Zum Inhalt springen
← Alle CD-Veröffentlichungen
Automatisch übersetzt · Original

Échos

Chiara Alaimo, Fiona Alaimo

Katalognummer
384
Format
Digital
Es war wohl unvermeidlich, dass die Musik von Gabriel Field und Sharad Goulam zusammen auf ein Album kommen würde. Ihre Freundschaft entstand schon lange her, sie standen oft zusammen auf der Bühne; aber es zählt hier nicht ihre Biografie, sondern ihre Verwandtschaft: eine gemeinsame Hingabe an lebendige Tonalität und Modalität, farbenfrohe Harmonie und, entscheidend, die ausdrucksstarke Kraft der Dissonanz. Échos stellt diese Verwandtschaften den Unterschieden gegenüber und bildet ein Programm, in dem zwei persönliche Idiome sich gegenseitig spiegeln und erhellen, ohne in Eintönigkeit zu verfallen. Das Ergebnis ist eine Reihe, die als Dialog der Temperamente gehört werden muss, ein Gang von Reaktionen, in dem Geste und Sinnen zusammenkommen und Inhalt und Schatten sich begegnen. Goulams Partituren fühlen sich eher gemeißelt als notiert an, mit einem Fokus auf Kontrapunkt und einem Sinn für Disziplin. Die Eröffnungsmelodie, die Toccata Furiosa, ist keine bloße Demonstration; sie ist eine motorische Absichtserklärung, deren unaufhörliche Fortbewegung an Masse durch geschichtete Stimmen und einen unerbittlichen Puls gewinnt. Das Prélude V lenkt diese kinetische Kraft nach innen durch unwiderstehliche und entschlossene harmonische Wellen, während der Marche einen steifen Schritt trägt, dessen schmerzhafter Kontrapunkt Rhetorik ablehnt und dadurch Würde gewinnt. Die Deux Nocturnes öffnen sich in einer völlig anderen Landschaft, die eine in dunklen Rauch gehüllt, der sich nie ganz verzieht, die andere mit lebhafteren und leidenschaftlicheren Maßen. Die Arabesque sorgt für einen letzten Stimmungswechsel mit einer mysteriösen Atmosphäre, subtilen Harmonien und exotischen Rhythmen, deren Verzierung nicht dekorativ, sondern kontemplativ ist, eine symbolistische Linie, die sich wie ein Gedanke um sich selbst dreht. Field schreibt dagegen von der Stille zum Klang. Seine acht Choräle sind prägnant und streng konstruiert, ohne überflüssige Schnörkel. Sie verhalten sich wie winzige Gravuren, mit zarter Präzision gefertigt, aber ohne kirchliche Verkündigung. Harmonie wird in diesen Werken nie aufgezwungen; sie darf sich entfalten, eine gemessene Blüte, aus der die Melodie mit ungezwungener Balance hervortritt. Die vier Berceuses vertiefen diese innere Welt. Ihre wiegenden, subtilen und fast leichtfüßigen Gesten teilen denselben Atem und Energie und vermischen Trost und Wehmut. Die drei Pièces Joyeuses verkomplizieren das Bild mit einer Ironie, die alles andere als leichtfertig ist. Die erste skizziert ein strenges, fast hoffnungsloses Bild und endet in der Tiefe des Klaviers. Nr. 2 sinkt immer weiter ab, die wiederholten Abstiege färben die sogenannte Freude mit einem ausgesprochenen bitteren Ton; Nummer 3 durchbricht vollständig die Oberfläche mit einer launischen, rastlosen Linie, als könnte Glück, das sich notgedrungen offenbaren muss, nur als Bruch erscheinen. Schließlich spricht Péché d'époque mit einer Klarheit, die gleichermaßen amüsant und unerbittlich ist: ein Bekenntnis der Epoche, das lächelt, auch während es anklagt. Die Architektur des Programms lässt diese Kontraste sprechen. Die Welten von Goulam und Field heben sich nicht auf; sie fungieren als komplementäre Linsen. Wenn die Nummern der Reihe nach gehört werden, bilden sie Tafeln eines Diptychons, dessen Scharniere unsichtbar sind. Energie in Goulam verhärtet sich zur Struktur, als wäre Klang eine zu bearbeitende Substanz; die Linie in Field löst sich in Erinnerung auf, als wäre Klang die Spur eines Gedankens, der fast verschwunden ist. Jeder Komponist fungiert als Resonanzboden für den anderen, als Nachbild des anderen; Ähnlichkeit bringt Unterschied hervor, Unterschied klärt Ähnlichkeit auf. Der Hörer wird nicht aufgefordert, Partei zu ergreifen, sondern ein Spektrum zu erkennen: vom gemeißelten, schnellen Material zum schwebenden Lied, von Granit zu Dampf, vom Willen zum Flüstern. Ein solches Design verlangt nach Ausführenden, die beide Standpunkte beherrschen. Die Zwillingsplanisteninnen Fiona und Chiara Alaimo bringen genau diesen doppelten Fokus. Ausgebildet in den klassischen europäischen Disziplinen und erfahren auf internationalen Bühnen, spielen sie mit einer Mischung aus struktureller Klarheit und fantasiereicher Taktgefühl. Wo Goulam Ausdauer und architektonische Beherrschung fordert, bieten die Schwestern dies mit Stabilität und einer Ablehnung von Härte an; wo Field Aufrichtigkeit und inneres Hören fordert, temperieren sie die Linie mit den subtilsten Nuancen, wodurch sanfte Farben auftauchen und wieder verblassen. Sie machen die Achse hörbar, um die sich das Programm dreht. Wenn das Album mit den Klängen der Welt auf dem Klavier eröffnet, endet es mit Erinnerung. Nach den nächtlichen Nebeln von Goulam und den kristallklaren Miniaturen von Field bietet Péché d'époque einen letzten Blick auf die Sonne. Erinnerung ist, wie die Tradition lehrt, eine Quelle von Patina: sie wärmt, idealisiert und verzeiht. Diese Wärme schwebt wie vergoldeter Staub über den letzten Takten, nicht um die Schatten, die ihnen vorausgehen, zu leugnen, sondern um sie lesbar, fast gepflegt zu machen. Was bleibt, ist ein Dokument der Verschiedenheit in Harmonie, eine Stunde, in der zwei Klavierkomponisten über dasselbe Instrument blicken und in diesem Austausch selbst eine Wahrheit finden, die keiner von ihnen allein hätte ausdrücken können. Échos ist daher mehr als ein Treffen; es ist eine Klarheit, die durch Zuhören erreicht wird, eine Studie in Resonanz und eine Einladung zurückzukehren, denn das Echo wird bei jedem Hören tiefer.

Andere Veröffentlichungen

DE