Mit PUUR bringt Opera Ballet Vlaanderen zum ersten Mal ein Werk von Wim Vandekeybus. Die Weitergabe des Werks flämischer Choreografen an eine neue Generation von Tänzern ist nämlich einer der Schwerpunkte der künstlerischen Politik von Jan Vandenhouwe.
Vandekeybus erschafft für unsere Tänzer eine neue Version von PUUR, das 2005 in Singapur Weltpremiere feierte.
Zwei Quellen bilden die Inspiration für diese Aufführung.
So ist Vandekeybus seit seiner Kindheit fasziniert von der grausamen Geschichte des Gemetzels an den unschuldigen Kindern in Bethlehem, einer Stadt, die heute unter der Kriegsgewalt leidet.
Die Geschichte aus dem Evangelium des Matthäus über den Kindermord durch König Herodes nach der Geburt Jesu ist jedoch nicht nur christlich. Auch der Hinduismus kennt eine ähnliche Geschichte. Um seine Macht zu bewahren, befiehlt König Kamsa, der Onkel von Krishna, alle Kinder zu töten, aber Krishna kann entkommen und wird Kamsa schließlich besiegen.
Eine weitere Quelle ist das ergreifende Buch Schaduwkind des niederländischen Autors P.F. Thomése. Darin erzählt der Autor auf bewegende Weise vom Verlust seiner Tochter. Aus der Zusammenarbeit zwischen Vandekeybus und Thomése entstanden die Texte dieser Aufführung, die die oben genannten Geschichten ihres religiösen Kontexts entledigen und sie in einen universellen Rahmen stellen. Für diese Produktion schrieb Thomése einen neuen Prolog zur Aufführung.
PUUR wird so zu einer zeitlosen Geschichte über Schuld und Unschuld, Verantwortung und Erinnerung von Generationen. Über Eltern, die machtlos sind, ihre Kinder zu schützen, über Kinder, die ihre Eltern der Vernachlässigung beschuldigen, über Väter, die Angst haben, ihre Macht zu verlieren, und so in der Lage sind, die Kinder anderer zu töten. Wie werden wir im Jenseits auf das zurückblicken, wie es heute in unserer Welt zugeht?
Die Musik stammt vom italienischen Avant-Garde-Komponisten Fausto Romitelli und vom amerikanischen Singer-Songwriter der Country-Rock-Musik David Eugene Edwards.
Zusammen mit dem britischen Schauspieler Daniel Copeland geben die Tänzer von OBV einer mysteriösen Welt Gestalt, in der Schmerz und Zärtlichkeit erschreckend nah beieinander liegen in diesem erstaunlichen Tanztheater.