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Ana Sokolović und Kris Defoort bereichern Königin-Elisabeth-Wettbewerb 2025 mit zeitgenössischen Kompositionen

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Ana Sokolović und Kris Defoort bereichern Königin-Elisabeth-Wettbewerb 2025 mit zeitgenössischen Kompositionen
© Königin-Elisabeth-Wettbewerb

Der Queen Elisabeth Competition 2025 für Klavier steht dieses Jahr im Zeichen von zwei führenden Komponisten: Ana Sokolović und Kris Defoort. Sie leisten beide einen besonderen musikalischen Beitrag in Form von Pflichtwerken, die speziell für den Wettbewerb komponiert wurden. Diese neuen Kompositionen – jeweils für das Halbfinale und das Finale – bilden nicht nur einen künstlerischen Mehrwert für den Wettbewerb, sondern auch eine einzigartige Herausforderung für die Teilnehmer. In diesem Betrachtungsartikel beleuchten wir den Hintergrund und Stil beider Komponisten, ihre Bedeutung in der zeitgenössischen Musikwelt und wie ihre Werke den Queen Elisabeth Competition mit zeitgenössischen Klängen färben.

Zeitgenössische Klänge in einem traditionsreichen Wettbewerb


Die Einführung neuer Musik ist eine Tradition, die der Queen Elisabeth Competition seit Jahren pflegt. Jeder Wettbewerb beauftragt junge Musiker, ein brandneues Werk aufzuführen, wodurch zeitgenössische Komponisten eine prominente Rolle erhalten. 2025 wurde beschlossen, sowohl im Halbfinale als auch im Finale eine Uraufführung zu programmieren. Dies unterstreicht, wie der Wettbewerb eine Brücke zwischen jungem ausführendem Talent und lebenden Komponisten schlägt. Sokolović und Defoort stehen damit im Rampenlicht, nicht als Ausführende, sondern als die kreativen Geister hinter den Noten auf dem Pult. Ihre Anwesenheit beim Halbfinale und Finale betont den Dialog zwischen Komponist und Ausführendem: Sie werden hautnah miterleben, wie ihre Musik in den Interpretationen der Teilnehmer zum Leben erwacht.

Ana Sokolović: verspielte Rhythmen und internationales Flair


Ana Sokolović (geb. 1968) ist eine serbisch-kanadische Komponistin, die weltweit für ihre originelle und lebendige musikalische Sprache anerkannt ist. Ursprünglich aus Belgrad stammend, ließ sie sich in Montréal nieder und entwickelte sich zur führenden Persönlichkeit in der zeitgenössischen klassischen Musik in Kanada. Ihre Musik wird für ihre verspielte Energie und reiche Rhythmik gepriesen, oft genährt durch die folkloristischen Traditionen südslawischer Überlieferungen. Einflüsse von slawischen Rhythmen und Volkmelodien verwebt sie auf persönliche Weise in ihren Kompositionen, kombiniert mit modernen Techniken, die an Strawinskys Polyrhythmen und sogar Echos von Pop- und Weltmusik erinnern. Das Ergebnis ist eine farbenfrohe Klangwelt voller Kontraste und Überraschungen, die sowohl Kenner als auch neue Hörer anspricht.

Sokolović hat ein vielseitiges Oeuvre aufgebaut, von intimer Solo- und Kammermusik bis zu großangelegten Opernproduktionen. So schrieb sie beispielsweise die bemerkenswerte Oper "Svadba (Wedding)" – ein A-cappella-Werk für sechs Frauenstimmen – und "The Midnight Court", eine Kameropera, die sie international bekannt machte. Ihr Werk wurde mehrfach ausgezeichnet; sie gewann beispielsweise zwei Jahre in Folge einen JUNO Award für beste klassische Komposition (2019 und 2020), einen prestigeträchtigen kanadischen Musikpreis. Diese Auszeichnungen verdeutlichen ihre Bedeutung in der zeitgenössischen Musikwelt und ihre Fähigkeit, ein breites Publikum mit neuer Musik zu erreichen.

Ein neues Werk für das Halbfinale: Two Studies for Piano


Für das Halbfinale des Queen Elisabeth Competition 2025 komponierte Ana Sokolović das Pflichtwerk "Two Studies for Piano". Dieses Klavierstück – bestehend aus zwei kontrastierenden Etuden – wurde für Soloklavier geschrieben und ermöglicht es den 24 Halbfinalistinnen und Halbfinalisten, ihr Können anhand brandneuer Musik zu zeigen. Sokolovićs charakteristischer Stil ist deutlich präsent: Die Two Studies enthalten vermutlich sowohl verspielte Rhythmen als auch lyrische Momente, durch die die Pianisten verschiedene Facetten ihrer Technik und Musikalität demonstrieren müssen. Die Tatsache, dass die Komponistin sich von Balkan-Einflüssen inspirieren lässt, verspricht auch unwiderstehliche rhythmische Muster, für die die Pianisten ein Gespür zeigen müssen.

Die Uraufführung von Two Studies for Piano findet am Montag, 12. Mai 2025 in Studio 4 des Flagey statt, während der allerersten Halbfinalrunde. An diesem Tag wird der erste Halbfinalist dieses Werk zum ersten Mal öffentlich aufführen, in Anwesenheit von Sokolović selbst. In der Woche vom 12. bis 17. Mai werden alle 24 Halbfinalisten abwechselnd die Two Studies bei ihrem Recital zum Besten geben. Da das Halbfinalwerk kurz nach der Vorauswahl an die Kandidaten übergeben wurde, hatten sie Zeit, sich gründlich vorzubereiten. Dennoch bleibt es eine Herausforderung: Es gibt nämlich keine früheren Aufnahmen oder Interpretationsbeispiele dieses funkelnden neuen Stücks. Jeder Pianist muss selbst zu einer überzeugenden Lesart gelangen, was Raum für individuelle Kreativität lässt. Sokolović wird während der Halbfinale anwesend sein, um ihr Werk mehrmals aufgeführt zu hören und die verschiedenen Interpretationen der jungen Musiker mitzuerleben. Für sie ist es zweifellos genauso spannend wie für die Pianisten: Ihre Noten erhalten Leben durch 24 verschiedene Persönlichkeiten.

Kris Defoort: Kreuzbestäubung zwischen Klassik und Jazz


Der belgische Komponist Kris Defoort (°1959) ist ein musikalisches Phänomen, das Grenzen zwischen Genres verwischt. Als Pianist, Komponist und Improvisator hat er sich einen einzigartigen Platz an der Schnittstelle zwischen klassischer Musik und Jazz erworben. Defoort, geboren in Brugge, begann seine Karriere in der Jazzwelt, entwickelte aber allmählich einen ganz eigenen Stil, in dem geschriebene Komposition und spontane Improvisation verschmelzen. Er lässt sich nicht in ein Fachgebiet einordnen: Seine Musik kann sich ebenso swingend und frei anfühlen wie strukturiert und klassisch in der Form. Diese Kreuzbestäubung von Klassik und Jazz verleiht seinem Werk eine frische, zeitgenössische Stimme innerhalb des Konzertsaals.

Im Laufe der Jahre hat Kris Defoort ein reichhaltiges Œuvre geschaffen, das von Kammermusik bis zu sinfonischen Stücken und Opern reicht. Er komponierte beispielsweise die Opern "The Woman Who Walked into Doors" (2001) und "House of the Sleeping Beauties" (2009) für De Munt in Brussel, beide in Zusammenarbeit mit Regisseur Guy Cassiers. Eines seiner ehrgeizigsten Werke ist die Oper "The Time of Our Singing" (Uraufführung 2021), basierend auf dem Roman von Richard Powers, mit der Defoort international großen Erfolg hatte – sie brachte ihm sogar einen International Opera Award ein, eine Auszeichnung als Beweis seines außergewöhnlichen handwerklichen Könnens. Neben seiner Tätigkeit als Komponist ist Defoort auch als Ausführender tätig geblieben: Er tritt regelmäßig mit seinem eigenen Jazztrio auf und unterrichtet am Koninklijk Conservatorium in Brussel, wo er sein Wissen an neue Generationen von Musikern weitergeben.

Erforderliches Finalwerk: Music for the Heart als Höhepunkt des Wettbewerbs


Für das Finale des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs Klavier 2025 erhielt Kris Defoort den ehrenvollen Auftrag, ein neues Werk für Klavier und Orchester zu schreiben. Das Ergebnis ist "Music for the Heart", ein konzertantes Werk, das als Höhepunkt des Wettbewerbs dienen soll. Diese Komposition für Klavier und Sinfonieorchester verlangt von den Finalisten nicht nur Virtuosität, sondern auch Einfühlungsvermögen und Flexibilität. Defoort hat in Music for the Heart zweifellos Elemente verarbeitet, die sein Signum tragen: Vielleicht fließen Jazzharmonien durch die orchestrale Textur, oder er lässt Raum für Lyrik und spontanen Dialog zwischen Solist und Orchester. Das Stück verspricht eine spannende Wechselwirkung zwischen Rhythmus und Melodie, zwischen ausgeschriebener Partitur und dem persönlichen Touch, den jeder Pianist ihr geben wird.

Die Finalisten erhalten die Noten von Music for the Heart jedoch erst nach dem Halbfinale. Damit beginnt eine intensive Woche der Vorbereitung: Wie es Tradition ist, ziehen sich die zwölf verbleibenden Kandidaten in die Muziekkapel Koningin Elisabeth zurück, vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. In dieser kurzen Zeitspanne von einer Woche müssen sie Defoorts neugeborene Partitur einstudieren – ohne Hilfe ihrer Lehrer oder Internet – und sich die Musik zu eigen machen. Es ist eine enorme Herausforderung, die sowohl technische Meisterschaft als auch mentale Widerstandskraft erfordert. Jeder Finalist muss seine oder ihre Interpretation von "Music for the Heart" gestalten und diese mit Selbstvertrauen mit einem vollständigen Orchester vortragen können. Für junge Pianisten, die an das traditionelle Repertoire gewöhnt sind, bedeutet dieses Finalwerk einen Sprung ins Unbekannte und einen Test ihrer musikalischen Kreativität unter großem Druck.

Die Weltpremière von Music for the Heart findet am Montag, 26. Mai 2025 statt, dem ersten Abend des Finales im Paleis voor Schone Kunsten (Bozar) in Brussel. Während dieses Finalabends wird der allererste Finalist das Werk zusammen mit dem Brussels Philharmonic unter der Leitung von Dirigent Kazushi Ono kreieren. Kris Defoort wird dabei im Saal anwesend sein, um zu hören, wie seine Komposition zum ersten Mal erklingt. In den folgenden Finalabenden tragen auch die übrigen elf Finalisten Defoorts Werk vor, jedes Mal mit demselben Orchester, aber zweifellos jedes Mal mit einer eigenen Nuance. Es ist eine seltene Situation: Der Komponist kann sein Stück innerhalb einer Woche in zwölf verschiedenen Interpretationen erleben. Für Defoort muss das eine faszinierende Erfahrung sein, und für das Publikum gleichermaßen – es lernt ein neues Werk kennen und entdeckt jeden Abend neue Facetten davon durch die verschiedenen Aufführungen. Die Anwesenheit des Komponisten beim Finale verleiht dem Ereignis zusätzlichen Glanz; das Publikum und die Jury können den Schöpfer der Musik direkt erkennen, und die Finalisten spüren vielleicht einen zusätzlichen Ansporn, den Intentionen hinter den Noten gerecht zu werden.

Video: Kris Defoort über die Entstehung von "Music for the Heart" und die Erfahrung, sein Werk von zwölf Finalisten aufgeführt zu hören. (Video einzufügen, zum Beispiel ein Interview oder Bericht während der Finalwoche.)

Bedeutung für den Wettbewerb und die Musikwelt


Die Wahl von Ana Sokolović und Kris Defoort als Komponisten im Königin-Elisabeth-Wettbewerb 2025 unterstreicht das Engagement des Wettbewerbs mit zeitgenössischer Musik. Beide Komponisten bringen ihr eigenes musikalisches Universum in den Wettbewerb und geben damit den jungen Pianisten und dem Publikum die Chance, etwas Neues zu entdecken. Für die Teilnehmer stellen diese Pflichtwerke einen Testfall in Flexibilität und künstlerischem Einsicht dar: Sie müssen zeigen, dass sie nicht nur das klassische Repertoire beherrschen, sondern auch ein unbekanntes Stück unserer Zeit zum Leben erwecken können. Diese Art von Herausforderung hebt den Wettbewerb auf ein höheres Niveau und bereitet die Musiker auf eine professionelle Karriere vor, in der neue Musik einen Platz hat.

Gleichzeitig bedeuten die Weltpremieren innerhalb des Wettbewerbs, dass die Kompositionen von Sokolović und Defoort sofort eine öffentliche Plattform erhalten. Die Tatsache, dass ihre Werke auf CD und Streaming nach dem Wettbewerb erscheinen, sorgt dafür, dass die Musik ein längeres Leben außerhalb des Wettbewerbskontexts hat. So bereichert der Königin-Elisabeth-Wettbewerb nicht nur die Karrieren aufstrebender Pianisten, sondern auch das Repertoire der Musik des 21. Jahrhunderts. Sokolović und Defoort leisten 2025 einen wertvollen Beitrag, der über das Wettbewerbsevent selbst hinausgeht: Sie inspirieren sowohl die Teilnehmer als auch die Hörer und bestätigen den anhaltenden Dialog zwischen Tradition und Erneuerung in der klassischen Musikszene.

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