Frühe Musik mit orientalischem Jazz kombinieren… das ist eine ungewöhnliche Kombination. Klassische Musik als Grundlage für Jazz-Improvisationen ist etwas, das ich bereits früher auf den CDs von Trio X gefunden habe. Auch die Kombination von früher Musik mit orientalischen Elementen ist etwas, das unter anderem das Sefardische Repertoire von La Roza Enflorese auszeichnet. Die Kombination von Jazz und früher Musik mit einem orientalischen Touch ist bemerkenswert originell. Das klingende Ergebnis ist wie nichts anderes, das ich bisher entdeckt habe. Es ist höchste Zeit, diese Musik zu erkunden!
Die CD öffnet sich mit Tres Morillas M'enamoran [track 01]. Gürkan Balkan setzt eine freie Melodie mit Al-Andalus-Charakter ein. Der Einsatz der Bassklarinette durch Annette Maye kündigt die jazzy Seite dieses Nummers an. Das rhythmische Ostinato ist der Ausgangspunkt, und je mehr Instrumente am musikalischen Spiel teilnehmen, desto mehr kommt der swingendende Charakter in den Vordergrund. Das Ostinato kommt zum Stillstand und Sopranistin Regina Kabis singt eine spanische Melodie aus dem 16. Jahrhundert. Die Melodie wird von Balkan oder Maye verdoppelt. Nach der vokalen Passage übernimmt die Bassklarinette das Ostinato wieder und Albrecht Haaf beginnt seine Improvisation am Klavier. Die Welt des orientalischen Jazz und der frühen Musik wechseln sich ab. Doch für den Zuhörer gibt es keinen Bruch im Stil oder in der Atmosphäre. Das Ganze wirkt sehr organisch.
Ben póde Santa María [track 03] beginnt mit einem starken Schlagzeugbereich. Danach startet die Klarinette die Renaissance-Melodie, die später von Kabis übernommen wird. Die Melodie stammt aus dem 13. Jahrhundert Cantigas de Santa María Manuskript. Wieder werden diese Fragmente von früher Musik durch improvisatorische Passagen unterbrochen, ohne den Fluss der Musik zu unterbrechen. Kontinuität in der Instrumentierung und ähnliche Modalität halten das Ganze zusammen.

Neben jazzy Arrangements von früher Musik enthält diese CD auch neu komponierte Musik. Ostinato I [track 07] von Klarinettistin Annette Maye ist ein Beispiel dafür. Dieses Nummer steht strategisch in der Mitte der CD. Obwohl sich diese Komposition stilistisch von den ersten sechs Titeln unterscheidet, sind genug gemeinsame Elemente erhalten geblieben, um den Musikfluss ohne Unterbrechung fließen zu lassen.
Die CD endet mit zwei sefardischen Melodien aus dem 16. Jahrhundert: Por Que Llorax Blanca Nina [track 12] und Cuando El Rey Nimrod [track 13]. Dies ist der einzige Moment, in dem sie nicht wirklich etwas Neues bringen. Stilistisch erinnert dies an das Kernrepertoire von La Roza Enflorese. Dennoch geben die Jazzelemente genug Elemente, um den Unterschied zwischen den beiden Ensembles zu erkennen.
Die Kombination von Al-Andalus und sefardischer Musik sowie traditionellen Namen wie Monteverdi zeigt die breite Grundlage früher Musik, aus der Freiburger Spielleyt und Ensemble FisFüz Inspiration schöpfen. Mit dieser CD bauen sie eine Brücke zwischen der Welt der frühen Musik und der des orientalischen Jazz. Diese CD ist sicherlich ungewöhnlich, aber fantastisch faszinierend.
- WER: Freiburger Spielleyt, Ensemble FisFüz
- WAS: Oriental Touch: Early Music meets Oriental Jazz
- LABEL: Christophorus CHE02262
- BESTELLEN: JPC