezialgebiet von Trio X. 2003 brachten sie ihre erste CD (In dulci jubilo) heraus. Es war ein sofortiger Erfolg. Während ihrer 17 Jahre zusammen sind sie immer auf der Suche nach einer Erneuerung des Repertoires. Auch in ihrem neuesten musikalischen Abenteuer Veni Veni Emmanuel zeigen sie ihre Handschrift; Klavier, Bass und Schlagzeug flirten durch fesselnde Jazz-Improvisationen mit klassischen und traditionellen Liedern.
Trio X Of Sweden
2002 beschlossen Pianist Lennart Simonsson, Kontrabassist Per V Johansson und Schlagzeuger Joakim Ekberg, gemeinsam ein Jazz-Ensemble zu gründen. Sie haben sich zu einer der führenden zeitgenössischen schwedischen Improvisationsgruppen entwickelt. Trio X ist ein musikalisch abenteuerliches Trio, das ständig nach Inspiration in anderen Genres sucht. Die Kombination aus Grenzverschiebung und Brückenbau ist ihre Handschrift. Ihren vielseitigen Charakter zeigen sie sowohl in ihrem Repertoire als auch in ihrer Wahl der Spielorte. Man kann sie auf CD, in Konzertsälen, auf Festivals und in Jazzclubs hören, aber auch im Klassenzimmer und in Pflege- und Wohlfahrtseinrichtungen wissen sie, jung und alt mit ihrer Musik zu begeistern.
Zeitgenössischer Post-Fusion
Zeitgenössischer Post-Fusion oder „Post-Fusion Contemporary" ist ein Oberbegriff für verschiedene Jazz-Trends, die in den 1970er Jahren in Nordeuropa entstanden sind. Die Neuerfindung des modernen Jazz-Pianotrios (von dem Trio X ein Beispiel ist) war eine der charakteristischen Innovationen. Dieses Trio besteht aus einem Pianisten, einem Kontrabassisten und einem Schlagzeuger – der normalerweise mit Bürsten spielt. Der Pianist übernimmt in der Regel die Führung, und das Ensemble ist daher oft nach ihm/ihr benannt.
Trio X gehört zu den Unterkategorien Contemporary. Diese Richtung zeichnet sich durch deutliche Rhythmik und eine Mischung aus typischen Jazz-Harmonien und der traditionellen Harmonik der klassischen Musik aus. Die Verbindung zur klassischen Musik hebt Trio X besonders hervor. Die Jazz-Standards, auf denen sie ihre Improvisationen aufbauen, stammen größtenteils aus dem klassischen Repertoire. Die übrigen Standards auf der CD stammen aus schwedischer und deutscher traditioneller Musik.
Jazz & Klassik: eine flirtendes Verhältnis
Jazz und Klassik sind zwei verschiedene Stile, die unterschiedliche Anforderungen an ihre Ausführenden stellen. Dennoch haben Jazz und klassische Musik, wie der Radiomoderator und Klassik-Experte Fred Brouwers es ausdrückt, „schon immer ein etwas flirtendes Verhältnis gehabt." Das Wort flirten aus diesem Zitat ist eine treffende Beschreibung für diese Trio X-CD. Ihre Jazz-„Cover" klassischer Musik sind elegant und ihre Inspirationsquellen sind vielfältig. Die Melodien stammen aus verschiedenen Ländern und sind aus verschiedenen Jahrhunderten: von einer italienischen Hymne aus dem 18. Jahrhundert bis zu Adople Adams Cantique de Noël (1847) und von Julpolska (1895) der schwedischen Komponistin Johanna Ölander bis zum deutschen Es ist ein Ros entsprungen (14. Jahrhundert).
Nach einer Einleitung setzt Pianist Simonsson jedesmal die Melodie ein. Ein erstes Mal in der Originalform, manchmal noch ein zweites Mal in dieser Form, aber bereichert mit Jazz-Harmonien, und ab dem dritten Mal folgen unterschiedliche improvisierte Transformationen. Mit dieser CD zeigt Trio X eine Vielzahl von Interpretationen von der melancholischen Virtuosität in Veni Veni Emmanuel, bis zum verträumten Stjärngosser und dem heiteren (und fast zum Mitsingen einladenden) Personent Hodie.
Medeltida Mariavisa basiert auf dem Volkslied Det lyser en stjärna, dessen Melodie aus der Pfarrei Urshults in Småland stammt. Im Vergleich zu den anderen Liedern auf dieser CD ist diese Einleitung relativ lang (etwas mehr als eine halbe Minute). Nach der Präsentation des Themas durch das Klavier folgen die Improvisationen. Der Kontrabass verzichtet die erste Improvisation und spielt virtuos pizzicato, dann improvisiert das Klavier mit ungewöhnlichen Rhythmen und Harmonien. Zuletzt tritt auch der Schlagzeuger mit unerwarteten Rhythmen und überraschenden Becken in den Vordergrund. Nach den Improvisationen folgt ein verträumtes Ausklang mit thematischen Anspielungen auf den Standard.
Die Ausnahme von der Regel ist Karl-Bertil Jonssons julafton. Dies ist der einzige Standard, der nicht aus dem klassischen oder traditionellen Repertoire stammt. Er basiert auf dem Soundtrack des Kurzfilms Sagan om Karl-Bertil Jonssons julafton. Jazzpianist Gunnar Svensson komponierte das ursprüngliche Thema für Saxophon, Klavier, Kontrabass und Schlagzeug. Das Thema beginnt von der ersten Note an. Das Saxophon spielt dies hauptsächlich a cappella, während die anderen Instrumente. Die Version von Trio X klingt voller und wärmer als das Original. Sie beginnt mit einer eigenen improvisierten Einleitung, bevor das Klavier die Saxophonmelodie einsetzt. Von Anfang bis Ende sind alle drei Instrumente anwesend. Das Schlagzeug mit Bürsten, das sanft den Beat angibt, der Kontrabass, der harmonische Tiefe gibt und chromatische Läufe zwischen den Variationen spielt, und das Klavier, das die Harmonie ergänzt und die Melodie (be-)spielt.
Das Thema, das all diese Melodien zusammenbringt, ist zwar Weihnachten, aber dies ist keine typische Weihnachtsmusik. Selbst in Liedern wie Personent Hodie und Veni Veni Emmanuel versteht es Trio X, die Atmosphäre vollständig zu transformieren und nach ihrem Willen zu gestalten. Veni Veni wird in einem tiefen und dunklen Register gespielt mit Mollakkorden und Klangeffekten auf dem Becken, was diesem Stück einen mysteriösen und fast melancholischen Charakter verleiht. Aber auch das eher aufgeweckte Tempo von Hodie bringt keine Weihnachtsstimmung mit sich. Die Shuffle-Improvisationen des Klaviers, die Läufe des Kontrabasses, der rhythmische Puls und das Ride-Spiel des Schlagzeugers auf den Becken erwecken den Eindruck einer Jazzbar, in der getanzt wird. Kurz gesagt, Trio X sucht nach dem charakteristischen musikalischen Wert der Standards, losgelöst von ihrem Kontext, um diese neu zu interpretieren und musikalische Grenzen zu verschieben.
Informationen
Wer: Trio X Of Sweden
Was: Veni Veni Emmanuel
Veröffentlichungen: Prophone 10352825
Fotos: © Urban Jörén
Spotify: Album Veni Veni Emmanuel
Bestellen: JPC
