Das Festival van Vlaanderen Mechelen, Frühjahrsausgabe, fiel am Samstag auf. Ein Festival im Festmodus, das seit einem halben Jahrhundert auf den schönen und überraschenden Wegen der Musik wandelt.
Samstagmittag wurden alle beim großen Eröffnungsfest zu einer Kennenlernrunde eingeladen. Künstlerischer Direktor Jelle Dierickx warf verschiedene Fäden aus. Hier und dort fanden Mini-Konzerte im Stadtzentrum statt. Teaser, um dem Publikum einen Vorgeschmack auf das zu geben, was bis 12. Mai alles zu erleben ist. Das Stadtfestival bietet 20 Konzerte, 315 Künstler aus 15 Ländern und einen neuen Bereich LUNALIA 4 KIDS.
Lunalia Lift Off
Ein Festival, das Mechelen seit 50 Jahren als Musikstadt hochhebt, verdient ein Loblied. Jelle Dierickx begrüßte das Publikum auf seine warme, charmante Art. LUNALIA ist in jeder Bedeutung des Wortes ein Ritual, es will mehr als ein Musikfestival alle Sinne ansprechen. Kein Monsterfestival, sondern ein intimes Stadtfestival, das sich in das reiche Kulturerbe der Stadt einfügen darf, wie in die wunderbare Onze-Lieve-Vrouw-over-de-Dijlekerk. Bürgermeister Bart Somers ist immer präsent und verfolgte kurz die Geschichte. Wer durch Abwesenheit glänzte, war Kulturminister Sven Gatz, der sich entschuldigte „Les absents ont toujours tort".
Nehmen wir in einer Welle kulturellen Optimismus an, dass Kunst tatsächlich zu einer besseren Gesellschaft beiträgt, weil sie uns Empathie für das Fremde vermittelt. Die Zusammensetzung des Eröffnungskonzerts könnten wir als Begegnung zwischen Ost und West beschreiben, musikalische Grenzen werden überschritten und gedeihen in friedlicher Koexistenz und universeller Allianz. Sie bieten einen Blick auf die meisten Register, Stimmnuancen und Variationen.
Das Konzert öffnet mit A-capella-Gesang von Karima el Fillali, Werk der Prinzessin Wallada bint al-Mustakfi. Die elegante Geheimnisvollheit arabischer Klänge, Poesie und der alchemistischen Faszination alter Dinge. Die dünnen, mäandernden Klänge resonieren durch den Raum und setzen sofort den Ton. Danach folgt das ikonische Werk „Fratres" für Violen und Schlagzeug von Arvo Pärt. Es beginnt als ein Flüstern von Streichinstrumenten, das sich langsam aber sicher zu einem Crescendo entwickelt. Einfache musikalische Linien, die sich umeinander winden, von der Trommel unterbrochen, wiederholt und variiert werden. Zerbrechlich, ätherisch und doch kraftvoll, von einer zarten Schönheit.
Regisseur Maja Jantar lässt die Ausführenden die ganze Kirche bespielen, Sängerin Karima el Fillali stand ganz hinten in der Kirche, das Cello-Oktett ganz vorne. A Nocte Temporis bringt das Werk von Bach in die Mitte der Kirche, während Stimme in Residence, Tenor Reinoud van Mechelen, von der Kanzel aus die Arie „Ich habe genug" singt. Wieder ganz vorne im Chor bringt Bandeonist Gabriel Rivano das wehmütige „Adios Nonino" von Astor Piazolla, wohl seine berühmteste Komposition, die er 1959 nach dem Tod seines Vaters schrieb. Der Fokus verlagert sich wieder nach hinten in die Kirche: Sängerin Karima el Fillali wird von Jamil al Asadi auf Qanun begleitet. Die Erinnerung steht auch im Gedicht „Ya Jarat al-wadu" von Ahmad Shawqy im Mittelpunkt, vertont von Mohammed Abdel Wahab. Karima el Fillali singt mit einer außergewöhnlich ergreifenden Sonorität, in der alle aufgestauten Emotionen einen Ausweg finden. Die langen Noten und wunderschönen Phrasen schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Dann geht es wieder zum zweiten Teil des Rezitativs „Ich habe genug" von Bach. Darauf folgt ein langsamer Tango von Astor Piazolla „Oblivion" und dann wieder in der Mitte der Kirche Bachs „Ich habe genug" mit einem ernsthaften Stück Stimmgymnastik für Reinoud van Mechelen. Ein ständiger Wechsel zwischen profaner und weltlicher Musik mit als Abschluss Sopranistin Lore Binon in Heitor Villa-Lobos „Bachianas Bresileiras Nr. 5". Der fünfte Teil ist der bekannteste aus der Reihe. Es beginnt mit einer langen Vokaliese, während die Celli eine Passacaglia spielen. Im Mittelteil wird ein Gedicht von Ruth Corêa vertont, in dem Mond und Wehmut im Mittelpunkt stehen. Das Werk endet mit einer Vokaliese mit geschlossenem Mund, einem Summen auf dem Klang M, das Festivalmotto von LUNALIA 2019 in reinster Form. Während des Konzerts wird mit Licht und Schatten gespielt, ein zeitgenössischer Appeal mit Farbe, Linien und Kompositionen, bei dem die Blickfänge der Kirche beleuchtet werden.
Visuell und auditiv sauber aufgeführt, ein feinsinniges, stilisiertes Konzert voller überraschender Klänge und Verweise auf Minimalismus, Kraft, aber auch mit Vergnügen und Nuancen. Das Ganze faszinierte das Publikum, das mit langem Applaus dankte.
- WAS: Festival van Vlaanderen Mechelen LUNALIA – Der Geschmack von M
- Eröffnungskonzert
- WO & WANN: Samstag, 27. April, 20.30 Uhr, Kirche Onze-Lieve-Vrouw-over-de-Dijlekerk Mechelen
- FOTOS: © Lunalia – FvV Mechelen