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Preussens Hofkapellmeister

Adorjan Quartet

Label
Phil.Harmonie
Katalognummer
PHIL 06009
EAN / Barcode
4250317416094
Erscheinungsdatum
30 September 2021
200000 GEORG ABRAHAM SCHNEIDER: PREUSSENS HOFKAPELLMEISTER Obwohl Georg Abraham Schneider heutzutage praktisch unbekannt ist, war er eine bedeutende Figur in der Berliner Musikszene des frühen neunzehnten Jahrhunderts, wo er als Musiker, Konzertveranstalter und Komponist tätig war. Er wurde 1770 in Darmstadt geboren, im selben Jahr wie Ludwig van Beethoven. Nach einer gründlichen Ausbildung in allen Musikinstrumenten außer dem Klavier trat er 1787 dem Darmstädter Hoforchester bei. 1795 wechselte er an den Hof von Rheinsberg, der Sitz von Prinz Heinrich von Preußen, dem Bruder Friedrichs II. Als Prinz Heinrich 1802 starb, wurde Schneider Mitglied von Berlins Hoforchester. Das Orchester wurde jedoch aufgelöst, nachdem Napoleon Preußen in den Doppelschlachten von Jena-Auerstedt besiegt hatte, und die königliche Familie floh daraufhin. Schneider befand sich plötzlich ohne Arbeit. Die Flötenquartette Op. 52/3 und Op. 69/3 könnten durchaus um 1810 komponiert worden sein, als Schneider ohne regelmäßige Beschäftigung war; sie wurden jedenfalls vor 1815 veröffentlicht. Sie waren zweifellos an Mozarts Flötenkonzerte angelehnt, sowohl in der musikalischen und texturalen Struktur als auch in der Behandlung der Flöten. Beide Quartette haben nur drei Sätze – das Menuett fehlt, das in Berlin nicht sehr beliebt war – und die Flöten stehen sehr deutlich im Vordergrund. Es sind dennoch echte Kammermusikstücke und keine Flötenkonzerte, denn die Streicher spielen eine bedeutende Rolle nicht nur in den Übergangsstellen, sondern auch bei der Einführung der Themen. Dies wird besonders im Andante des Op. 52/3 deutlich, einer Variationsserie, in der nach der Einführung eines einfachen, an Haydns Langsätze erinnernden Themas die Viola, das Cello und schließlich die Violine abwechselnd die Führung übernehmen und am Ende alle Instrumente alternieren. Während sich das Quartett Op. 52/3 in G-Dur durch eine Aura unbeschwerten Frohsinns auszeichnet, besonders im ersten und letzten Satz, hat das Quartett Op. 69/3 einen völlig anderen Charakter. Das Fehlen des Cellos und die pulsierenden Achtel in der Begleitung am Anfang erinnern an Mozarts spätes Streichquintett in derselben Tonart. Beide Werke haben auch die gleiche fragmentarische Struktur mit plötzlichen Unterbrechungen der Bewegung und ausgreifenden harmonischen Passagen. Nur der langsamere Mittelsatz bietet ein musikalisches Idyll, das im Finalsatz durch nervöse Triolen-Bewegung ersetzt wird. Schneider demonstriert somit seine Geschicklichkeit in dem, was sein Zeitgenosse Heinrich Christoph Koch als die Hauptfunktion der Musik als Kunstform bezeichnete: der umfassende Ausdruck von Wahrnehmungen und Leidenschaften (siehe den Artikel „Empfindung" in seinem Musikalisches Lexikon von 1802). Duette für Streicher waren seit dem späten achtzehnten Jahrhundert in Mode. Sie wurden sowohl als Unterrichtsmaterial als auch als integraler Bestandteil der bürgerlichen Salonmusik behandelt und ermöglichten es den Menschen, die größere Welt des Konzertsaals in ihren eigenen Wohnzimmern zu erleben. Frühe Werke stammen von Michael Haydn und Mozart (Duette KV 423, 424), von Beethoven (Duett „Brillenduett" für Viola und Cello) und von Spohr und anderen Geigenvirtuosen; es gab auch eine Fülle von Bearbeitungen der neuesten Opern und Sinfonien. Zusätzlich zu seinen Werken für Violine und Viola komponierte Schneider zahlreiche andere Duette für diverse Instrumente, in erster Linie für zwei Flöten, zwei Klarinetten und zwei Hörner. Ein von Schneider selbst verfasstes Werkverzeichnis von 1833 führt fünfzig Duette für zwei Fagotte auf, obwohl nur sehr wenige davon überliefert zu sein scheinen. Schneider hätte sicherlich der Art und Weise zugestimmt, wie mehrere Stücke für zwei Kontrabässe in dieser Aufnahme bearbeitet wurden. Sie sind als Unterrichtsmaterial gedacht, aber für zwei Spieler von ähnlich hohem Niveau, die einen erregenden Dialog in Gang setzen können, während sie gleichzeitig ihre technischen Fähigkeiten und ihre Musikalität entwickeln. So sehr diese Stücke auch nicht besonders lang sind, können sie als eine Enzyklopädie der Musik der Zeit interpretiert werden: ihre kompositorischen Techniken, ihr Charakter, ihre Figurationen und Spieltechniken. Die Musik auf dieser Aufnahme ist voller Witz, Begeisterung und Vitalität; sie zeigt perfekt, worin Schneiders Stärke lag, nämlich darin, die Vorteile für den Spieler sowie die Wirkung auf das Publikum zu berücksichtigen.

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