De Munt rundete sein Tanzangebot für die Saison 2018-19 mit einer Aufführung von Rosas im Kaaitheater ab. Das Programm zeigte einen Repertoireabend mit Bartók/Beethoven/Schönberg: drei frühe Werke von Anne Teresa De Keersmaeker, jeweils inspiriert durch eine klassische Komposition. Zur Gelegenheit gab es auch Live-Musikbegleitung. Dafür zeichneten Musiker von Ictus für Bartók und Beethoven, und Orchestermusiker der Brussels Philharmonic unter der Leitung von Alain Franco für Schönberg verantwortlich.
Quatuor n° 4 von 1986 ist die älteste Choreografie, zeigt aber noch nicht die geringste Falte. Im Gegenteil. Dieses Stück für vier Tänzerinnen führt dich in die Anfangszeit von Rosas zurück; in das verwunderte und faszinierte Anschauen von vier hüpfenden Mädchen in ihren schwarzen, wirbelnden Röckchen und schwarzen Stiefeln. Und dann gab es diese weißen Höschen, die auch ab und zu in dieser verspielten, kämpferischen Choreografie zu Bartóks komplexen Rhythmen und Harmonien mitspielten. Du erinnerst dich wieder an die graziösen Sprünge, diesen Augenzwinkerer ab und zu, diese Strenge in den Bewegungen, die das Ganze so komplex und fesselnd machen. Das werden die Mitglieder der ersten Besetzungen, die die Neulinge bei der Einstudierung begleiteten, klar gemacht haben.
In Die Große Fuge, eine Choreografie entstanden 1992, ist der Ton ganz anders. Jetzt stehen nur schwarzgekleidete Männer auf der Bühne. Sie bewegen sich zu den Tönen von Beethovens Große Fuge meist individuell in De Keersmaekers Suche nach einem männlichen Vokabular. Es gibt Konfrontationen. Die Schwerkraft wird anscheinend herausgefordert in einer Choreografie, die versucht, das geniale Kontrapunkt des deutschen Komponisten zu übersetzen. Es ist ein nicht sehr zugängliches Werk, das viel von Tänzern und Publikum verlangt.
Für Verklärte Nacht von Arnold Schönberg ließen die vier hervorragenden Musiker von Ictus, die jeweils auf der Bühne spielten, ihren Platz an die Streicherkollegen der Brussels Philharmonic ab. Diese nesteten sich in den schmalen Orchestergraben. So hatten die zwei Tänzer die ganze leere, kahle Bühne, um die neue Version der Choreografie von 1995 aufzuführen. Verklärte Nacht, basierend auf einem Gedicht von Richard Dehmel, bringt die Geschichte von zwei Menschen, die sich lieben. Aber das Paar wird mit der Tatsache konfrontiert, dass die Frau ein Kind von einem anderen Mann erwartet, den sie nie geliebt hat. Schließlich entscheiden sie sich, das Kind als ihr eigenes Kind anzunehmen. In ihrer Version lässt Anne Teresa De Keersmaeker vor allem die Frau zu Wort kommen und ihre Schuldgefühle darstellen. Der Mann bleibt lange Zeit abseits. Aber dann darf er auch seinen Gewissenskonflikt darstellen. Schließlich kommt es zur Versöhnung in einem Duett. Es wurde hervorragend getanzt, aber insgesamt kam in dem Stück bedauerlicherweise sehr wenig Emotion zum Ausdruck.
- WAS: Bartók/Beethoven/Schönberg
- WER: Anne Teresa De Keersmaeker (Choreografie), Rosas (Tanz), Ictus und Brussels Philharmonic u.L.v. Alain Franco (Musik)
- WO: Kaaitheater, Brüssel
- WANN: Mittwoch 19. Juni 2019
- FOTOS: © Anne Van Aerschot