(H)Armonies
Monica Moroni
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- Digital
Diese Aufnahme ist das Ergebnis einer langen künstlerischen, persönlichen und kulturellen Reise, die in meinem Heimatland, der Republik San Marino, begann und mich seither zusammen mit meinen Flöten in viele Teile der Welt gebracht hat. Der Titel „Armonies" ist ein verspieltes Anagramm, das den Namen San Marino mit meinem eigenen Nachnamen und dem meiner geliebten Lehrerin Annamaria Morini (1950-2016) verwebt; gleichzeitig ruft er die Harmonien des Klangs auf, jene universellen Symbole von Schönheit, Frieden und interkulturellen Dialog, die Grenzen und Epochen übersteigen.
Die verwendeten Instrumente – die C-Flöte, die Altflöte und die Bassflöte – dienen hier als Begleiter auf dieser Reise und öffnen Pfade entlang von Kompositionsstilen, Klangsprachen und künstlerischen Visionen. Weit entfernt davon, sich auf das traditionelle Repertoire zu beschränken, werden sie zu Stimmen des Experiments, der Erinnerung und der Erneuerung, zu Instrumenten, mit denen Komponisten versucht haben, Geschichten, Landschaften und Emotionen zu verkörpern.
Renzo Paniccias „S'ode ancora il mare" (1992), hier erstmals aufgenommen, ist in dieser Hinsicht emblematisch. Inspiriert von der Poesie Salvatore Quasimodos und Annamaria Morini gewidmet, ist das Werk für C-Flöte und Altflöte geschrieben. Die Sonoritäten, geformt durch atemdurchdrungene Klänge, Flatterzunge, Flageoletttöne, Triller, Tremolo, Klappenschläge und Zungenschlag, sind strukturiert, um die Wellen des Meeres hervorzurufen – eine Metapher für Ebbe und Flut der menschlichen Existenz und für die innere Stimme, die in der Stille erklingt.
Nicht weniger suggestiv ist „Mon" (2024), Monica Moroni gewidmet, geschrieben von Daniele Venturi nach einer langen Krankheitsphase. Hier erzählt die Solofloete eine zarte Erwachung, eine Wiedergeburt symbolisiert durch halboffene Mundöffnungen, Vibrato-Inflektionen, Oszillationen des Instruments, Flötetöne, Glissandi und gesangliche Klangfarben. Was entsteht, ist Musik, die sich zwischen Zerbrechlichkeit und Widerstandskraft bewegt und sowohl die Intimität der Genesung als auch das Versprechen der Morgenröte verkörpert.
Der Dialog zwischen Stimme und Instrument wird in Ellen Lindquists „Nakoda" (2002) auf die Spitze getrieben. Für Altflöte geschrieben, erinnert das Werk an das tragische Schicksal von Nakoda, einer Alphawölfin, die legal in Kanada getötet wurde. Durch Boccola-Glissandi, Atemgeräusche in der Mundöffnung, Zungenschläge und Flötetöne dramatisiert das Stück die Verfolgung, das Heulen und das Ende – eine Klage zum Schutz von Raubtieren gewidmet.
Die theatralische Dimension des Klangs steht auch im Zentrum von Toru Takemitsus „Voce" (1971) für C-Flöte. Hier spricht der Flötist direkt in das Instrument – „Qui va là? Qui que tu sois, parle, transparence!" – und verwandelt die Sprache selbst in Resonanz. Kombiniert mit Flatterzunge und Doppelzunge, Flötetönen, Obertönen und einer breiten dynamischen Variation wird dies zu einer Meditation über die porösen Grenzen zwischen Stimme, Atem und Instrument.
In starkem Kontrast steht Gabrio Tagliettis „Canzoni delle libellule elettriche" (1988), ein verspielter und ironischer Tanz, in dem Tremolo, Glissandi, Triller, flatternde Zunge und geflüsterter Atem eine Traumwelt von Libellen zum Leben erwecken. Ihre fragilen Flügel werden zu Schallbildern von schwebenden, imaginären Landschaften, voller glitzernder Kontraste und träumerischer Anspielungen.
Neben diesen zeitgenössischen Erkundungen stehen Werke, die Vergangenheit und Gegenwart auf überraschende Weise miteinander verbinden. Herman Beeftinks „Celtic Suite No. 2" (2015) mit der Abfolge Adagio – Moderato – Andante scherzando – Allegro animato ist von keltischer Modalität und Rhythmik inspiriert und verbindet meditative Breite mit lebendiger Vitalität. Rocío Cirugedas „Melodia Sentimental" (2023) für Bassflöte ist eine zutiefst persönliche Hommage an die verstorbene Mutter der Komponistin: Die warme Resonanz des Instruments strahlt Nostalgie, Intimität und strahlende Einfachheit aus. Giuseppe Mario Finocchiaros „Anime" (2024, Uraufführung) für Altflöte setzt zwei Seelen in Bewegung, deren Stimmen sich in poetischem Flug verflechten, bevor sie zu einem schwebenden Lied verschmelzen.
Das romantische Erbe wird in Fryderyk Chopins Nocturne op. 9 Nr. 2 neu interpretiert, hier in einer kürzlich entstandenen Transkription (2024) von Elzabieta Podolak für Bassflöte. Was bekannt klingt, wird verklärt: Die Lyrik der Nocturne erhält eine unerwartete Gewichtigkeit und Tiefe im dunkleren Register des Instruments. Eine ähnliche Umstimmung findet sich in Wilhelm Popps „Russisches Zigeunerlied" op. 462 Nr. 2 (1896), bearbeitet für Flötensolo nach einem berühmten Zigeunerlied und verbindet Nostalgie mit dramatischem Impuls.
Katia Tiutiuniks „A Friend in the East" (2025, Uraufführung) für Solofloete schließt den Kreis im Geiste des interkulturellen Dialogs. Monica Moroni gewidmet, feiert es die Freundschaft zwischen San Marino und China. Die modalen Inflektionen und meditativen Linien verkörpern Musik als einen Treffpunkt zwischen Kulturen, ein Echo des übergreifenden Themas von „Armonies".
Zusammen bilden diese Werke nicht einfach eine Abfolge von Stücken, sondern eine kohärente Reise durch den Klang. Sie enthüllen die Flöte als ein Instrument von außergewöhnlicher Vielseitigkeit: in der Lage, die Unmessbarkeit des Meeres, die Zerbrechlichkeit von Libellen, das Heulen eines Wolfes, die Intimität von Trauer und die Freude der Wiedergeburt zu verkörpern. Sie laden den Zuhörer ein, in der Musik nicht nur Virtuosität zu erkennen, sondern auch Zeugnis – eine Kunst der Erinnerung, der Transformation und des Dialogs.