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Vogelgesang und Drachengebrüll: Wagners Siegfried

J
· 4 Min. Lesezeit
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Vogelgesang und Drachengebrüll: Wagners Siegfried
© Antonin Waterkeyn / Midjourney,

Vor etwa einer Woche startete die De Munt / La Monnaie in Brüssel ihre Opernsaison mit Richard Wagners Siegfried (1876). Damit setzt das Haus ihren Ring-Zyklus – der großartige Schwanengesang des künstlerischen Direktors Peter de Caluwe – fort. Damit geht die Geschichte von der mythischen Götterwelt in das irdische Reich der Menschen über. Unter der Leitung des Dirigenten Alain Altinoglu und mit einer neuen Regie von Pierre Audi erforscht die Munt damit den allmählichen, aber epischen Aufstieg zu Götterdämmerung. Es versprach 5,5 Stunden Spannung und mythologisches Drama, und hat dies auch definitiv eingelöst.

Philosophische Reflexion, spektakulärer Realismus

„The Ring can shed its skin and start again", mit diesem Zitat kündigte Audi die Regieänderung von Wagners Meisterwerk an, die nun in seine Hände fiel. Sein Vorgänger Romeo Castellucci strebte Größe, philosophische Reflexionen und subtile Symbolik an. Etwas, das er auch in den vorherigen Opernproduktionen von Das Rheingold und Die Walküre umgesetzt hat.

Pierre Audis Anfang beginnt mit der abenteuerlichen Geschichte des jungen Siegfried – dem Sohn der Wälsungen Siegmund und Sieglinde. Eine Geschichte, von der er selbst sagte, dass „es ein Werk war, das er selbst mehrmals durchlebt hatte."* Aus der Munt heißt es, dass es zu einem idealen, wenn auch zufälligen, Diptychon geworden ist. Nach Castelluccis Götterlied versprechen die letzten beiden Opern den Übergang ins Menschenreich zu sein. Wer ein bisschen mit der Nordischen Mythologie vertraut ist – woher Der Ring des Nibelungen auch seine Inspiration nahm – weiß, dass diese mit dem epischen Kampf Ragnarok endet – der Götterdämmerung (Übersetzung: Götterschemerung). Dies ist der Moment, in dem das Walhalla der Götter untergeht.

Audis Regie wirkt weniger wie eine innere Reflexion, sondern eher wie ein Ausdruck, in dem Aktion, Bewegung und Dramatik einen gesunden Platz in der Geschichte haben. Dies bringt auch einen Unterschied mit sich in der Art, wie die Besetzung – die diesen Zyklus von Anfang bis Ende durchlaufen – ihre Rollen interpretiert. Es gibt mehr Platz für Persönlichkeit, so scheint es. Individualismus scheint mehr geschätzt und passt auch besser zu dieser Epik mit ihren Drachen und magischen Waldvögeln.

Der Junge Siegfried

Die Geschichte beginnt beim Nibelungen Mime (Tenor Peter Hoare), dem Bruder Alberichs – des Zwergs, mit dem die Geschichte begann (Bariton Scott Hendricks). Er versucht vergeblich, ein Schwert für Siegfried zu schmieden, das Menschenkind, das er aufgezogen hat (Tenor Magnus Vigilius). Aber Mime tut dies mit der hinterhältigen Absicht, den berühmten Ring zu bekommen, der nun von dem Drachen Fafner (Bass Wilhelm Schwinghammer) bewacht wird. Und plötzlich steht auch Der Wanderer (Bassbariton Gábor Bretz) dort, als göttlicher Schatten. Was folgt, ist eine epische Suche nach der Eroberung des Rings und dem Erwachen seiner zukünftigen Geliebten: der Walküre Brünhnhilde (Sopran Ingela Brimberg).

Es wurde angekündigt, dass die Rolle des Mime sehr von der dramatischen Qualität des Sängers abhing. Mit Hoare hat die Munt einen Glücksgriff gelandet. Es musste mehr getan werden als gesungen, und das hat er mit seiner ausdrucksstarken Interpretation auch getan. Es war unterhaltsam, Hoare von einem Klang zum anderen, mit gelegentlich der nötigen Schärfe und Rauheit, hören zu können wechseln. Auch bei der für Siegfried gewählten Tenor – Vigilius – wurde eine Topwahl getroffen. Seine Ausdauer blieb optimal, seine klare Stimme ragte über dem Rest empor. Diese Stimme war bereit für Abenteuer und Ruhm – Wagners Heldentenor ist nicht ohne Grund eine Klasse für sich. Ein goldener Ausdruck, der perfekt zur kraftvollen Stimme Brimbergs passte. Beide waren während des Schlusses einander ebenbürtig. Eine angenehme Überraschung war die klare Koloratur des Waldvogels (Sopran Liv Redpath). Mit reinem Vibrato und einem glöckchenartigen Klang fühlte sich ihre mysteriöse Interaktion absolut magisch an. Fafner, die hallende und tiefe Bassstimme Schwinghammers, war dunkel und geheimnisvoller. Und, ich muss sagen, Bretz' Wotan hat mich diesmal endlich in Klang und Ausdruck überzeugt. Dies war für mich endlich der geheime Göttervater. Einige haben offensichtlich in dieser Regieform ihre Stimme gefunden.

Mit Worten knapp, aber mit viel Lob, ist für mich Siegfried eine Produktion, die unbedingt gesehen werden muss. Mit Audis ausdrucksstarker Regie und einer Besetzung, die alle eine kraftvolle Interpretation abliefert, hat die Munt eine neue Welt angekündigt. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wie diese – mit dem Finale Götterdämmerung – vervollständigt wird.

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