Mozart/Danzi/Beethoven for Piano and Winds
Christian Ihle Hadland
- Label
- LAWO Classics
- Katalognummer
- LWC 1187
- EAN / Barcode
- 7090020182094
- Erscheinungsdatum
- 5 Dezember 2019
Es gibt leider keine echte norwegische Sprachentsprechung für den Ausdruck „unsung hero", aber man kann Franz Danzi sofort in diese Kategorie einordnen. Seine Kindheit in Mannheim in den 1770er und 80er Jahren bot ihm die perfekte Kulisse, um die wichtigsten musikalischen Strömungen der Zeit zu erleben, wo man sich mit Dingen wie synchronisierten Bogenstrichführungen und solistischen Bläserstimmen im Orchester herumtrieb – Elemente, die uns heute geläufig sind, damals aber als ziemlich bahnbrechend galten. Der junge Danzi traf auch Mozart, der großes Interesse an den Pionierarbeiten in Mannheim zeigte, und Danzi drückte zeitlebens unbegrenzte Bewunderung für den alten Meister aus. Danzis großer Traum war es, die deutsche Singspiel-Gattung weiterzuentwickeln, auf der Mozart mit seinen Opern Die Entführung aus dem Serail und Die Zauberflöte eine goldene Grundlage gelegt hatte. Danzis Ehefrau, Margarethe Marchand, war eine hervorragende Sopranistin und eine begeisterte Fördererin der Werke ihres Mannes, aber als sie im jungen Alter von 32 Jahren starb, schien Danzi das Interesse am Singspiel zu verlieren. Allerdings war er ein eifriger Unterstützer und eine Inspirationsquelle für seinen jüngeren Kollegen Carl Maria von Weber. Webers Singspiel Der Freischütz führte die Gattung in neue Höhen mit der Manifestation der Natur als singende Kreatur. Dafür müssen wir Danzi danken! Quintette für Bläser und Klavier sind ein seltenes Vogel in der Musikgeschichte, und der Grund dafür könnte sehr wohl sein, dass Mozarts und Beethovens eigene Werke so hohe Maßstäbe setzten, dass sich nur wenige getrauten, in ihre Fußstapfen zu treten. Diese Idee ist keineswegs eine Absonderlichkeit. Man denke an die Klarinettenquintette von Mozart und Brahms, die eine vollkommen symbiotische Klanglandschaft darstellen, die nur darauf wartet, erforscht zu werden. Aber wo diese beiden Türme über allen anderen aufragen, sind spätere „Strukturen" dünn gesät. Aus der Mannheimer Entwicklung, die den Bläsern mehr Platz im Orchester gab, entstand der Wunsch nach reinen Bläserensembles in verschiedenen Besetzungen und auch in Kombination mit anderen Instrumenten. Mozarts Quintett ist ein natürlicher erster Anlaufpunkt für diese Entwicklung, und wie so oft bei Mozart wird sein erster Versuch ein großer Erfolg: Ein Ensemble, das im Grunde gar nicht besonders homogen ist, wird zu einer perfekten Einheit, wo jedes Instrument noch reichlich Gelegenheit hat zu glänzen. Das Klavier hat eine Nebenrolle, liegt aber oft diskret im Hintergrund gegen die lebhaften Eskapaden der Bläser. Der erste Satz hat eine geschmeidige Einleitung, wo die Linien auf die ausgezeichnetste Mozart-eske Weise von Instrument zu Instrument wandern, sich durchkreuzen und gegenseitig inspirieren, aber sich nie überschatten oder stören. Das Larghetto ist ein archetypischer Mozart-Satz aus dieser Zeit, scheinbar unkompliziert, aber wo sich lange, zunehmend verwickelte harmonische Flächen entfalten, bevor alles zu den charmanten, operettenhaften Stellen zurückkehrt, die uns sicher ans Ziel bringen. Und um das solistisch Moment dieses Quintetts zu unterstreichen, rundet Mozart das lebhafte Rondo des Finales mit einer kurzen Kadenz ab, wo die Instrumente einander nachahmen, bevor sie sich zur Schlussphase vereinigen. Eine der mythischsten, aber auch fast ungeschriebenen Begegnungen der Musikgeschichte ist jene, die zwischen Mozart und dem damals 16-jährigen Beethoven 1787 in Wien stattfand. Praktisch jede Quelle widerspricht der anderen. Einige behaupten, Mozart sei außer sich vor Begeisterung gewesen, andere, dass er lau war und Beethoven nicht als seinen Schüler wollte. Weder Mozart noch Beethoven erwähnen das Treffen in seiner eigenen Korrespondenz, aber wir können aus Beethovens späteren Skizzenbüchern, die er führte, um das Gespräch am Laufen zu halten – er erhielt schriftliche Fragen und antwortete verbal – schließen, dass ein Treffen stattfand und dass mehr als nur Höflichkeit von Mozarts Seite vorgelegen haben mag. Mozart war 28 Jahre alt, als er sein Quintett komponierte. Mit über 450 Werken in seiner Bilanz war sein Name in Wien wohlbekannt, und er konnte es sich daher leisten, ein Stück zu komponieren, in dem andere Musiker glänzen konnten. Beethoven war ein relativer Unbekannter von 26 Jahren, als er sein Quintett veröffentlichte. Er wollte sich in erster Linie als Pianist und in geringerem Maße als Komponist etablieren. Sein Quintett wird oft als Gegenstück zu Mozarts betrachtet, aber trotz aller äußerlichen Ähnlichkeiten – die Tonart, die langsame Einleitung, die drei Sätze – haben sie sehr wenig sonst gemeinsam. Mozart repräsentiert die Krönung des Klassizismus, eine olympische, brillant geklärte Form, bei der etablierte Rahmen vollständig ausgeschöpft werden. Beethoven will weg vom weißen, zarten Porzellan unter Sonnenschirmen in den imperialen Pavillons hinein in eine rohe Welt, in der der Pianist gegen Ende des Werkes ziemlich unhöflich ist und sich auf eine lange improvisierte Tour begibt, während die anderen Musiker sitzen bleiben und warten. Das Thema kommt zurück, wenn es ihm passt. Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass Beethovens Quintett sehr viel ein Ensemblestück ist; die verwickelte Entwicklung der Ideen in der Einleitung des ersten Satzes und der mysteriöse, verschleierte Entwicklungsteil in eben jenem Satz ist das Werk eines Meisters. Lange, schwimmende Pedale und eine Kanonabteilung im Finale, die am meisten wie ein großes Missverständnis klingt, sind beide bezeichnend für das, was noch kommt. Frühes Beethoven hat ein unkompliziertes, musikalisches Gefühl, die willkommenen und charmanten Themen des 2. und 3. Satzes sitzen einem im Ohr und bilden beide die Grundlage für die Rondo-Sätze mit zart gemeißelten, kontrastierenden Episoden. Als befreiende Antithese zum Glück in Es-Dur kommt Danzis Quintett in d-Moll. Hier sind wir weit entfernt von Spitze und Kristall, sondern vielmehr tief verankert in einer vorromantischen, kargen Landschaft – und vielleicht ist die langsame Einleitung ein leichter Nicken zu Mozarts unvollendetes Requiem? In stärkerem Maße als Beethoven stellt Danzi Klavier und Bläser gegeneinander, wo Themen oft zunächst in den Bläsern präsentiert und dann in der Klavierstimme bestickt oder weiterentwickelt werden – die im ersten Satz wirbelt und wimmelt, während die Bläserstimme schwer, breit und hartnäckig ist. Der zweite Satz beginnt mit einem sanften, leicht zurückhaltenden Thema, bevor sich alles langsam auflöst, gewürzt mit improvisierten Launen und langen, ununterbrochenen Tönen. Der dritte Satz ist eine abrupte Angelegenheit mit einem teilweise Grat erregenden, etwas singbaren Thema, unterbrochen durch optimistischere Mittelteil, die dennoch nicht den Eindruck einer ziemlich dunklen Welt beseitigen können. Insgesamt entsteht eine Trilogie von völlig unterschiedlichen Ursprüngen – der erhabene Mozart, der vorwärtsdrängend, selbstzentrierte Beethoven, und der „Arbeiterameise" Danzi, der selbst Klavier spielend, Platz für Bläser in der Kammermusik schaffen wollte. Er erreichte dies nicht zuletzt als der „Vater" des Bläserquintetts, dessen Katalog außergewöhnliche Werke enthält. – Christian Ihle Hadland
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