Opera Ballet Vlaanderen darf erneut internationale Anerkennung feiern. Die Produktion von Wozzeck (Alban Berg, Premiere 1. Juni 2025 in Opera Antwerpen) unter der Regie von Johan Simons ist für einen International Opera Award in der Kategorie Best New Production nominiert. Die prestigeträchtigen Preise, oft die „Oscars der Opernwelt" genannt, werden am 13. November in der Griechischen Nationaloper in Athen verliehen.
Als ob diese Nominierung noch nicht aufregend genug wäre, folgt noch eine Premiere: Diese beeindruckende Produktion von Wozzeck reist bald auch nach Beijing. Es ist gleichzeitig das erste Mal, dass Bergs expressionistisches Meisterwerk in China aufgeführt wird.
Ein Schrei der Verzweiflung
Johan Simons näherte sich Wozzeck aus einer ausgesprochenen humanistischen Perspektive an. Für ihn ist der Titelheld nicht einfach nur ein labiles Opfer, sondern ein Mann, der aus Wut und Verzweiflung gefährlich wird, weil er ungerecht behandelt wird. In seiner Lesart wird Wozzeck ein Schrei, eine Warnung für eine Gesellschaft, die gefährdeten und marginalisierten Menschen keine Stimme gibt. Diese Herangehensweise traf offensichtlich einen Nerv: Die Premiere im Juni erhielt sofort eine Flut von Sternen und lobenden Rezensionen.
Starke internationale Konkurrenz
In der Kategorie Best New Production tritt Opera Ballet Vlaanderen gegen Großmächte wie die Metropolitan Opera New York und die Opéra national de Paris an. Weitere nominierte Produktionen sind:
- Castor et Pollux (Opéra national de Paris / Regie Peter Sellars)
- The Excursions of Mr Brouček (National Theatre Brno & Staatsoper Berlin / Regie Robert Carsen)
- La forza del destino (Greek National Opera / Regie Rodula Gaitanou)
- Innocence (Semperoper Dresden / Regie Lorenzo Fiorini)
- Khovanshchina (Salzburger Osterfestspiele / Regie Simon McBurney)
- Louise (Festival d'Aix-en-Provence / Regie Christof Loy)
- Salome (Metropolitan Opera / Regie Claus Guth)
Die vollständige Liste aller Kategorien und Nominierten ist online zu finden.
Tradition der Preise
Opera Ballet Vlaanderen ist kein Unbekannter bei den International Opera Awards. 2014 gewann das Ensemble einen Award für Parsifal (Regie Tatjana Gürbaca), und 2019 holte es sogar den Hauptpreis als Opera Company of the Year. Auch der Chor und das Sinfonieorchester von Opera Ballet Vlaanderen wurden mehrfach nominiert.
China: eine Premiere von großem Format
Die Wozzeck-Produktion sorgt für noch spektakulärere Nachrichten, denn am 18. Oktober wird die Oper beim Beijing Music Festival aufgeführt. Das ist eine Premiere von großem Format: Es ist das erste Mal, dass Alban Bergs Wozzeck in der Volksrepublik zu hören sein wird.
Die Aufführung findet im Beijing Poly Theatre statt, einem Theater mit einer viel größeren Bühne als die flämischen Opernhäuser. Das Bühnenbild – entworfen von Sammy van den Heuvel – wird daher von dem chinesischen Theater speziell neu gebaut, vollständig zugeschnitten auf diesen Ort.
Die Produktion wird in Beijing vom Shanghai Symphony Orchestra unter der Leitung des renommierten Dirigenten Charles Dutoit aufgeführt. Obwohl dies also nicht mit dem eigenen Orchester von Opera Ballet Vlaanderen geschieht, werden verschiedene Solisten, die in Antwerpen glänzten, auch in China die Hauptrollen singen: Robin Adams als Wozzeck, Magdalena Anna Hofmann als Marie und Samuel Sakker als Tambourmajor.
Eine besondere Erwähnung geht an die belgische Mezzosopranistin Lotte Verstaen, die in Beijing die Rolle der Margret singt. Auch zwei Stimmen aus dem ehemaligen jungen Ensemble von Opera Ballet Vlaanderen sind Teil des Casts: der niederländische Tenor Hugo Kampschreur (Andres) und der südafrikanische Bass Rueben Mbonambi (Handwerksbursch).
Live zu verfolgen
Ob Wozzeck dann den Titel Beste neue Produktion bekommt, erfahren wir am 13. November. Die Verleihung wird live via OperaVision übertragen, damit Opernliebhaber weltweit an diesem Opernfest teilhaben können.