Am 23. September 2022 fand eine einzigartige Aufführung in der Koningin Elisabethzaal Antwerpen statt. Es war eine stilvolle Angelegenheit, ein wahres Gala, aber das Kronjuwel des Abends war das Programm: ein Liederprogramm des walisischen Baritons Sir Bryn Terfel. Mit einem Repertoire von Volksliedern bis zu Arien und – wenn man nun einmal einen Wagner-Bariton verpflichtet hat – fantastischen Stücken aus Wagners Die Meistersinger von Nürnberg und Die Walküre. Der Abend versprach bereits viel, aber lassen Sie sich dies auf jeden Fall empfehlen, um die restliche Saison der Antwerp Symphony Orchestra zu verfolgen!
Das Orchester
Antwerp Symphony Orchestra (ASO), das international preisgekrönte Sinfonieorchester von Flandern und Belgien. Normalerweise ist mein Schwerpunkt als Kritikerin eher die vokale Seite, aber die Musikwissenschaftlerin in mir kann es nie lassen, einen guten Orchesterteil zu loben. Der erste Teil bestand aus einer Auswahl von Wagnerkomposition – klingende, deutsche romantische Musik. Wenn Sie eine Kombination wollen, in der Stimme und Orchester gleich deutlich und kraftvoll wirken, ist das Werk dieses deutschen Komponisten einfach ein Meisterzug. Mit „Die Ritt der Wälkuren" (Die Walküre, 1870) bewies das ASO, dass ihre Auswahl aus Spitzenmusikern besteht. Nicht nur das Tragen der Melodie ist schwierig – Bläsersektionen überall, seien Sie gewarnt –, sondern auch die Bogentechniken der Streicher waren lobenswert. Wiederholte kurze und kraftvolle Bewegungen, immer wieder die gleiche Technik und Geschwindigkeit, das ist eine Kunst für sich. Das Ergebnis war eine klare, getragene Klangproduktion. Und in der all-umfassenden Musik, in ihrer Gesamtkunst, ist jede Note eine Notwendigkeit. Auch die übliche Publikumsfavoritin, die Ouvertüre von Jacques Offenbachs Orphée aux enfers (1858), war beim ASO ein Kunstwerk. Als vokale Kritikerin ist es schön, wenn man einem Orchester Lob spenden kann, denn das beweist, dass die Musik auch funktioniert – sowohl bei der Auswahl als auch bei der Aufführung.

Sir Bryn Terfel
Als Musikliebhaber habe ich eine große Liebe zu Baritons: die teuflichen Scarpia's, die raffinierten Figaro's und die bombastischen Falstaffs. Früher war mein erster Platz ausschließlich für den meisterhaften Ambrogio Maestri reserviert, aber move over Maestri, du teilst dir jetzt den Thron mit Bryn Terfel! Bei den Stimmen, die man absolut einmal im Leben gehört haben muss, zähle ich als Kritikerin die wunderbare Tiefe von Terfel. Tief, hell, kraftvoll, durchdringend, aber daneben auch noch so ein erhabenes Pianissimo in der messa di voce (eine stark getragene Dynamik in der Stimme, gehalten) – es ist nicht vielen gegeben. Darüber hinaus kann man sagen, dass Sir Terfel ein unglaubliches Charisma besitzt, das er auch bei seinem Publikum einsetzt. Neben den bereits erwähnten Wagnerstücken brachte er auch Volkslieder und Musical-Nummern, neben den erwarteten Arien. Obwohl jedes Stück von Anfang bis Ende ergreifend war, kann besondere Aufmerksamkeit auf die Arie des Mefistofele „Son lo spirito che nega" (Arrigo Bioto, Mefistofele, 1868) gelenkt werden. Schön singen (Bel Canto) ist das eine, ein Wirbelsturm von Dynamik und Zangtechnik ist etwas anderes. Terfel ist ein Sänger, der die Kraft hat, sehr dynamisch mit seinen Phrasierungen umzugehen, und das kam in dieser Arie deutlich zum Vorschein. Ausdrücke, dynamische Tonverlauf und sogar Pfeiftöne durch den Saal – das Ganze war dabei. Es war auch eine Arie, die den ganzen Saal in Energie mitnahm, wie am Ende deutlich wurde, als spontan und zum Vergnügen von Terfel mehrere Gäste zu pfeifen begannen. Ein aktives, enthusiastisches Publikum, das sich aus seinem Korsett befreit – das könnte öfter passieren. Darüber hinaus wusste er mit starken Anekdoten dazwischen zu ergreifen. Aber letztendlich war sein Meisterzug, mit walisischen, irischen und schottischen Volksliedern zu schließen. Es war wunderbar und nicht oft zu hören. Und warum nicht, während des Jahres muss das klassische Publikum oft die gleichen Arien hören, aber wie selten ist ein gutes, abwechslungsreiches und starkes Programm! Jerry Bocks Musical-Nummer aus Fiddler on the Roof (1964) „If I Were a Rich Man" war das gut gewählte Schlussstück. Ein Gala endet man schließlich in Freude und Energie.Das Eröffnungsgala der Antwerp Symphony Orchestra mit Sir Bryn Terfel war ein Meisterzug. Versprochenes schuf Schuld, also hofft diese Kritikerin bereits mit dieser verdienten Lobrede euch als Publikum für das Orchesterjahr der ASO zu gewinnen. Es ist auf jeden Fall vielversprechend gestartet!
Information
WAS: Eröffnungsgala Antwerp Symphony Orchestra mit Sir Bryn Terfel, 23/09/2022
WER: Sir Bryn Terfel (Bariton), Marcus Merckel (Gastdirigent), Antwerp Symphony Orchestra mit Kompositionen von Richard Wagner, Jacques Offenbach und Charles Gounod.
WO: Koningin Elisabethzaal, Antwerpen
WANN: Sonntag, 23/09/2022
Agenda
- 30.09: Openingsconcert mit Elim
- 13-15.10: Aimard spielt Beethoven
- 11.11: Ein deutsches Requiem
- 25-26.11: De Oorlog (Peter Benoit)
- 04.12: Francks Symphonie in d
- 06.01: Neujahrskonzert