Originalität trumpft in Mechelen
Wenn es eine Feder auf dem Hut der Konzertorganisatoren von "Amazing Haydn" gibt, dann ist es die der Originalität.Anders als Klara und viele Konzertveranstalter, die mit einem Überangebot an abgespielten Topstars, Crossover-Musik und exotischen Klängen und Rhythmen die Aufmerksamkeit der "Liebhaber" jagen, bieten Alfons und Marie-Jeanne De Leus dem "Kenner" einen, wenn auch begrenzten, Einblick in den endlosen Schatz an kaum bekannten, vergessenen oder vernachlässigten Perlen aus Jahrhunderten der Musikgeschichte.
Sie tun dies bereits seit mehr als 25 Jahren durch ihre "Haydn-Biennale", jetzt "Amazing Haydn".
Und sie tun es diesen Herbst erneut.
"Noblesse oblige", also Haydn darf sicherlich nicht fehlen. Aber keine überbekannten "Hen", "Bär", "Uhr" oder "Abschiedssymphonie". Wohl eine wenig gehörte Sinfonie Nr. 42 und seine beeindruckende letzte, die "Salomon", Nr. 104.
Noch überraschender sind die Sinfonien von Fedinand Ries und von Antonio Rosetti. Und ein spektakuläres Konzert für zwei Hörner und Orchester von Franz Anton Hoffmeister.
Aber vielleicht ist die große Entdeckung Joseph Mayseder. Er war ein produktiver Komponist und ein bemerkenswerter Violinvirtuose, der unter Joseph Haydn in seinen "Die sieben letzte Worte" mittwirkte und unter Beethoven bei der Uraufführung der Siebenten Sinfonie und der Neunten. Haydn, Beethoven, Schubert, Hummel, Chopin, Liszt, Carl Loewe, Clara Wieck, er kreuzte ihre Wege. Sein "Souvenir à Baden" ist ein Beispiel seiner Popularität und sozialen Engagement. Sechs Variationen für Klavier, Violine, Bratsche und Cello garantieren zwanzig Minuten reine Verzückung.
Natürlich gibt es die "Ohrwürmer". Aber diese dürfen gerne vorhanden sein. Wer höre nicht gerne einmal das Klarinettenquintett von Mozart oder das von Weber erneut? Oder die mitreißende musikalische Beschreibung eines Zapfenstreichs in den nächtlichen Straßen Madrids, wie Boccherini ihn hörte? Oder das ausgelassene "Zigeunertrio" von Haydn?
Von Beethoven bekommen die erhabene Geschichte über "Die Geschöpfe des Prometheus" und die überbekannte Fünfte Sinfonie mit dem kurz-kurz-kurz-lang-Motiv des V von Victory ein neues Kleid dank des Ensemble von Beethoven, das eine Kammermusikversion davon anfertigte.
Die Ausführenden all dieser schönen und innovativen Musik kommen direkt aus Bonn, Pforzheim, Eisenstadt oder Wien. Und sagen Sie nicht zu schnell "Pfff! Unbekannt, also unbeliebt", denn viele waren bereits in Mechelen zu hören. Das ist sicherlich der Fall für Dirigent und Musikforscher Johannes Moesus, Präsident der Internationale Rosetti-Gesellschaft und künstlerischer Leiter der "Rosetti-Festtage im Ries", die er 2000 gründete.
Und vielleicht sahen Sie sogar aus Ihrem komfortablen Sessel Raimund Lissy, den begeisterten Animateur des Lissy Quartett Wien und unermüdlichen Forscher nach dem Treiben von Joseph Mayseder. Denn je nach Turnus sitzt er zwischen den Geigern der Wiener Philharmoniker, die am 1. Januar jedes Jahres das Neujahrskonzert feierlich eröffnen.
Praktisches
Das Musikfest beginnt am Sonntag, 25. September, in der Mecheler Sint-Katelijnekerk. Dann spielt um 15 Uhr das Ensemble von Beethoven Bonn. Es endet am Sonntag, 16. Oktober mit einem Auftritt des Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim in der Sint-Janskerk.
Dazwischen spielt am Sonntag, 2. Oktober, um 15 Uhr, in der Sint-Pieter-en-Paulkerk, das Lissy Quartett Wien und kommt am Sonntag, 9. Oktober das Damenquartett des Haydn Konservatoriums Eisenstadt in die Kirche O.-L.-V. van Leliëndaal.
Weitere Informationen erhalten Sie über haydngenootschap.servus@telenet.be oder Telefon 015/33.11.03 oder auf der Website: https://amazinghaydn.be/