La Petite Bande ist in unserem Land die Referenz für historische Aufführungen unter der Leitung von Sigiswald Kuijken. Als ihm vor mehr als fünfzig Jahren die Aufgabe gestellt wurde, eine Aufnahme von Werken von Lully auf historischen Instrumenten zu machen, kam Gustav Leonhardt mit diesem Orchesternamen auf die Idee, anspielend auf das kleinere Elite-Orchester am Hof von Versailles bei Louis XIV.
Streichquartett
Sigiswald Kuijken wählte am 12. Juli in Ronse eine kleine Kammerbesetzung (Streichquartett), um die Konzerte von Bach für Cembalo und Orchester sowie ein Violinkonzert aufzuführen. Es war zunächst eine Gewöhnung an das etwas magere Volumen, denn man erwartet einen Orchestersound bei einem Konzert, aber das aufmerksame Publikum war mucksmäuschenstill und alles war fehlerlos zu hören.
Solistin Hziu-Tzu Ryan eröffnete das Konzert mit dem Cembalokonzert in f-Moll, eine eher melancholische Tonart, mit einem wunderschönen Mittelsatz. Das Cembalo spielte eine Melodie mit Begleitung der Streicher, zupfend wie auf einer Laute. Danach war der Maestro selbst mit dem Violinkonzert in E-Dur an der Reihe. Dies ist überhaupt keine einfache Tonart für Violine: die vier Kreuze in der Vorzeichnung und zusätzliche Kreuze bei Modulationen, sowie die lästige vierte Lage, um das hohe E spielen zu können.
Von der ersten Note an klang lebendige Musik: Bach eröffnet einfach mit dem Dreiklang von E, ein ansteckendes Thema, das immer wiederkehrt, abgewechselt mit neuen Motiven und Modulationen. Die schwierigen Passagen, besonders in hohen Lagen waren nicht immer fehlerfrei in der Intonation, aber für einen Geiger von 81 Jahren, der bei jeder Note meisterhafte Musik macht, ist dies nur bewunderungswürdig und störte überhaupt nicht. Jede Note wurde geformt und durchdacht und erhielt eine Funktion in der rhetorischen Überzeugungskraft des musikalischen Ganzen. Die kleinen Kadenzen klangen lieblich improvisatorisch, als würden sie an Ort und Stelle erfunden, aber doch von Bach selbst aufgeschrieben.
Chin-off
Sigiswald Kuijken ist der Pionier der Chin-off-Violintechnik: die Violine wird nicht mit dem Kinn geklemmt, sondern ruht auf dem Schlüsselbein und wird weiter mit dem Daumen, Spielfinger und Bogen an Ort und Stelle gehalten. Diese Spieltechnik ist nicht für jeden Geiger geeignet und erfordert eine gewisse Geschicklichkeit in der linken Hand, Handgelenksvibrato und Rutschttechnik, um die Lage zu wechseln. Der große Unterschied in der Klangproduktion ist die Tatsache, dass die Oberseite frei vibrieren kann und viel mehr Obertöne aus der Violine freigesetzt werden. Wenn das ganze Orchester auf diese Weise spielt, bekommen wir eine viel reichere Farbpalette.
Es ist nicht ohne Grund, dass Sigiswald Kuijken nur mit Geigern arbeitet, die er selbst mit dieser Chin-off-Technik ausgebildet hat. Wenn du nicht auf diese Weise Violine spielen kannst, spielst du nicht mit „der Bande" mit! Das macht La Petite Bande und seinen Klang so einzigartig auf diesem Erdball!
Nach einer kurzen Pause war Cembalist Mario Sarrechia an der Reihe. Er spielte fehlerfrei das Konzert in g-Moll, eine Transkription von Bach selbst seines Violinkonzerts in a-Moll. Es war zunächst eine Gewöhnung an die Tonart, besonders wenn man das Violinkonzert gewohnt ist. Mario spielte energisch und getrieben in einem vorzüglichen Dialog mit den Streichern.
Handschrift
Abgeschlossen wurde dieses Jubilaeumkonzert von La Petite Bande mit dem Konzert in d-Moll, das ein sehr spritziges Eröffnungsthema voller Synkopen hat und alles von einem Glas Champagner hat, das nie aufhört zu sprudeln. Im Adagio eröffnen die Streicher im Unisono wie ein Instrument mit dem Thema, das ich auf diese Weise noch nie gehört hatte.
Allerdings ist Sigiswald Kuijken der Partitur treu und studiert gründlich die eigene Handschrift von Bach, um herauszufinden, was er wirklich gemeint hat. So notierte Bach in der zweiten Taktart nicht einfach zwei Achtelnoten, sondern die erste als Vorschlag notiert, also kürzer gespielt. Auf diese Weise wird die fast 300 Jahre alte Musik wieder lebendig gemacht und ist jedes Mal eine neue und frische Erfahrung für den Hörer. Der letzte Teil ist noch energischer als der Anfangsteil und Mario Sarrechia gab bis zur letzten Note das Beste von sich!
Nach diesem Konzert wird eine CD dieses Programms hergestellt und es wird nicht stillgestanden: am 22. August kannst du in Lozer-Kruisem dem Jubiläums-La Petite Bande zuhören, das ein neues Bach-Programm präsentiert: die Doppelkonzerte für 2 Cembali und für 2 Violinen. Reservierungen möglich unter lozercultureel@hotmail.com
Danke Sigiswald, dass du diese Musik lebendig und voller Leidenschaft aufgeführt hast!