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Alexandre Tharaud singt auf den Tasten

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Alexandre Tharaud singt auf den Tasten
© Jean-Baptiste Millot

Alexandre Tharaud war lange Zeit ein Name unter vielen aufstrebenden jungen Pianisten. Bis ich den Film von Michael Haneke sah. Dort erhielt sein Name die konkrete Ausprägung eines 'rising star', der Schubert spielte, mit seiner ehemaligen Lehrerin und deren Mann im Publikum. Und der ihnen kurz darauf seine brandneue CD bringen wollte, aber zu seinem Entsetzen feststellen musste, dass er sie vergessen hatte!

Samstag war Tharaud im Concertgebouw Brugge. Auch für ein Solokonzert: Rameau, Mozart und Bearbeitungen von französischen Chansons. Auch mit einer neuen CD. Seine ehemalige Klavierlehrerin und deren Mann, Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant, sind inzwischen verstorben. Aber seine CDs hatte er mitgebracht: Pianosong, eine Auswahl von 29 ausgewählten Chansons, transformiert und erhoben zu vollwertigem Bühnnenrepertoire. Vor ihm, in den 'années folles', tat Jean Wiéner dies bereits für die 'die-hards' im aufsehenerregenden Pariser Cabaret 'Le Boeuf sur le toit'. 1953 erhob der bulgarisch-französische Alexis Weissenberg (1929-2012), einer der besten Pianisten des 20. Jahrhunderts, das Alltägliche zu Poesie und Kunst, als er, in der Nachfolge von Charles Trenet, den Charme von "En avril, à Paris" den Tasten anvertraute.

Das Klavier singt, spricht und ergreift


Bei seiner Suche zwischen Klassik und Populär verband Tharaud eine kristallklare Mozart-Sonate und ein tanzpflichtiges Rameau mit der französischen Lied- und Chansonkunst. Von Mozart hörten wir den 'Türkischen Marsch' schon so oft, dass wir nicht mehr bei der Verbindung zwischen seinen eleganten, zeitgebundenen Kompositionen und der damaligen Musik der Janitscharen stillstehen, die auf westliche Ohren großen Eindruck machte. In der Einleitung zog Jan Christiaens mit Bild und Klang die Aufmerksamkeit auf die dominanten Trommeln, die schmetternden Trompeten, die lärmenden Schalmeien und die klingelnden Glocken dieser Elitetruppen des Osmanischen Reiches, deren Evokation so geschickt mit pianistischeren Passagen in Mozarts 'Alla Turca' wechselt. Auch bei Rameau war das Klavier eine Quelle unterschiedlichster musikalischer und emotionaler Sphären.

Tharaud wählte eine seiner 'Nouvelles Suites' und das gab ihm die Gelegenheit, besondere Klangeffekte zu erzielen, wie die Illusion dreier Hände in 'Les Trois Mains' oder den Klang eines Bläserensembles in 'Fanfarinette'. Melodie und Ornamentik gingen Hand in Hand. Doch bei Rameau schweiften meine Gedanken unwillkürlich ab! War es ein Eindruck? Die Natur der Musik? Die Erinnerung an den Klang des Cembalos? Eine zu romantische Herangehensweise? Wahrscheinlich war es letzteres, denn die Staccatos am Ende der Suite bewiesen, dass es auch prägnanter sein konnte...

Hommages


Alexander Tharaud ist ein Poet am Klavier. Die samtenen Anfangstöne von Poulenc's 'Hommage á Piaf' bewiesen es mit Verve. Er jongliert mit Rubatos und Ralentandos. Seine Interpretationen sind mehr als Arrangements oder Bearbeitungen. Manchmal sind sie völlige Umwandlungen, anfangs unerkennbar. Aber genau das macht es so fesselnd. Seine Version von 'Ne me quitte pas', ein Schrei nach Liebe bei Brel, war in der Bearbeitung von Abdel Rahman El Bacha, hier geehrt als Gewinner des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs 1978, ein Flüstern kristallklarer Klänge, so zart wie der Pianist selbst.

Ebenso ergreifend war 'La Bohème' von Aznavour. Ganz langsam, zögernd, träumerisch, als würde Tharaud improvisieren, kam es heraus, 'simple comme bonjour', um dann schließlich auszubrechen. Jazzy-Züge, gut platzierte Dissonanzen, erbarmungslose Rhythmen gaben Standards wie 'J'attendrai' oder 'Padam' den Schwung, den sie brauchten. Eine stehende Ovation und eine sympathische Signiersitzung rundeten den Abend schön ab.

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