Zum Inhalt springen
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

A Little Caldara to Say Goodbye

D
· 6 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
A Little Caldara to Say Goodbye

Eine Reise durch Europa, so wurde das Konzert von The BanXhies angekündigt. Wer nach dem Konzert das Programmheft zuklappt, hat tatsächlich eine Reise zwischen Venedig und Wien unternommen. Eine voller schöner Musik.

The BanXhies ist ein junges Ensemble. Seit 2022 spielen die vier Musiker zusammen und ehrlich gesagt: das ist noch nicht so lange. Ich kannte das Ensemble vorher nicht. Aber dass das Quartett bereits außergewöhnlich zusammenhängend ist, wurde von den ersten Noten an deutlich. The BanXhies spielt nicht als vier einzelne Musiker, sondern als ein Körper. Mit einem Atem, einer Bewegung und – auffallenderweise – auch buchstäblich einer Körperlichkeit. Die Bewegungen der vier waren während des Spielens manchmal fast synchron. Das sagt viel darüber aus, wie intensiv diese Musiker miteinander zusammenspielen.

Das Konzert im besonderen Kammermusikzaal des Concertgebouw, eine Art quadratischer Turm, der sich stark in die Höhe aufbaut, mit Publikum auf verschiedenen Ebenen, war um italienische Triosonaten herum strukturiert. Caldara bildete dabei das Zentrum. Er war nämlich Vizekapellmeister am Wiener Hof unter Fux, und so entstand eine schöne historische und musikalische Linie zwischen Italien und Österreich.

Um Caldara herum wurde ein besonders reiches Programm gewebt mit unter anderem Vivaldi, Legrenzi, Bach, Porpora, Froberger, Biber, Muffat und Fux. Verschiedene Stile, verschiedene Komponisten und verschiedene musikalische Charaktere, aber dennoch mit einer klaren Kohäsion.

Die ersten Noten sind immer wichtig. The BanXhies kam sofort überzeugend herein mit einem Solo von Yaoré Talibart. Es gab Atemluft im Spiel, mit langen Bögen und getragenen Pianissimo-Passagen. Dissonanzen wurden scharf artikuliert und ab und zu bekam die Musik etwas Spielerisches. Nicht leichtfertig, sondern energisch und mit einer Art selbstverständlicher Freude.

Es war vor allem diese Kombination, die mir im Gedächtnis blieb: Getragensein ohne zu beschweren, Präzision ohne akademisch zu klingen und Spielerisches ohne oberflächlich zu werden.

Legrenzi brachte eine ganz andere Atmosphäre als Caldara oder Vivaldi. Seine Musik klang besonders dramatisch und endete für mich fast mit einem offenen Fragezeichen. Es war vielleicht das Werk, das am meisten aus dem Programm herausstach, aber gerade deshalb blieb es mir im Gedächtnis.

Zwischen den verschiedenen Werken bekam Cembalisten Louise Acabo einige Momente ganz für sich selbst. Was für ein Spiel! Sie kombinierte einen leichten Touch mit ausreichend Gewicht und kroch sozusagen in ihr Instrument. Besonders bei der zweiten Toccata fiel wieder auf, wie körperlich ihr Spiel war. Sie spielte nicht nur auf dem Instrument; sie schien darin aufzugehen. Das Cembalo atmete in ihrem Rhythmus, oder vielleicht atmete sie im Rhythmus des Instruments. Das war nicht nur musikalisch außergewöhnlich, sondern auch visuell.

Nach der ersten Toccata ging die Musik sofort wieder zu Caldara über. Und das ist vielleicht die Stärke dieses Programms: der rote Faden wurde nie wirklich losgelassen, auch wenn die Musik selbst eine ganz andere Richtung einschlug.

Porpora zum Beispiel machte Eindruck mit äußerst stillen Passagen. Stille ist natürlich leicht zu erreichen: man spielt einfach leiser. Aber hier bekamen diese flüsternden Momente eine enorme Tiefe und Getragensein. Man hörte, wie wenig es braucht, um viel zu sagen.

Danach folgte eine Cellosonate von Vivaldi, mit Suzanne Wolff als zentrale Figur. Ihr Spiel war besonders vokal: breite Legato-Linien, lange Phrasen und ein ständiges Gefühl für den großen Bogen. Gleichzeitig blieb es funkelig. Vielleicht vermisste ich in diesem Vivaldi ab und zu etwas Kraft, obwohl das vielleicht hauptsächlich eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. In den schnellen Passagen wurde dieser Eindruck jedenfalls vollständig von einer Virtuosität weggewischt, die keinen Zweifel ließ.

Nach der zweiten Toccata kam Biber, mit einer der Rosenkranzsonate. Diese Musik bedarf eigentlich kaum einer Erklärung. Der Einsatz war sofort mächtig. Biber brachte eine völlig andere Dimension in das Programm. Während Caldara und Vivaldi andere Farben und Formen haben hören lassen, bekam die Musik hier eine Intensität, die fast physisch wurde. Besonders die Virtuosität sprang hervor. Für mich war dies ohne Zweifel einer der Höhepunkte des Morgens.

Gegen Ende kam Muffat an die Reihe. Auch dort gab es einen schönen Soloaugenblick, gebracht von Roxana Rastegar. Das genaue Werk und die Besetzung muss ich noch überprüfen. Das Programmheft brachte mich übrigens an mehr als einem Moment etwas durcheinander. Zum Beispiel am Ende schien bei Muffat mehr angekündigt zu sein als letztendlich gespielt wurde. Ein Detail? Absolut. Aber für denjenigen, der gerne sein inneres GPS während eines Konzerts am Laufen hält und das Programmheft genau verfolgt, ist etwas Derartiges völlig ausreichend, um kurzzeitig die Orientierung zu verlieren.

Die zwei letzten programmierten Werke waren Fux und erneut Caldara.

Bei Fux spürte man wieder, wie intensiv diese vier Musiker miteinander verbunden sind. Fux ist zudem kein Komponist, den man einfach als Übergansmusik behandeln kann. Hier klang er, wie er klingen sollte: mit Aufmerksamkeit, Präzision und Raum für die Musik, um sich selbst zu entfalten. Das Adagio, Sarabande und Passacaglia flogen vorbei. Es war geschmeidig, getragen und besonders angenehm zu hören. Auch visuell blieb es angenehm: vier Musiker, die nicht nur gut zusammenspielen, sondern sich gegenseitig sichtbar in der Musik mitnehmen.

Und dann kam der Abschiedsgruß.

A Little Caldara to Say Goodbye.

Ich möchte diesen Satz behalten.

Nicht nur, weil er charmant ist, sondern weil er eigentlich das ganze Konzert zusammenfasst. Caldara war der rote Faden durch das Programm und gleichzeitig war dies kein Konzert, das sich in einen Komponisten, einen Stil oder ein Land abschloss.

Im letzten Allegro kam diese Spielerisches wieder zum Vorschein, aber auch die Getragensein, die das Konzert von Anfang an gekennzeichnet hatte. Es war, als würde das Spiel das Publikum noch einmal zu den Instrumenten hinziehen.

Das dankbare Publikum konnte durch minutenlanges Applaus noch eine Zugabe erzwingen: ein Stück aus einer Oper von Händel. Das war eine ausgezeichnete Zugabe. Es stand völlig außerhalb des italienischen und deutschen Repertoires, das davor kam und erweiterte mein Bild vom Ensemble erheblich. Während des kurzen Kommentars zum Bisnummern wurde außerdem klar, woher der Name The BanXhies kommt. Sie beschränken sich nicht auf italienische und deutsche Musik, sondern spielen auch Repertoire aus England, irische Musik und sogar Volksmusik.

Das macht neugierig.

Denn The BanXhies mag zwar noch ein junges Ensemble sein, aber es klingt bereits wie eine Gruppe, die weiß, was sie miteinander erzählen will. Das Zusammenspiel ist kohärent, die musikalischen Linien sind klar und es gibt Raum für Verfeinerung wie auch Spielerisches. Darüber hinaus scheinen sie kein Bedürfnis zu haben, sich in ein Schublade stecken zu lassen.

Die Händel-Zugabe war daher mehr als nur ein schöner Abschied. Es war eigentlich eine Einladung, nicht wirklich goodbye zu sagen.

Eher: bis zum nächsten Mal.

Und vielleicht vor allem: bis zur nächsten CD. Denn wenn A Little Caldara to Say Goodbye ein Vorgeschmack ist auf das, was The BanXhies auf CD vorbereitet, dann kann diese Veröffentlichung meiner Meinung nach bald kommen.

MAfestival The BanXhies Fotos: MAfestival / Laia Van den Borre Konzert: Freitag 7. August 2026, Kamermuziekzaal Concertgebouw, Brugge
Diesen Artikel teilen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste, der kommentiert.

Kommentar hinterlassen

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

DE