Ein kalter Dezembersonntag war es, ideal um sich an einem Weihnachtskonzert in einer andächtigen, glänzend hergerichteten und hervorragend erhaltenen neugotischen Kapelle zu wärmen. Es ist die des Psychiatrischen Krankenhauses Onze Lieve Vrouw in Brugge. Es ist ein Weihnachtskonzert durch das Brügger Chorensemble Bladelin, einen gemischten Chor unter der Leitung von Patrick Beuckels. Der Dirigent selbst ist vor allem als Flötensolo und Traverso-Spieler beim Collegium Vocale von Philippe Herreweghe bekannt. Für den Anlass wurde sein Chor unter anderem mit den Geigern des Brügger Streichensembles Arcando aufgestockt, mit auch Schwester Ludwine Beuckels.
Sie bringen ein Programm mit alter und neuer Musik, von früher und jetzt an diesem zweiten Adventssonntag. „Advent" bedeutet „Ankunft", natürlich vom Weihnachtstag. Ein Programm also voll Hoffnung und Wärme, das mit dem Lutherischen Choral Nun komm, der Heiden Heiland beginnt. Zuerst in einer Version von Michael Praetorius, gefolgt von der von Bach, der sie ein paar Mal in einer Kantate verwendete. Und das klang gleich viel komplexer und jubelhafter als sein Vorgänger Praetorius. Es war eine perfekte Interpretation des Chores unterstützt durch Streicher, Orgel und Harfenistin.
Viel intimer wurde es mit drei innigen Songs von John Tavener. Der britische Komponist, zum Glauben der Orthodoxie bekehrt, der später auch viel Aufmerksamkeit auf die Musik von nicht-westlichen Religionen richtete. Und da war natürlich das bekannte Perlenchen dabei, The Lamb auf einen einfachen Text von William Blake. Erst Noten, die sanft nagend homophon auf der Suche nach Harmonie gingen und sie modulierend in einer rührenden Melodie erreichen.
Mit Weihnachtskompositionen eines anderen Briten, Benjamin Britten, kam eine andere Klangwelt zum Vorschein. Das elfteige A Ceremony of Carols. Weitgehend auf alte britische Weihnachtsliedern basierend, aber in dieser typischen Britten-Idiomatik instrumentiert, die nicht so einfach auszuführen ist und nicht einfach klingt.
Zum Abschluss sang der Chor ein Werk des zeitgenössischen norwegischen Chorkomponisten Ola Gjeilo: Luminous Night of the Soul. Beuckels dirigiert seinen Chor und die Musiker mit Schwung durch die Musik. Mit seiner aufrechten Gestalt, seiner kahlen grauen Kopf und den dirigierenden Fingern scheint er eine zweite Ausgabe seines Lehrers Herreweghe zu sein. Nach so einem bestechenden Chorkonzert mit einem so alten poetisch-religiösen Text wie in diesem letzten Lied „Long before music was sung by a choir..(......) You were the spirit of all that art is", bleibt die Frage bei mir hängen: Welches glänzende Instrument kann die menschliche Stimme erreichen….?
WER: Bladelin Ensemble und Arcando Ensemble u.L.v. Patrick Beuckels mit Aryna Tsytlianok [Orgel], Ludwine Beuckels [Violine], Kris Janssens [Violine], Koen Bultynck [Bratsche], Peter Devos [Cello], Eline Rowaert [Harfe].
WO: Psychiatrisches Krankenhaus Onze Lieve Vrouw, Koning Albertlaan 8, Brugge
WANN: Sonntag 4. Dezember 2022
WAS: Michaël Praetorius: Nunn komm, der Heiden Heiland (1607); Johann Sebastian Bach: Nunn komm, der Heiden Heiland (BWV 61); John Tavener: The Lamb, Mother of God, here I stand, The Lord's Prayer;Benjamin Britten: A Ceremony of Carols, opus 28;Ola Gjeilo: Luminous Night of the Soul.